Wie war das eigentlich damals? Was war vor e5? Welches waren die größten Hürden, welches die größten Überraschungen bei der e5-Entstehungsgeschichte?

Wir haben nachgefragt! Beim Entwickler des e5-Programms höchstpersönlich! e5-Papa Karl-Heinz Kaspar erzählt uns von der Entstehungsgeschichte des Landesprogramms für energieeffiziente Gemeinden und gibt einen Einblick darüber, wer ihn bei der Konzipierung inspierierte, welche Situationen ihn besonders motiviert und berührt haben, und vieles mehr.

Karl-Heinz – erzähl‘ uns deine Geschichte von e5! Wie und wann entstand die Idee ein Programm für Gemeinden zu entwickeln, die sich über die Maße hinaus für Energieeffizienz und Klimaschutz einsetzen wollen?

Mit der Übernahme des Bereichs Gemeindebetreuung im Energieinstitut Vorarlberg bekam ich vom damaligen Geschäftsführer Thomas Kopf den Auftrag zur Ausarbeitung eines Dienstleistungskonzepts für die Gemeindebetreuung. Das war 1997. Einer der Ansatzpunkte war die vom damaligen Umweltinformationsdienst des Landes durchgeführte „Bestandsaufnahme zu den Energiesparaktivitäten in Vorarlberger Gemeinden“:

  • In den Gemeinden sind keine langfristigen Energie- und Umweltkonzepte vorhanden
  • Klimaschutz beschränkt sich auf Einzelmaßnahmen
  • Zusammenhänge und Vernetzungen werden oft nicht erkannt
  • Querverbindungen werden nicht hergestellt
  • Viele bereits durchgeführte Maßnahmen geraten in Vergessenheit
  • Gemeinden machen zu wenig Öffentlichkeitsarbeit

Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen, oder? Diese Mankos bzw. diese Potentiale, ergänzt durch die Erfahrungen meiner Kollegen und der eigenen Erfahrungen in der Gemeindearbeit, bildeten das Grundgerüst für ein „Das-können-wir-doch-ändern-Konzept“.

Wer waren sozusagen die Geburtshelferlein? Bei wem hast du dir Inputs geholt?

Stark beeindruckt hat mich damals das Programm 2000 des Schweizer Bundes – mit dem Ansatz ein Selbstbewertungsinstrument für Gemeinden im Pilotprojekt Energiestadt einzuführen. Auch hielt ich einen engen Kontakt zu Gemeinden in Vorarlberg, welche bereits Aktivitäten gesetzt hatten (zB.im Rahmen der Vorarlberger Klimakampagne oder als Klimabündnisgemeinde). Maßgeblichen theoretischen und praktischen Input zu den Gemeindeentwicklung und zum Projekt-  und Prozessmanagement holte ich mir von den Vorarlberger Gemeindeentwicklern Manfred Zumtobel und Helmut Bechter. Die Gemeinden Langenegg, Nenzing, und Mäder waren übrigens jene ersten drei Gemeinden, die sich bereits bei der ersten Pressekonferenz für eine Teilnahme aussprachen. Und natürlich brauchte es auch einen Auftraggeber: Damals wie heute in der Person von Landesrat Erich Schwärzler!

Pressekonferenz, Energieinstitut Vorarlberg, "5 Jahre              e5Gemeinden - e5Auszeichnungsveranstaltug", mit Landesrat              Ing. Erich Schwärzler

e5-Programmleiter Karl-Heinz Kaspar und LR Erich Schwärzler bei einer der ersten Pressekonferenzen zu e5. Man beachte die schicken Krawatten!

Welches war dein persönliches Highlight bei der „Geburtsstunde“ des e5-Programms?

Natürlich stellte ich mir in der Entwicklungsphase oft die Frage ob das, was ich da entwickelte, auch tatsächlich bei den Gemeinden ankommen würde. Umso mehr freute ich mich über den randvoll gefüllten Saal und das riesige Interesse der Gemeinden bei der ersten Präsentation des e5-Programms. Die Planung sah vor, mit drei bis vier Gemeinden zu beginnen. Im Frühjahr 1998 allerdings, also wenige Wochen nach dem Start, war das Kontingent von 12 Pilotgemeinden vollständig vergeben. Aus der Idee eines sanften Startes mit wenigen Gemeinden wurde ein Sprung ins kalte Wasser. Offensichtlich hatte ich mit dem e5-Programm den Bedarf der Gemeinden voll getroffen.

Zeig‘ uns doch dein Lieblingsbild vom ersten e5-Jahr. Gibt es eine Geschichte dazu?

ordner

Der erste Auftrag an die ersten e5-Gemeinden: Füllt den Ordner mit euren bisher durchgeführten Energieprojekten!

Meine Güte, mein Lieblingsbild? Da gibt es unzählig viele Bilder in meinem Kopf und nur einige wenige auf tatsächlichem Filmmaterial – damals gab es noch keine Digitalkameras, man schlug sich noch mit 36er Filmen herum. Ein Bild, welches sich bei mir eingeprägt hat ist jenes von zwei leeren roten Aktenordern.

Wie jetzt?  Leere Akten-Ordner?

In einem symbolischen Akt hat beim Start ins e5-Programm jede neue e5-Gemeinden zwei solche leere, rote Ordner von mir überreicht bekommen. Begleitet mit dem Hinweis „Das ist der erste Auftrag an euch. Überlegt euch welche Energieprojekte ihr bisher durchgeführt habt, dokumentiert diese kurz und füllt damit die Ordner. Daraus werden wir die erste Standortbestimmung machen.“

Heute muss ich schmunzeln, wenn ich an die Gesichter meiner Gegenüber denke. Umso freudiger dann ein halbes Jahr später die Gesichter, als ich die mehr oder weniger gefüllten Ordner wieder zurück bekommen habe – man war sichtlich stolz darauf was dann doch zusammengekommen ist.

Wo siehst du bislang – abgesehen von den Frisuren langjähriger Teammitglieder – die größten Veränderungen bei e5?

Du hast recht, bei unserem Äußeren kann man durchaus Veränderungen feststellen. Aber die weit größeren Veränderungen gab es wohl in den Gemeindestuben! Wenn ich heute erlebe welchen Stellenwert ein e5-Team, ein/e Energiebeauftragte/r in einer e5-Gemeinde hat, kann man sich kaum vorstellen welche Aufbauarbeit dazu notwendig war. Am Anfang war die größte Herausforderung den Energieverbrauch der Gemeinden selbst mal auf Vordermann zu bringen. Und nachdem zuerst „vor der eigene Türe gekehrt wurde“, konnte man sich daran wagen, die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot zu holen, sie zu motivieren eigenverantwortlich Klimaschutz zu betreiben.

Das war ein sehr wichtiger Schritt, auch zu erkennen, dass der „Funke“ nicht von selbst auf die Bürgerinnen und Bürger überspringt. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde angekurbelt (Gutes tun und darüber berichten) und es wurden gemeinsam Umsetzungsprogramme und Aktionen als Hilfestellung für die Bürger initiiert (Solaraktion, Thermografie-Aktion, PV-Aktion, Solaranlagencheck, etc).

Und in Zukunft?

Es sind gesellschaftspolitische Prozesse die wir mit e5 begleiten. Das sind „dicke Bretter“ die viel Geduld, Beharrlichkeit und einen langen Atem brauchen, will man sie zum Erfolg führen. Abgesehen davon sind die Herausforderungen ja auch nicht geringer geworden. Bei allen Erfolgen die wir gemeinsam einfahren konnten, muss man auch erkennen, dass die „low hanging fruits“ meist schon  abgeerntet sind und es mehr und mehr an das Eingemachte geht. Wir sind darauf gut vorbereitet und können uns die Erfahrungen der Vergangenheit zu nutzen machen – daher bin ich voller Zuversicht!

Zum Schmunzeln: Impressionen der ersten e5-Jahre

 

Wer kennt diesen Herrn?

Wer kennt diesen Herrn? Antwort per E-Mail bis 5. Februar 2018 an praktikant_e5@energieinstitut.at. Wir verlosen eine prall gefüllte e5-Energiekiste unter den ersten 20 EinsenderInnen aus den e5-Teams.

Wer kennt diesen Herrn? Antwort per E-Mail bis 5. Februar 2018 an praktikant_e5@energieinstitut.at. Wir verlosen eine bis an den Rand gefüllte e5-Energiekiste unter den ersten 20 EinsenderInnen aus den e5-Teams (bitte auch e5-Team bekannt geben).