Faktor 10 – Sanieren für die Zukunft

Im Zuge eines Pilotprojektes sanierte die größte Vorarlberger Wohnbaugenossenschaft VOGEWOSI vier Wohnanlagen. Dies erfolgte im guten Einvernehmen mit den Bewohnern, unterstützt durch das Land Vorarlberg und dem Interreg IIIA-Programm, begleitet durch das Energieinstitut Vorarlberg.

Ziel war, den Energieverbrauch auf ein Zehntel des Ausgangswertes zu reduzieren. Ein modernes Passivhaus braucht nur noch ein fünftel der Energie eines Energiesparhauses. Inzwischen ist umfangreich gezeigt worden, wie Passivhäuser technisch verlässlich und ökonomisch umgesetzt werden können.
Energiepolitisch vordergründig muss jedoch sein, den Energieverbrauch des Gebäudebestandes zu reduzieren, denn die meiste Energie wird bei bestehenden Gebäuden benötigt.

Mit dem Projekt „Faktor 10 Sanierungen“ wurde aufgezeigt, dass auch bei der Sanierung unter Einsatz von Passivhaustechnologie der Energieverbrauch drastisch – um 90 % – reduziert werden kann. Insgesamt 96 Wohnungen wurden in bewohntem Zustand mit Faktor 10 saniert. Die Sanierungskosten belaufen sich auf ca. 5,4 Mio. €.

An Energie können rechnerisch so über alle Gebäude jährlich ca. 1.816.000 kWh eingespart werden, an Heizöl sind das ca. 181.600 Liter pro Jahr. Das bedeutet, dass der Ausstoß an CO2Begriffserklärung jährlich um 565 Tonnen reduziert werden kann.

Daten zu den Sanierungen:

Sanierungsmassnahmen:
Um dieses angestrebte Ziel zu erreichen, war neben dem Einsatz von Passivhaustechnologie eine genaue energietechnische Planung notwendig. Die dazugehörige Berechnung erfolgte mit dem Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP).

Bestmögliche Dämmung:
Die Fassade wurde mit mindestens 25 cm Dämmstoff, die obere Geschoßdecke mit 30 cm und die Kellerdecken mit gut 15 cm Dämmstoff ausgeführt. Sämtliche Fenster wurden erneuert und durch Dreifachverglasungen mit einem U-Wert von 0,8 W/m2K ersetzt. Die alten Rollläden an den Wohnungsfenstern wurden durch neue, wärmegedämmte ausgetauscht.
Die Balkone wurden über die gesamte Gebäudehöhe verglast, um die bestehende Wärmebrücke – die Balkonplatten aus Beton) zu beseitigen.
Grundsätzlich wurden Maßnahmen getroffen, bestehende Wärmebrücken wie Dachvorsprünge, Attika, Kellertreppen, etc. zu beseitigen bzw. zu minimieren.

Haustechnik:
Die alten Ölheizungen wurden durch moderne Gas-Brennwertgeräte mit entsprechend höherem Wirkungsgrad ersetzt. Jedes Objekt wurde mit einer Solaranlage zur Unterstützung der Warmwasserbereitung ausgestattet. Der Jahresdeckungsgrad beträgt dabei ca. 60 %. Es wurden zentrale Lüftungsanlagen zur kontrollierten Be- und Entlüftung eingebaut. Bei 3 Objekten wurde durch die Unterbringung der Anlage im Dachraum der ehemalig für den Öltank verwendeten Raum im Keller frei und steht den Bewohnern nun als Allgemeinraum zur Verfügung.

Bei optimaler Ausführung der Arbeiten und Funktion der technischen Einrichtungen können
von einer solchen Sanierung alle Beteiligten nur gewinnen:

  • Wertschöpfung für die heimische Wirtschaft (Qualifizierung und Arbeitsbeschaffung)
  • Versicherung gegen steigende Energiekosten
  • Ressourcenschutz für die Zukunft
  • Gesteigerte Behaglichkeit
  • Dauerhaft gute Vermietbarkeit
  • Gute Raumluftqualität
  • Städtebauliche Aufwertung der Gebäude
  • Klimaschutz

Ein detaillierter Bericht über die tatsächliche Erreichung der berechneten Zielwerte kann erst nach ein bis zwei Abrechnungsperioden abgegeben werden. Die Gebäude werden messtechnisch begleitet.
Die Rückmeldungen der Bewohner nach Inbetriebnahme der Lüftungsanlage sind jedenfalls durchwegs positiv. Mitentscheidend für die Weiterführung solcher Projekte in Vorarlberg wird sicherlich auch die Festlegung von energetischen Standards durch die steuernde Stelle (Landesregierung) und die Höhe der für solche Maßnahmen gewährten Fördermittel sein.

Energieeinsparung

Das grundsätzliche Ziel dieser Pilotprojekte war, den Energieverbrauch der vier bestehenden Wohnanlagen um den Faktor 10 zu reduzieren. Auf Grund guter Voraussetzungen wurde durch eine weitere Optimierung der geplanten Maßnahmen die Möglichkeit gesehen, den Passivhausstandard zu erreichen. Dieser ist unter anderem definiert durch einen Heizwärmebedarf (HWB), der nicht über 15 kWh/m2a liegen darf.