In der e5-Gemeinde Göfis unterstützen zahlreiche Bürger*innen den Umstieg der Gemeindeverwaltung auf eine Eigenversorgung mit kostenloser Sonnenenergie. Mit der gezielten Zuteilung ihrer freiwilligen CO2-Abgabe auf den Klimafonds der Gemeinde ermöglichen sie den laufenden Neubau von Solarstromprojekten. Damit wird die Finanzkraft der Gemeinde gestärkt und eine krisensichere und klimaneutrale Energieversorgung geschaffen.

Der Start für diese Bürgerbeteiligung war die 72 kWp PV-Anlage „Göfis 1“ direkt auf dem Hochbehälter. Diese soll zukünftig bei Stromausfall die Trinkwasserversorgung der Gemeinde sicherstellen. Die ersten Pläne dazu entstanden 2010 im Umweltausschuss.

Da die öffentlichen Förderungen nicht gesichert waren und das Budget der Gemeinde nicht belastet werden sollte, war Kreativität gefordert. Es entstand die Idee, das Projekt über eine Bürger*innenbeteiligung zu finanzieren. Für die Umsetzung wurde die Zusammenarbeit mit dem Verein Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg (AEEV) gestartet, welcher dazu das notwendige Know How einbrachte.

120.000 Euro durch Bürgerbeteiligung

Die Bürger*innenbeteiligung wurde zum großen Erfolg — die Göfner*innen beteiligten sich mit mehr als 120.000 Euro an dem Projekt. Die Anlage konnte somit 2011 in Betrieb genommen werden und war die erste größere PV-Bürger*innenbeteiligungsanlage in Vorarlberg.

Die AEEV betreut die Anlage für den Zeitraum von 13 Jahren und übergibt die Anlage dann (2024) in den Eigenbesitz der Gemeinde. Die regelmäßige Rückzahlung an die beteiligten Bürger*innen erfolgt dabei anhand der gesetzlichen Einspeisetarife sowie dem Klimacent-Beitrag, welche die Gemeinde selbst für ihre CO2-Emissionen leistet.

Eine Frau und ein Mann besichtigen die große Photovoltaikanlage beim Hochbehälter in Göfis, welche durch eine Bürgerbeteiligung errichtet wurde.

Auf dem Hochbehälter der e5-Gemeinde Göfis wurde eine PV-Anlage unter Bürger*innenbeteiligung errichtet. Foto: Matthias Rhomberg

Das ist der Klimafonds Göfis

Der Klimacent ist eine freiwillige Abgabe, um den Umbau zu einer klima-verträglichen Wirtschaft zu unterstützen. Diese Abgabe kann gezielt bestimmten Projekten oder Fonds zugeteilt werden. In Göfis unterstützen zahlreiche Bürger*innen auf diese Weise den örtlichen Klimafonds. Vorbild dazu war der Beschluss der Gemeindevertretung, Eigenverantwortung für den CO2-Fußabdruck der Gemeindeverwaltung zu übernehmen und mit dem Klimacent einen wichtigen Schritt zur Kostenwahrheit vorzuleben.

Der Umweltausschuss und das e5-Teams werden dabei in die Entscheidung eingebunden, wie die Klimacent-Beiträge aus dem Klimafonds Göfis eingesetzt werden. So ist sichergestellt, dass nicht nur die Gemeinde den Weg zur Klimaneutralität gezielt fortsetzt, sondern auch die Energieautonomie Vorarlberg erfolgreich umgesetzt wird.

Ein Fonds, viele Anwendungsmöglichkeiten

Mithilfe des Klimafonds konnten bislang drei weitere PV-Anlagen in der Gemeinde realisiert werden. So war bei der Errichtung einer PV-Anlage auf der Volksschule Kirchdorf die Projektbegleitung durch den Klimafonds gedeckt. Mithilfe einer weitere Bürger*innenbeteiligung entstand wiederrum die PV-Anlage auf Vorarlbergs erstem Sonnenkindergarten in Göfis. Hierbei wurden die Abwicklungskosten des Beteiligungsprozesses über den Klimafonds finanziert.

Ein weiteres Projekt befindet sich gerade in der Umsetzung. Auf einem Mehrfamilienhaus der Gemeinde wird ein Solarstrom-Bürgerkraftwerk errichtet, bei dem die Rückzahlungsraten und Zinsen in Form von Bäckereigutscheinen erfolgt. Denn der Großteil des produzierten Stromes wird direkt von der im Gebäude ansässigen Bäckerei verbraucht werden. Ein Projekt, das somit auch den regionalen Einkauf und die Wertschöpfung im Dorf erhöht. Bei diesem Projekt wurde die Öffentlichkeitsarbeit über den Klimafonds Göfis finanziert.

Das Beispiel Göfis zeigt: Gemeinden, die den Klimafonds aktiv nutzen, verfügen über ein wirksames Instrument zum Crowdfunding, welches sie in unterschiedlichster Form bei der Umsetzung ihrer Klimaschutzprojekte unterstützt.„Nur mit dem Klimacent war es in Göfis möglich, die erste Photovoltaik-Bürger*innenanlage zu finanzieren.

Mit dem Klimacent kann jede*r einzelne Verantwortung für die eigenen CO2-Emissionen übernehmen und wirkungsvoll den Umstieg auf eine klimaneutrale Lebensweise mit der Finanzierung ganz konkreter Projekte ermöglichen.“
Caroline Terzer, Vizebürgermeisterin Göfis