Wenn die Referenten vom letzten als Besucher zum heurigen Fachkongress “Innovative Stromanwendungen im Wohnbau” anreisen, dann ist das ein gutes Zeichen. In seiner dritten Ausgabe bot das Szenetreffen wieder eine ergiebige Mischung aus Vorträgen und Netzwerken, Praxis und Forschung. Bei feinem Wetter und ebensolcher Verpflegung. Fünf Gedanken, die hängen geblieben sind.

G1: E-Auto zu Hause volltanken für alle ist machbar

Zumindest in Niederösterreich. Denn ein dort durchgeführter Feldtest in drei Gemeinden brachte das Netz im schlimmsten (und absichtlich herbeigeführten) Fall zwar an die Grenze seiner Belastbarkeit, nicht aber darüber hinaus. Die Erkenntnis aus den ländlichen Tiefen des Flächenbundeslandes: Sowohl im Mehrwohungshaus als auch in der Einfamilienhaus-Siedlung kann mit intelligenter aber einfacher Ladeinfrastruktur die benötigte Ladeleistung bereitgestellt werden. Auch bei gleichzeitiger hoher Dichte von im Winter leistungsintensiven Wärmepumpen.

G2: PV-Produzenten und Konsumenten wachsen enger zusammen

In Personalunion heißen sie dann “Prosumer”. Im Pilotprojekt in Walenstadt wird deutsch gesprochen und dort heißen sie “Prosumenten”. Jacke wie Hose, denn essentiell ist, dass dort der erste lokale Strommarkt der Schweiz erfolgreich lanciert wurde. Drei Dutzend Objekte produzieren und/oder verbrauchen Strom, der im Idealfall im Quartier selbst bereitgestellt wird. Gehandelt wird direkt, online und mit dynamischem Netztarif. Verrechnet wird mittels Blockchain (aber, so der Geschäftsführer der E-Werke Walenstadt und Projektmastermind Christian Dürr: “Mehr, damit wir das auch mal ausprobiert haben…”). Seit Projektstart im Frühjahr haben sich Eigenverbrauch und Selbstversorgungsgrad verdoppelt.

Christian Dürr, Geschäftsführer E-Werke Walenstadt beim Fachkongress "Innovative Stromanwendungen im Wohnbau" 2019.

Christian Dürr plauderte beim Fachkongress “Innovative Stromanwendungen im Wohnbau” zum ersten lokalen Strommarkt der Schweiz ein bisschen aus dem Nähkästchen. Sehr zur Freude des Publikums.

G3: PV-Fassaden können bereits jetzt wirtschaftlich sein

Sogar im kleinen Maßstab am Einfamilienhaus. Ein Beispiel aus der Schweiz zeigt, dass der Preisunterschied zwischen klassischen hinterlüfteten Fassadenplatten und einer standardisierten aber ästhetisch ansprechenden PV-Fassade (eines österreichischen Lieferanten übrigens) locker amortisiert wird. Natürlich sah das gezeigte Objekt nicht unbedingt danach aus, als ob dessen Besitzer jeden Rappen umdrehen müssten. Aber auch scharf kalkuliert ist das rundum energieproduzierende Gebäude ohne Weiteres darstellbar. Nachmachen!

G4: In Dafins beginnt’s

Es gibt praktikable Lösungen für die sonst üblich hohen Energieverluste in der Bereitstellung von Warmwasser im Mehrwohnungsbau. Zwei verschiedene Varianten, beide technisch einfach und wirtschaftlich darstellbar, werden derzeit in einem Wohnbauforschungsprojekt von Alpenländischer Heimstätte und Energieinstitut Vorarlberg untersucht und in einer Kleinwohnanlage in Dafins gebaut.

Konzentriertes Publikum beim Fachkongress "Innovative Stromanwendungen im Wohnbau" 2019.

Aufgepasst: Als Tobias Hatt am späteren Nachmittag seine Folien zum Wohnbauforschungsprojekt in Dafins aus Zeitgründen etwas schneller weiterklickte, war volle Konzentration gefordert.

G5: Das Wohnquartier der Energiewende kommt aus der Schweiz

In der kleinen Gemeinde Tobel im Turgau auf halbem Weg von Dornbirn nach Zürich befindet sich die erste PlusEnergie-Wohnanlage der Schweiz. Sie versorgt 32 Wohnungen CO2-frei mit Energie. Mit dem Produktionsüberschuss könnten über 40 Elektroautos jeweils 12.000 Kilometer im Jahr zurücklegen. Soweit so gut: Die Mieten liegen aufgrund der niedrigen Mehrkosten für die energieeffiziente Bauweise und der dadurch deutlich niedrigeren Betriebskosten 13% unter in Bezug auf Lage und Ausstattung gleichwertigen konventionellen Wohnbauten. Noch Fragen?

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