Jetzt haben wir also den Klimanotstand. Und auch wenn dieser mehr der Steigerung der öffentlichen Wahrnehmung als der Mobilisierung von Bundesheer und Feuerwehr dient, ist er im Kern doch richtig. Denn Not ist schön langsam schon am Mann: Die Tatsache, dass in der zweiten Dekade der Energieautonomie Vorarlberg die Umsetzungsgeschwindigkeit der Maßnahmen dramatisch zu erhöhen ist, kann leicht aus den diversen Zielpfaden hin zur Enkeltauglichkeit abgelesen werden.

Unabhängig unter welchem Schlagwort dieser Reduktionsweg erfolgt: Wichtig ist, dass er nachweislich beschritten wird. Und wenn der Begriff Klimanotstand der richtige Aufhänger ist, gut so! Eines hat der (und hoffentlich die damit getroffenen Maßnahmen) bezweckt: der Vorarlberger Landtag lässt durch den angenommen Antrag vom 4. Juli 2019 – zehn Jahre nach dem einstimmigen Beschluss zur Energieautonomie – wissen, dass die Forderungen der „Fridays for Future“–Bewegung bei ihm angekommen sind.

Und das, was alle Parteien einstimmig beschlossen haben, das ist beileibe nicht ohne. Die beiden wichtigsten Ziele:

  • 40% weniger CO2 bis 2030. Das ist wahnsinnig viel, wenn man bedenkt, dass die Absenkung der letzten zehn Jahre zu einem nicht geringen Teil ironischerweise der Klimaerwärmung selbst (und damit dem reduzierten Heizbedarf) zu verdanken ist.
  • Der Sektor Mobilität soll in zehn Jahren eine Reduktion von 36% einfahren! Zur Erinnerung: Seit 2005 ist der PKW-Bestand in Vorarlberg um über 50.000 Fahrzeuge angewachsen.
Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Der Klimanotstand als Turbo für die Energieautonomie Vorarlberg ist gezündet. Bild: Drobot Dean

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Der Klimanotstand als Turbo für die Energieautonomie Vorarlberg ist gezündet. Bild: Drobot Dean

Diese und andere Ziele könnten manchem Öl- und Gasheizer und so manchem Autofahrer die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Ebenfalls schwitzen werden die Installateure: Die Halbierung der Ölkessel im Privathaushalt innerhalb von zehn Jahren – das sind jährlich 1.500 Stück – werden ihnen schmerzende Rücken bescheren, wenn sie die Alternativen für die Ölkessel in die Keller der alten Häuser buckeln müssen.  

Was soll das heißen? Nehmen wir die Klimaziele und die Energieautonomie ernst, ist das kein Pappenstiel. Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns. Und es gibt Sektoren, in denen dicke Bretter zu bohren sind. Aber Ziel ist Ziel! Mit Ausdauer und einigen Millionen Euro mehr (auch in die heimische Wirtschaft) ist das zu schaffen.

Jedenfalls alles besser als Zertifikatszukäufe aufgrund von Strafzahlungen. Darum wird jetzt wieder in die Hände gespuckt!

 

Das Maßnahmenpaket zum Klimanotstand können Sie auf der Energieautonomie Vorarlberg-Website nachlesen.