Einmal im Jahr folgen die Vorarlberger Installationsbetriebe dem Ruf von Innung und Energieinstitut zum “Energie Update”. Gemeinsam mit branchennahen Fachexpertinnen und -experten bringen sie sich auf den aktuellen Stand, was Förderungen und hilfreiches Werkzeug von Land, illwerke vkw und Energieinstitut anbelangt. Die spannendsten Erkenntnisse im Überblick – und die sind nicht nur für die Haustechnikprofis interessant.

 

Erstens: Simplify your life!

Auch, wenn du die Energieförderung des Landes bist. Das haben sich die Verantwortlichen im Landhaus gedacht, als sie die neuen Energieförderrichtlinien erarbeitet haben.  So wurden beispielsweise die Bonusstufen abgeschafft und damit die Anzahl verschiedener Fördersätze reduziert. Zudem gelten die Richtlinien erstmals für zwei Jahre. 2022 bringt dann auch die zweite bedeutsame Änderung: Im Neubau werden dann keine Heizsysteme mehr gefördert. Wir haben die wichtigsten Eckpunkte der Energieförderung in diesem Video zusammengefasst.

 

Bernhard Widerin berichtet über die neue Energieförderung 2021/2022.

 

Zweitens: Die Qualitätssicherung der geförderten Heizanlagen macht Sinn

Auch 2020 hat das Energieinstitut vom Land den Auftrag bekommen, geförderte Heizanlagen zu prüfen. Die vom Land zugeteilten Stichproben (etwa jede zehnte Anlage) zeigten dabei ein erfreuliches Bild. 88 % der Anlagen waren einwandfrei. Bei 12 % gab’s kleinere Beanstandungen, die sich negativ auf die Förderung (aber vorerst nicht auf die Funktionstüchtigkeit) ausgewirkt hätten und rasch behoben werden konnten, wie Dieter Bischof vom Energieinstitut berichtete. Und was runtergeht wie Oliven-Öl: Bei den Biomasseheizungen waren alle geprüften Anlagen beanstandungsfrei.

 

Dieter Bischof prüft im Auftrag des Landes ein Zehntel der geförderten Heizungen und Solaranlagen.

 

Drittens: Power to Lyquid (PtL) wird Heizöl wohl nicht ersetzen, aber einen Teil der Treibstoffe

Der Handel mit fossilen Brennstoffen sieht keiner rosigen Zukunft entgegen, wenn es nach dem Plan von Bundes- und Landesregierung geht. Die Branche ist daher auf der Suche nach klimafreundlichen Alternativen für flüssige Brennstoffe und versteht sich nicht als Problem sondern Teil der Lösung. So werde in sogenannten „Power to Liquid“-Prozessen (PtL) daran geforscht, flüssige Brenn- und Treibstoffe aus CO2 und Wasser herzustellen, wie der Branchenvertreter der Vorarlberger Energiehändler Peter Aberer berichtete. Die dabei eingesetzte Elektrolyse und das Fischer-Tropsch-Verfahren sind energieintensive Prozesse, weshalb (derzeit noch) für einen Liter synthetischen Treibstoffs (mit nicht ganz 10 kWh Energieinhalt) knapp 30 kWh Strom aufgebracht werden müssen.

Dennoch sieht Aberer in PtL-Verfahren auch über den Ersatz von Heizöl hinaus zukunftsträchtige Aspekte, wie etwa die Anwendung als Treib- und Brennstoffe in Prozessen, in denen erneuerbare Alternativen an Grenzen stoßen, oder die Saisonspeicherung von Strom. Wo synthetische flüssige Brennstoffe schlussendlich zum Einsatz gelangen würden, hänge von Preis und Verfügbarkeit und damit letztendlich vom Markt ab.

 

Peter Aberer sprach über die Zukunftsaussichten von klimaneutralen flüssigen Brennstoffen.

 

Viertens: Fossile Brennstoffe werden eher über kurz als lang aus der Raumwärme verschwinden

Aberers Ausführungen mit Interesse gelauscht hat Christian Vögel, Leiter des Fachbereichs Energie und Klimaschutz im Amt der Vorarlberger Landesregierung, der die Zuhörerinnen und Zuhörer mit einem Überblick über die aktuellen strategischen und rechtlichen Rahmenbedingungen aufdatierte. Für die flüssigen fossilen Brennstoffe gibt es darin ein klares Ablaufdatum: Ist der Einsatz von Ölheizungen im Neubau bundesseitig bereits seit 2020 verboten, soll heuer noch der Tausch von defekten durch neue Ölkessel unterbunden werden.

Zumindest sagen das die politischen Absichtserklärungen von Land und Bund. Auf Bundesebene ist für 2025 sogar eine Tauschpflicht angedacht. Zudem werden künftige rechtliche Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern zur Raumwärme weiter forcieren (müssen) – um beispielsweise (grünes) Gas für (noch) alternativlose Prozessanwendungen vorhalten zu können.

Derzeit befindet sich ja die Novellierung der Vorarlberger Bautechnikverordnung in der Endphase, die eine wichtige Grundlage für die zur Konditionierung von Gebäuden eingesetzten Energieträger darstellt. Wie weit die gehen wird, ist noch offen. Die Tatsache, dass die Förderung für erneuerbare Heizsysteme im Neubau mit Ende 2021 ausläuft, könnte aber eine Richtung aufzeigen.

 

Christian Vögel mit einem Überblick über die wichtigsten politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Energiewende.

 

Fünftens: Im Warmwasser schwimmt reichlich Effizienzpotential

Bis zu 340,- Euro fallen im Schnitt in einem 3-Personen-Haushalt im Jahr für die Bereitstellung von Warmwasser an, wenn dafür ein klassischer Elektroboiler zum Einsatz kommt. Das ist in Vorarlberg rund 70.000 mal der Fall. Sowohl die Kosten als auch der Energieeinsatz für die Erwärmung des Wassers lassen sich dabei signifikant senken. Zum Beispiel durch den Einsatz eines Wärmepumpenboilers – vielleicht sogar in Kombination mit eine PV- oder Solarthermie-Anlage. Ein neuer – von Haustechnik-Profi Willi Schlader vorgestellter – Ratgeber aus dem Energieinstitut zeigt die Möglichkeiten und hilft bei der Entscheidungsfindung.

 

Willi Schlader stellt den neuen Warmwasser-Ratgeber aus dem Energieinstitut Vorarlberg vor.

 

Sechstens: Jetzt ist die Zeit der Elektro-Nutzfahrzeuge

Elektroauto oder doch wieder ein Diesel? Sind die E-Autos wirklich ökologischer? Braucht es zur Herstellung der Batterie nicht mehr Energie, als der Elektromotor einspart? Das sind nur drei der gängigsten Fragen, die sich Privatpersonen und Unternehmen vor der nächsten KfZ-Anschaffung stellen. EMIL, ein Online-Rechner aus dem Energieinstitut hilft dabei, die Fragen zu beantworten, indem er sowohl die wirtschaftlichen Aspekte als auch die Treibhausgas- und Schadstoffemissionen für Herstellung, Betrieb und Entsorgung von Fahrzeugen vergleicht.

Bei der Präsentation von EMIL zeigt dessen Mastermind Martin Reis zudem auf, dass die derzeitigen Förderbedingungen die Anschaffung von Nutzfahrzeugen für Unternehmen extrem attraktiv macht. So schlägt die Elektrovariante eines Transporters von einem deutschen Hersteller in den Gesamtkosten (Anschaffung, Betrieb, Wartung, Steuer, Versicherung) über die Lebensdauer von 10 Jahren mit fast 40.000,- Euro weniger zu Buche, als die Dieselvariante, obwohl der Diesel im reinen Kaufpreis 10.000,- Euro günstiger ist.

Und selber nachrechnen kann man hier.

 

Martin Reis appelliert an die Profis, die Anschaffung von Elektro-Nutzfahrzeugen dringend zu prüfen.

 

Siebtens: Bier und Brötle ziehen, Wissen aber auch

Seit etlichen Jahren organisieren wir das Energie Update gemeinsam mit der Fachgruppe in der Vorarlberger Wirtschaftskammer und dem Innungsmeister Karl-Heinz Strele. (Danke dafür!). Heuer zum ersten Mal nur online und ohne Diskussion und Austausch bei einem Imbiss im Nachklang. Und wie üblich haben auch heuer etwa 100 Personen aus der Branche den Fachbeiträgen gelauscht, welche offenbar ausreichend Anziehungskraft auf die Profis ausüben. Was uns freut. Aber nächstes Jahr wieder „live is life“. Versprochen!?!

Und die sieben spannendsten Erkenntnisse vom Energie Update 2020 lesen Sie hier.

Das “Energie Update” der Fachgruppe Heizung, Sanitär, Lüftung in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und des Energieinstitut Vorarlberg steht grundsätzlich allen Interessierten offen. Die Einladung für nächstes Jahr verpassen Sie dann nicht, wenn Sie unseren Newsletter abonnieren.

Zuletzt aktualisiert am 22. Dezember 2021