Live im Betrieb Hirschfeldhaus in Hohenems

Mit der Renovierung des „Hirschfeldhauses“ bleibt ein weiteres Stück Geschichte des historischen Jüdischen Viertels in Hohenems erhalten. Dass die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes Herausforderungen mit sich bringt, zeigte sich bei der Baustellenbegehung im Rahmen von „Live im Betrieb“.

Baustellenbesichtigung im Hirschfeldhaus

 

 

„Das Haus wieder zu stabilisieren, war die größte Herausforderung“, erzählt Projektleiter Thomas Schwiegelshon von der Hohenemser Firma Grabher Der Baumeister, welche das Haus für die Hefel Privatstiftung saniert. Als Architekt fungiert Hugo Dworzak (Architekturwerkstatt dworzak grabher).
Dem Unternehmen war es besonders wichtig, das Haus aus dem 17. Jahrhundert optisch wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen. „Den Dachstuhl wieder genau im ursprünglichen Aufbau herzustellen, war sehr schwierig. Manche Balken waren so morsch, da wussten wir nicht mehr, wie der Knoten aussieht.“

Immer wieder wurde abgewägt, welche Bauteile und Oberflächen erhalten bleiben können oder neu errichtet werden müssen.

 


Kreative Lösungen

„Das Haus setzte sich über die Jahrhunderte ungleich: Die Nordseite setzte sich 60 cm tiefer als die Südseite“, erklärt Thomas Schwiegelshon. Um es sozusagen „zurechtzurücken“, verarbeiteten Spezialmaschinen zur Stabilisierung 400 Tonnen Zement und 600 Kubikmeter Wasser im Untergrund.

„Diese Baustelle ist wie keine andere“, weiß auch Polier Erik Winkler, der auf die Sanierungen von Burgen und alten Gemäuern spezialisiert ist. „Wir mussten eine Wand entfernen und unten den Bogen auffangen, da sich darüber tragende Wände befanden.“ Nach einigen schlaflosen Nächten wurde entschieden, einen Betonbogen daraus zu machen.

Winkler brennt für seine Baustellen auch eigenen Kalk, der auch im Hirschfeldhaus verwendet wurde. „Es bedeutet mir sehr viel, nun hier in diesem Haus zu stehen, da ich einen Teil der Geschichte wieder mit aufgebaut habe“, so Winkler.
Auch bei anderen Bauteilen war es dem Bauherren wichtig, möglichst ursprüngliche Materialien zu verwenden. Damit die neu eingebauten Dachbalken möglichst so aussehen, wie die bestehenden alten, war man erfinderisch: so wurden rostige Nägel in Essig eingelegt und mit dieser „Farbe“ die neuen Balken bestrichen.

 

Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt

Der ganze Prozess fand natürlich in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt statt. Georg Mack vom Bundesdenkmalamt war bei „Live im Betrieb“ dabei und erzählte von der Zusammenarbeit. Bei Bauvorhaben in geschützten Gebäuden sei es wichtig, frühzeitig mit dem Bundesdenkmalamt Kontakt aufzunehmen und bereits die Planung mit diesem abzustimmen. „Dabei werden zahlreiche Details besprochen – von der Fassade bis zu den Fensterbänken“, so der Spezialist für historisches Mauerwerk.

Fenster mit modernem Standard

Die Fenster waren aufgrund der Schräglage des Hauses ebenfalls eine Herausforderung, erklärt Dietmar Metzler von Metzler Fensterbau Hohenems (Mitglied der Partnerbetriebe Traumhaus Althaus)

„Jede einzelne Fensteröffnung musste millimetergenau vermessen werden und ein Einzelfenster dafür gebaut werden.“

Zudem sollten die Holzfenster „alt“ aussehen, aber der modernen Technik mit Isolierglas und Dreifachverglasung gerecht werden. So wurden extra Fenster in original Optik mit schmalen Sprossen angefertigt, welche dann im gesamten Haus eingesetzt wurden und nun für den passenden Flair sorgen.

Rundgang durch das Jüdische Viertel

Im anschließenden Rundgang durch das Jüdische Viertel zeigten Georg Mack und Barbara Keiler vom Bundesdenkmalamt praktische Beispiele und informierten darüber, welche Unterstützung das BDA bei der Sanierung von denkmalgeschützten Objekten bietet.

Fertigstellung bis Ende des Jahres

Das Hirschfeldhaus wird Ende des Jahres fertig saniert sein. Im Erdgeschoss entsteht eine Geschäftsfläche, zwei Stockwerke nutzt die Firma Grabher für ihre eigenen Büroräumlichkeiten und im Dachgeschoss entsteht eine Mietwohnung.

 

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit Partnerbetrieb Traumhaus Althaus organisiert.

Fotonachweis: Grabher Der Baumeister, Hohenems, Architekturwerkstatt Dworzak-Grabher, Lustenau und Caroline Begle, klartexter.in,

Das Partnerbetriebs-Sanierungsforum (Exkursion) wurde im Zuge von GreenSan durchgeführt. GreenSan ist ein Projekt von Energieinstitut Vorarlberg, Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), Energieagentur Ravensburg, Energieagentur St. Gallen und der baubook gmbh. Es wird gefördert von der Europäischen Union im Rahmen von Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein und der Energieautonomie Vorarlberg.

 

Zuletzt aktualisiert am 14. Dezember 2021