Der Vergleich macht Sie sicher!

Mit Benchmarks ein Gefühl für den Energieverbrauch der eigenen Firma im Kontext seiner eigenen Branche erhalten.

Wer an einem 100 m Wettkampf teilnimmt weiß sofort beim Zieleinlauf Bescheid: Meine Leistung war einwandfrei. Ich bin mit meinem Platz zufrieden.Warum ist das so leicht möglich? Ganz einfach: Weil man seine eigene Position im Vergleich zu den anderen Teilnehmer kennt. Genau so funktioniert Benchmark Nutzung.

Mit Energieverbräuchen verhält es sich identisch. Nur wer typische Verbräuche von ähnlichen Unternehmen kennt, kann seinen eigenen Verbrauch dagegen benchmarken und kennt sich aus. Sofort ist ersichtlich, ob man eher im guten oder eher im schlechten Drittel des Feldes liegt.

Benchmark – Kennzahlen bilden

Grundlage für jeden Benchmark sind bezogene (man sagt auch relative) Werte. Im Folgenden beschäftigen wir uns mit Energieverbräuchen pro Bezugsgröße (daher übrigens auch der Name Benchmark, engl. für Bezugsgröße, Bezugswert).

Einige relative Kennzahlen haben sich in der Energieszene als geläufig durchgesetzt. Dazu gehören:

  • Wärmeverbrauch pro m2
  • Stromverbrauch pro Mitarbeiter
  • Treibstoffverbrauch pro 100 km

Aber es gibt durchaus auch Kennzahlen, die nur von einer bestimmten Branche verwendet werden. Zum Beispiel:

  • bei Sennereien der Wärmeverbrauch pro Milchäquivalent
  • in der Hotellerie der Stromverbrauch pro Übernachtung

In jedem Fall erlauben es die bezogenen Kennzahlen die Betriebe einer Branche miteinander zu vergleichen, obwohl die Firmen naturbedingt Unterschiede aufweisen.

Interpretation mit Vorsicht

Beim Erstellen von Benchmarks werden Betriebe zu einer Gruppe zusammengefasst, auch wenn sie nicht vollständig identische Produktionsbedingungen und -einrichtungen haben. Dadurch erhöht sich die Anzahl an Betrieben in dieser Gruppe und Ausreißer fallen weniger ins Gewicht bzw. verzerren diese nicht das Bild. Natürlich versucht man nur die ähnlichen Betriebe zusammenzufassen. Aber letztlich kann man an den Rändern dafür oder dagegen argumentieren.

Als Beispiel dient uns ein Hotel, das eine eigene Wäscherei betreibt und ein zweites Hotel, das die Wäsche extern vergeben hat. Sie sind in derselben Branchengruppe. Der Energieverbrauch der Wäscherei lässt das erste Hotel im Benchmark ineffizient erscheinen, was aber überhaupt nicht stimmen muss.

Deswegen ist es mit Vorteilen verbunden Benchmarks mit einem Energieberater gemeinsam zu besprechen. Wenden Sie Benchmarks mit einem großzügigen Blick darauf an. Es handelt sich dabei um ein Werkzeug für eine Grobeinschätzung, nicht um Wissenschaft. Interpretationen von Benchmarks sind nur mit Vorsicht durchzuführen.

Gemessene Verbräuche rechnerisch korrigieren

Um seinen Energieverbrauch mit Anderen vergleichen zu können, ist es notwendig für die gleichen Startbedingungen von allen Teilnehmern zu sorgen. Es geht nicht, dass ein Läufer seinen Lauf auf Meeresniveau bei 19°C absolviert und ein anderer im Höhenlager von Nepal bei -6°C. Das wären ungleiche Startbedingungen, die man aber beim Energieverbrauch rechnerisch korrigieren kann. Als Methode bietet sich die Heizgradtag Bereinigung an.

Auch weitere Bereinigungen können rechnerisch vorgenommen werden:

  • Anzahl der geöffneten Tage, Betriebsurlaub, Saisonbetrieb, usw.
  • Auslastung eines wirtschaftlich besonders starken/schwachen Jahres
  • Erhöhung/Verringerung der beheizten bzw. gekühlten Fläche
  • Großeinkäufe, die nur selten gemacht werden. ZB. Papiereinkauf alle 18 Monate. Dann kann es Jahre geben, in denen kein Papier eingekauft worden ist. In diesem Jahr wäre dann jede Papierkennzahl besonders gut.

Sind alle Bereinigungen erledigt, so kann man sich endlich mit seinen Branchenkollegen vergleichen.

Grafiken basierend auf 1.000 Beratungen

Seit 2004 werden vom Energieinstitut Vorarlberg Beratungen für Unternehmen organsiert. Inzwischen sind über 1.000 Betriebe in Vorarlberg analysiert worden. Basierend auf diesem umfangreichen Pool an Verbrauchszahlen haben wir die Betriebe in 15 Gruppen eingeteilt.

  1. Transport und Logistik
  2. Bauhilfsgewerbe
  3. Installateure
  4. Bauunternehmen
  5. Verwaltung und Büro
  6. Krankenhäuser
  7. Pflegeeinrichtung
  8. Mehrzweckgebäude
  9. Veranstaltungsgebäude
  10. Industrie Produktion
  11. Gewerbe
  12. Handel mit Schaufläche
  13. Tischlerei
  14. Hotelgewerbe
  15. Gastronomie

Die Benchmarkgrafiken der 15 Gruppen finden Sie auf der rechten Seite im Downloadbereich.

Erklärung der Grafiken

Sehen Sie sich beispielhaft den Benchmark Nr. 14 für die Hotellerie an.
Man erkennt, dass beim Wärmeverbrauch die meisten Hotels bei 80kWh/m2 liegen, darüber aber immer noch sehr viele Hotels angesiedelt sind mit einem Spitzenreiter bei 233kWh/m2.
Das energieeffizienteste Hotel in der Liste benötigt nur 23kWh/m2.
Im Stromverbrauch liegt der Branchenschwerpunkt geschätzt bei 50kWh/m2.

Anwendung der Benchmarkgrafiken

Wie wendet man nun eine Benchmark Grafik auf seinen eigenen Verbrauch an? Ganz einfach – man startet mit seinen eigenen Verbrauchswerten:
Nehmen wir z.B. ein Bürogebäude. Der Stromverbrauch des Unternehmens mit Büronutzung lag 2014 bei 756kWh/MA. Der Wärmeverbrauch bei 135kWh/m2.
Nimmt man nun die Grafiken für diese Branche (siehe Benchmark 5. Verwaltungs- und Bürogebäude) zur Hand und zeichnet eine Linie an der Stelle des eigenen Verbrauchs, erhält man eine Grobabschätzung für den eigenen Stand.

Verwaltung  Benchmark
Man sieht schnell, dass im Stromverbrauch kein dringender Handlungsbedarf besteht. Im Gebäudebereich jedoch richtig gute Einsparpotentiale vorliegen.

Benchmark 3. Installateure

Eine erwähnenswerte Besonderheit stellt noch der Treibstoffverbrauch dar. Es gibt viele Branchen in denen Benzin und Diesel die größten Energieverbräuche sind. Installateure, Elektriker, usw gehören dazu. Auch für diese Gruppen liegen Benchmarks vor und können zum Vergleich zu Rate gezogen werden.

Benchmark 10. Industrie

Speziell hervorzuheben ist der Vergleich der Industrie: Diese Gruppe ist naturgemäß derart inhomogen, dass ein Vergleich miteinander zwar rechnerisch und grafisch möglich ist, aber dieser ohne jede Aussagekraft bleibt. Die Betriebe sind so unterschiedlich, dass sie nicht verglichen werden können.

Was hat die Sanierung bewirkt?

Ein Benchmark-Vergleich alle paar Jahre macht durchaus Sinn. ZB. steht, bis ein Beweis erbracht worden ist, nach jeder Sanierung bzw. Effizienzmaßnahme die Frage im Raum, ob die durchgeführte Investition die gewünschte Wirkung erzielt hat? Auch hier kann ein Benchmark unterstützend durchgeführt werden.