Was versteht man unter dem “Rebound bzw. Prebound – Effekt”? Wie kann er in Zusammenhang mit dem Energieausweis gesehen werden?

Die „OIB-Richtlinie 6 “ mit dem dazugehörigen Leitfaden, den allgemeinen Begriffsbestimmungen und den zitierten Normen, dienen als zusammenfassendes Regelwerk der Berechnung von Energieausweisen.

Das OIB Berechnungsverfahren nutzt daher vordefinierte Rechenalgorithmen und Annahmen die im Detail dann als Einflussgrößen auf den HWB, den PEB und die CO2-Emissionen wirken.
Im Zuge der langjährigen Entwicklung wird das OIB Verfahren entsprechend angepasst. Grundsätzlich weist das OIB Verfahren aber eine durchgängige Linearität in den Algorithmen auf, Routinen die aus dynamischen Simulationen abgeleitet sind, wären unter Umständen in Teilbereichen der Berechnung sinnvoller einzusetzen. 

Eines der Ziele des OIB-Berechnungsverfahrens ist es, mit vertretbarem Aufwand und abgesteckten Vorgaben bezüglich Methodik, energetische Qualitäten von Gebäuden darzustellen. Durch die parallele Berechnung an einem virtuellen „Referenzklima-Standort“ soll eine Vergleichbarkeit der Gebäude untereinander ermöglicht werden.
Die Klimadaten am Standort beeinflussen das Ergebnis einer Energieausweis-Berechnung natürlich auch, dasselbe Gebäude an zwei verschiedenen Standorten wird daher entsprechend unterschiedliche Ergebnisse liefern. Eine zusätzliche Einflussgröße ist auch das Benutzerverhalten, das ebenfalls der besseren Vergleichbarkeit geschuldet als „Standartbenutzerverhalten“ hinterlegt ist.

„Rebound-Effekt“  bzw. „Prebound-Effekt“ ?

Dieses „Standartbenutzerverhalten“ und andere Vorgaben müssen aber nicht zwangsweise mit dem tatsächlichen Benutzerverhalten übereinstimmen. Die Schere die sich, zwischen rechnerischem und tatsächlichen Verbrauch, dabei auftut wird als „Rebound-Effekt“  bzw. „Prebound-Effekt“ bezeichnet. Studien belegen dass die Bewohner von unsanierten Bestandsgebäuden im Schnitt bis zu 30% weniger Energie verbrauchen als es dem errechneten Energiekennwert des Gebäudes entsprechen würde. Dieses Phänomen wird „Prebound-Effekt“ genannt, wobei der Effekt umso stärker auftritt je schlechter die thermische Qualität des Gebäudes ist. Die thermische Qualität und dessen Einfluss auf die Wohnqualität wirken also auf das Benutzerverhalten. In diesem Falle, in Bezug auf den Energieverbrauch, im positiven Sinne.

Das gegenteilige Phänomen der „Rebound-Effekt“ kann in sanierten bzw. bei in energetisch guter Qualität errichteten Gebäuden beobachtet werden. Hier verbrauchen die Bewohner mehr als der errechnete Heizwärmebedarfswert des Gebäudes zulassen würde. Hier wird, im Glauben an die optimiert errichtete Gebäudehülle, offensichtlich sorgloser mit Energie umgegangen.