Unter anderem wegen ihrer langen Anreise sind Tomaten beispielsweise aus Spanien bei bewussten Konsumentinnen und Konsumenten verpönt. Sehen wir da einmal genauer hin.

Ja, der Weg ist lang. Das Hauptanbaugebiet für spanische Tomaten liegt um Almeria, einer Hafenstadt mit etwa 700.000 Einwohnern in Andalusien, im Süden Spaniens. Tomaten brauchen viel Sonne zum Reifen. Über Fernstraßen fährt man etwa 2.000 km bis Dornbirn.

3 Schnapsgläser Diesel

Nehmen wir an, die Tomaten werden mit einem durchschnittlichen 40-Tonnen-Sattelschlepper transportiert, der typischerweise rund 32 Liter Diesel für 100 km verbraucht, für die Strecke Almeria – Dornbirn also rund 600 Liter. Die 40-Tonnen sind das zulässige Brutto-Gewicht. Er hat ein Eigengewicht, dann braucht es noch Transportbehältnisse um die Tomaten und Zwischenraum (Luft) im Frachtraum. Nehmen wir an, rund 20 Tonnen Tomaten können mit einer Fahrt transportiert werden. So hat am Ende dieser Fahrt jedes Kilogramm Tomaten 0,030 Liter Dieselverbrauch (also 3 Schnapsgläser) und 90 Gramm Kohlendioxid-Emissionen „auf dem Buckel“. Nehmen wir diese Werte als Richtwert.

Und nehmen wir an, jemand fährt, um rasch ein beim vorherigen Einkauf vergessenes Kilogramm Tomaten zu holen nur 3 Kilometer zum gewohnten Supermarkt und dann wieder nach Hause und das mit einem Auto, das 7 Liter Diesel auf 100 km verbraucht. Dann braucht dieses Kilogramm Tomaten für die letzten 3 Kilometer (die Tomaten fahren ja nur 3 km, nur das Auto fährt die Strecke zwei Mal) 0,42 Liter Diesel – also fast einen halben Liter, rund 14 Mal so viel wie für den ganzen Weg von Almeria nach Dornbirn. Und der CO2-Ausstoß liegt bei 1,26 kg, ebenfalls 14 Mal so hoch, wie der CO2-Ausstoß pro Kilogramm für die lange Strecke von Spanien nach Vorarlberg.

Entscheidend sind die letzten Kilometer

Die Schlussfolgerungen? Selbstverständlich sind regionale Lebensmittel zu bevorzugen. Jeder Transport ist belastend und je mehr Transport man vermeiden kann, umso besser. Leider reichen regionale Lebensmittel nicht immer für alle und daher braucht es Ergänzungsmengen mit höheren Transportaufwendungen. Bei aller Aufmerksamkeit auf diese Transportbelastungen darf aber das nicht übersehen werden, was wir selbst tun – bzw. vermeiden könnten. Werden alle Kilo Tomaten auf diese Art abgeholt, wie für dieses Beispiel angenommen wurde, dann wäre der Transport von Almeria bis Dornbirn der kleinste Teil des Problems, gerade mal 7%. „Die letzten Kilometer“ sind zumindest genauso kritisch zu betrachten. Wird jedes Kilogramm Tomaten dieser Lieferung von einem eigenen Auto abgeholt, gäbe das schließlich 20.000 PKWs vor dem Supermarkt, in dem kurzen Zeitraum, bis zur nächsten Ankunft eines Tomatenlasters aus Spanien.

Nicht nur wegen der Transportwege kritisch

Nun sind Tomaten aus Almeria nicht nur des Transportweges kritisch zu betrachten. Die Umgebung von Almeria wird inzwischen „Plastikgarten“ genannt. Auf den Satellitenfotos in Google Earth kann man sehen, was damit gemeint ist: Etwa 100 km entlang der Küste dominieren Folientunnel die Landschaft. In diesem Tunnellabyrinth leben tausende Billigarbeitskräfte aus Nordafrika, zum Teil in menschenunwürdigen Bedingungen. Und Tomaten brauchen nicht nur Sonne, sie brauchen auf viel Wasser. Idealerweise baut man Tomaten in wasserreichen Gegenden an – das ist Andalusien aber nicht. Die Tomatenplantagen werden aus Grundwasserlagerstätten versorgt, die sich nicht so schnell füllen, wie sie geleert werden.

Es gibt also gute Gründe, Vorbehalte gegen Tomaten aus Spanien zu haben. Der Transport ist es aber nicht, da müssen wir aufpassen, dass wir nicht selbst den größeren Schaden anrichten.

 

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