Gemeinden können bis zu 20% höhere Bedarfszuweisungsmittel beim Neubau und bei der Generalsanierung von kommunalen Gebäuden erhalten, wenn diese energetisch und ökologisch optimiert ausgeführt werden. Zudem wird bei Spitzenprojekten die Baukostenförderobergrenze erhöht.

Die Grundidee des KGA ist, die Mittel der Bedarfszuweisung mit Anreizen für energetisch und ökologische Qualitäten differenziert zu vergeben. So wird für wenig ambitionierte Bauvorhaben weniger und für ehrgeizige Projekte mehr Geld ausgeschüttet.

Der KGA wird zur Zeit für alle bedarfszuweisungsrelevanten Gebäudetypen wie Gemeindeamtsgebäude, Pflichtschulen inkl. Mehrzweck- und Turnhallen, Kultursälen und Pflegeheimen sowie zusätzlich Kindergärten angewandt. Es gibt einen Kriterienkatalog für Neubau und einen für Generalsanierungen. Bauteilsanierungen und Teilsanierungen werden nicht berücksichtigt.

Entstehung des KGA

Die Gebäuderichtlinie 2010/31/EU fordert als Standard für alle neuen, öffentlichen Gebäude in EU- Staaten ab dem Jahr 2019 „fast Nullenergiehäuser, deren sehr geringer Energiebedarf zu weit überwiegenden Teilen aus erneuerbaren Quellen gedeckt wird.“
Der Wunsch von Land und Gemeindeverband war es Anreize zu schaffen, die verbindlichen Anforderungen der EU durch ein Fördersystem, ähnlich der Wohnbauförderung, schrittweise umzusetzen. Herausragende Beispiele engagierter Gemeinden gibt es im Land seit über 20 Jahren und im Servicepaket „Nachhaltig:Bauen in der Gemeinde“ kann man die breite Markteinführung effizienter und ökologischer Gebäude an über 60 in Vorarlberg begleiteten Projekten ablesen.

Kriterien im KGA

Im Kommunalgebäudeausweis gibt es nur 14 unterschiedlich gewichtete Kriterien in 4 Bewertungskategorien, mit jeweils Muss- oder Kann- Kriterien. Die Grundstrukturen von Neubau und Generalsanierung sind identisch. Beide nutzen ein 1000 Punktesystem. Bewertet werden die Prozess- und Planungsqualität, Energie und Versorgung, Gesundheit und Komfort, sowie Baustoffe und Konstruktion.

Änderungen im Fördersystem

Um die Änderungen im Fördersystem der Bedarfszuweisungen kostenneutral umsetzen zu können, wurde die Basisförderung um 2% abgesenkt. Diese Minderung kann aber durch hohe Punktzahlen im KGA ausgeglichen oder sogar übertroffen werden. Ab 600 Punkten gibt es 1% mehr Bedarfszuweisung, alle 50 Punkte gibt es ein halbes Prozent mehr, bis bei 900 Bewertungspunkten 4% zusätzliche Bedarfszuweisung erreicht werden. Diese Gebäude erhalten dann 2% mehr Förderung als vor Einführung des KGA.

Anhebung der Baukostenobergrenze

Zusätzlich wurde die Baukostenförderobergrenze für Gebäude mit hoher Bewertungspunkteanzahl angehoben. Energieeffiziente und ökologische Gebäude verursachen in der Bauphase höhere Investitionskosten. Auf ihre Lebenszeit betrachtet, sind sie jedoch auf Grund geringerer Energiekosten und Wartungskosten oft günstiger. Ab 600 Punkten kann die bisherige Baukostenobergrenze deswegen um 3% überschritten werden. Mit jeden weiteren 50 Bewertungspunkten steigt die Bemessungsgrenze um ein weiteres Prozent bis bei 900 Punkten 9% höhere Baukosten bewilligt werden.

Berechnung am Beispiel einer typischen Gemeinde

Eine Gemeinde mit 780 Einwohnern möchte ihre Schule sanieren. Ihre Finanzkraft liegt bei 92% des Landesdurchschnittes. Die förderbare Kubatur beträgt 5.500m3 Bruttorauminhalt. Die Gemeinde erhält für ihre vor-bildliche Sanierungsmaßnahme 910 Bewertungspunkte im KGA.

Ermittlung Fördersatz: 

Grundfördersatz 18 %
Zuschlag Gemeindegröße   8 %
Zuschlag Finanzkraft   4 %
Zuschlag KGA   4 %
ergibt aktuellen Fördersatz   34 %

 Baukostenobergrenze:

5.500 m3 = 547 €/m3
+9% (bei 910 KGA-Punkten) =   49 €/m3
neue Obergrenze = 596 €/m3
596€ x 5.500m3 =3.278.000 €

Die Gemeinde erhält also 2% mehr auf einen höheren Sockelbetrag. In diesem Beispiel erhöht sich die Bedarfszuweisung im Vergleich zur alten Regelung um 151.800 €. Würde die gleiche Gemeinde im KGA nur 590 Bewertungspunkte erreichen, bekäme sie 211.970 € weniger Bedarfszuweisung, als bei 910 Punkten und damit auch 60.170 € weniger, als bei der alten Regelung.

Der Anreiz energieeffizient und ökologisch zu bauen, ist also deutlich gegeben. In der langfristigen Betrachtung muss natürlich auch berücksichtigt werden, dass eine höhere Investition bezuschusst wird, die Unterhaltskosten von den Gemeinden aber alleine getragen werden.

Alle Informationen zum Kommunalgebäudeausweis und den Bedarfszuweisungsrichtlinien finden Sie auf www.umweltverband.at