Ist das in der heutigen Zeit überhaupt noch möglich? Welche Faktoren tragen dazu bei?

Macht Ökologie das „leistbare Wohnen“ unmöglich?

Tatsächlich ist in den letzten Jahrzehnten Bauen und Wohnen sehr viel teurer geworden. Glaubt man diversen Presseaussendungen, sind Energieeffizienz und Bauökologie mit dafür verantwortlich. Doch: Allein die Grundstückspreise in den Wohngemeinden sind in den letzten 20 Jahren auf das Fünffache gestiegen, in zentralen Lagen noch mehr. Real bedeutet dies mehr als eine Verdoppelung.
In den 50er Jahren standen den Vorarlbergern pro Kopf außerdem (teilbeheizte) 12 m2 Wohnnutzfläche zur Verfügung – im Augenblick sind es (vollbeheizte) 38 m2, Tendenz steigend. Dies bedeutet einen Kostenfaktor drei. Außerdem sind sich die Bauträger einig, dass die neuen Brandschutz- und allgemeinen Sicherheitsvorschriften auf Baukosten einen größeren Einfluss haben, als Energieeffizienz und Bauökologie.

Ausführungsdetails entscheiden bei den Kosten mit

Pro Wohneinheit muss inzwischen mehr als ein Autoabstellplatz vorgesehen werden, meist in aufwändigen Garagen oder Tiefgaragen. Raumhohe Verglasungen mit Hebe-Schiebetüren kosten nicht nur in der Errichtung mehr als Wände mit optimierten kleineren Fenstern, sie haben auch kürzere Sanierungsintervalle, höhere Sanierungskosten und – aufgrund der schlechteren thermischen Eigenschaften – auch höhere Betriebskosten.
Dabei werden oft die damit verbundenen Solargewinne nicht einmal genutzt, weil sie durch weit auskragende und damit teure Terrassen abgeschattet werden. Diese und einige weitere Kostenverursacher werden nicht in Frage gestellt. Thermischen Maßnahmen wird hingegen mangelnde Wirtschaftlichkeit vorgeworfen, einem Einfamilienhaus nicht. Dabei sind oft die thermischen Verbesserungen jene Maßnahmen, die als einzige Kostenverursacher auch Einsparungen nach sich ziehen und zudem (Energie-) Krisensicherheit bieten. Ökologische Vorgaben helfen externe Kosten – Umweltschäden, Gesundheitsschäden – zu minimieren.

Steigenden Ansprüchen und künftigen Generationen gerecht werden

Es wurde letzten Monat nicht nur der 7 Milliardste Erdenbürger geboren, auch Vorarlbergs Bevölkerung hat sich seit Mitte der 50er Jahre verdoppelt. Menschen wurden nicht nur mehr, sie stellen auch sehr viel höhere Ansprüche. Diese Ansprüche haben Folgen.

Folgeschäden wachsen, das Bewusstsein über diese Folgeschäden wächst ebenfalls. Wollen wir allen drei Spiralen gerecht werden – Bevölkerungszuwachs und steigende Ansprüchen zulassen und dabei die Lebensqualität nachfolgender Generationen nicht verderben, so bleibt uns als Spielraum nur der kleine Bereich dazwischen – höchst verfügbare Vorsicht und Effizienz.

 Und genau das sollten wir uns nicht mehr leisten können?