In Zeiten der Abkehr von fossilen Energieträgern auf der einen und Kostendruck im Neubau und bei Sanierungen auf der anderen Seite wird immer wieder die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Infrarotheizung gestellt. In diesem Faktencheck legt das Energieinstitut Vorarlberg eine Facheinschätzung zu den Vor- und Nachteilen von Infrarotheizungen dar.

Funktionsweise einer Infrarotheizung

Infrarotheizungen (oder Strahlungsheizungen) sind Heizsysteme, die vorwiegend Wärmestrahlung (Infrarotlicht) abgeben, anstatt die Luft zu erwärmen und durch Konvektion im Raum zu verteilen. Der Begriff klärt also nur die Art der Wärmeabgabe, nicht die der Wärmeerzeugung. Die in letzter Zeit vermehrt am Markt unter dem Sammelbegriff „Infrarotheizung“ angebotenen Produkte sind elektrische Widerstandsheizungen. Das heißt sie wandeln elektrischen Strom in Wärme um und geben diese in der Folge an den Raum ab. Wärmeabgabe an einen Raum erfolgt im Wesentlichen über

  • Wärmestrahlung (Wärmeübertragung durch elektromagnetische Wellen) und über
  • Konvektion (Erwärmung der vorbeiströmenden Luft).

Eine hundertprozentige Wärmeabgabe über Wärmestrahlung ist physikalisch nicht möglich.

Der Anteil der Wärmeabgabe eines Heizkörpers, der in Form von Wärmestrahlung geschieht, wird als Strahlungswirkungsgrad bezeichnet. Je höher dieser Strahlungswirkungsgrad ist, desto berechtigter ist die Bezeichnung “Infrarotheizung”. Man beachte, dass alle gängigen Heizsysteme zu einem gewissen Grad auch Wärmestrahlung abgeben, ohne deswegen unbedingt als Infrarotheizung bezeichnet zu werden. Dies trifft z. B. für Kachelöfen und besonders für Kaminfeuer zu. Auch eine Fußboden- oder Deckenheizung (beispielsweise mit Deckenstrahlplatten) gibt vorwiegend Strahlungswärme ab, da eine Luftkonvektion in diesem Fall kaum auftritt.

Der Strahlungswirkungsgrad der am Markt angeboten elektrisch betriebenen Infrarotheizungen liegt – je nach Bauart, Oberfläche und Betriebstemperatur – im Bereich zwischen 25% bis 60%. Konventionelle Heizkörper (Radiatoren) haben abhängig von ihrer Kompaktheit einen Strahlungsanteil von 20 bis 50 Prozent. Fußboden- und Wandheizungen einen Strahlungsanteil von bis zu 60 Prozent. Die restliche Wärmeabgabe erfolgt hauptsächlich über Konvektion. Eine Eigenheit von Heizsystemen mit hohem Strahlungsanteil ist ihre Fähigkeit, Umfassungsbauteile wie Böden, Wände oder Decken sowie Möbel oder Personen im Raum zu erwärmen. Dies wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden.

Infrarotheizungen geben einen großen Teil der Wärme als Strahlungswärme ab.

Eine Eigenheit von Heizsystemen mit hohem Strahlungsanteil ist ihre Fähigkeit, Umfassungsbauteile wie Böden, Wände oder Decken sowie Möbel oder Personen im Raum zu erwärmen. Dies wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden.

Dadurch kann die Raumtemperatur – im Vergleich zu mit Radiatoren beheizten Räumen – meistens um ca. 1 bis 2 °C abgesenkt werden, ohne Einbußen bei der Behaglichkeit erwarten zu müssen. Ein ähnlicher Effekt tritt auch bei Flächenheizungen wie Fußboden- und Wandheizungen auf. Um die erforderliche Leistung an den Raum abgeben zu können, erwärmen sich Infrarotpaneele auf bis zu 100°C. Zu starke Wärmestrahlung kann die Behaglichkeit auch negativ beeinträchtigen. Unangenehm ist es, von einer Seite stark angestrahlt zu werden, während die andere Körperseite kalt bleibt. Außerdem kann eine unangenehme Reizung der Augen auftreten. Ein weiterer Effekt hoher Oberflächentemperaturen ist, dass Staub verschwelt wird (ab rund 55°C), was zu Geruchsbildung und dem Empfinden von trockener Raumluft führen kann.

Rechtliche Rahmenbedingungen zum Einsatz einer Infrarotheizung

Gemäß Vorarlberger Bautechnikverordnung dürfen beim Neubau von Gebäuden elektrische Direkt-Widerstandsheizungen nicht als Hauptheizungssystem eingebaut und eingesetzt werden. Ausgenommen sind Gebäude, deren Kohlendioxidemissionen 13 kg / m2a konditionierter Brutto-Geschoßfläche nicht überschreiten. Im mehrgeschossigen Wohnbau fordert die OIB-Richtlinie 6 (Ausgabe 2015) eine zentrale Wärmeerzeugung, was den Anwendungsbereich von Infrarotheizungen hier ausschließt. Ausgenommen davon sind Gebäude, die einen Referenz-Heizwärmebedarf von max. 25 kWh / m2a aufweisen.

Darüber hinaus sind laut OIB-Richtlinie weitere energetische Mindestanforderungen einzuhalten und Alternativenprüfungen durchzuführen. Auch im Sanierungsfall sind rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten. Die Details dazu finden Sie im „Faktencheck Infrarotheizung“ zum Download auf dieser Seite.

Woher kommt der Strom für die Infrarotheizung?

Die Kombination einer Infrarotheizung mit einer PV-Anlage ist grundsätzlich möglich. Allerdings kann nur ein sehr kleiner Anteil des selbst produzierten Stroms direkt mit der Infrarotheizung in Wärme umgewandelt werden. Dies liegt daran, dass im Winter, wenn die Heizung benötigt wird (und somit der Strombedarf hierfür am größten ist), das solare Angebot und die Erträge der PV-Anlage am geringsten sind.

Im Gegensatz dazu wird im Sommer mit der PV-Anlage ein Überschuss erzeugt, der dann in das öffentliche Netz eingespeist wird. Eine saisonale Speicherung vor Ort als Vorrat für den Winter ist nicht möglich. Die Energiebilanz über das ganze Jahr kann zwar ausgeglichen sein, der überschüssige Strom im Sommer muss allerdings ins öffentliche Netz eingespeist und bei Bedarf zu einem höheren Preis wieder zugekauft werden. Ein Batteriespeicher kann das Problem nur unwesentlich beeinflussen, denn die geringen Energieerträge im Winterhalbjahr werden in der Regel fast vollständig von Elektrogeräten und für die Beleuchtung im Haushalt verbraucht.

Haus mit Photovoltaikanlage

Im Winter kann nur ein kleiner Teil des Strombedarfs für die Infrarotheizung über eine eigene PV-Anlage gedeckt werden.

Der Strom für die Heizung wird im Winter also zugekauft. Das gilt nicht nur für den einzelnen Haushalt: Österreich ist bereits jetzt Nettoimporteur von Strom. Erhöhen (viele) neue Infrarotheizungen im Winter den Strombedarf, wird dieser daher überwiegend importiert und stammt zu einem großen Teil aus kalorischen und Atomkraftwerken. Wie sich das auf die CO2-Bilanz des bezogenen Strommixes auswirkt, finden Sie im „Faktencheck Infrarotheizung“ zum Download auf dieser Seite.

Vor- und Nachteile einer Infrarotheizung im Überblick

+ geringe Investitionskosten
+ keine Wartung und Instandhaltung
+ geringe Aufheiz- und Abkühlzeit, kurze Reaktionszeit
+ hoher Wirkungsgrad vor Ort und keine signifikanten Verteilverluste innerhalb des Gebäudes

– hohe Betriebskosten
– Einsatz der hochwertigsten Energieform Strom zur Bereitstellung von 22°C Raumwärme
– keine Bevorratung des Brennstoffs möglich
– eigenes System zur Brauchwasserbereitung erforderlich
– erhöht den Winter-Strombedarf (deutlich höherer Anteil an Strom aus kalorischen Kraftwerken udn damit höherer CO2-Faktor)

Empfehlungen zum Einsatz elektrischer Widerstandsheizungen (Infrarotheizungen)

Wir bewerten den Einbau einer Infrarotheizung im Neubau einzig bei Gebäuden mit einer Energieeffizienzklasse für den HWB von A+ oder A++ (HWBREF, SK max. 15kWh/m2a) als vertretbar. Hier stehen die Kosten für Heizraum und Verteilung bei wassergeführten Systemen in einem ungünstigen Verhältnis zur benötigten Wärmemenge, sodass der Einsatz einer elektrischen Infrarotheizung ökonomisch und ökologisch durchaus sinnvoll sein kann.

  • Infrarotheizungen sollten bei Sanierungen nur in Einzelfällen und allenfalls zur Beheizung einzelner, untergeordneter Räume (z.B. Bad, Hobbyraum) zeitlich eingeschränkt eingesetzt werden.
  • Im Neubau sollte sich der Einsatz auf Gebäude der Kategorie A+ und A++ (gemäß Energieausweis) beschränken.

Die Grundlagen dieser Empfehlungen sind im „Faktencheck Infrarotheizung“ detailliert ausgeführt. Sie können den Faktencheck hier herunterladen.

Weitere Informationen und Beratung

Grundlagen zur Heizungswahl und die Möglichkeit, die Vollkosten (Anschaffung, Wartung und Betrieb) von Heizsystemen zu vergleichen, haben wir hier für Sie zusammengestellt. Für Ihre persönlichen Fragen rund um die Infrarotheizung stehen Ihnen unsere Energieberater am Energietelefon kostenlos und produktneutral zur Verfügung. Sie erreichen sie von Montag bis Freitag jeweils von 8:30 bis 12 Uhr unter 05572 / 31 202-112.