In einer vom Land beauftragten Studie untersuchten Fachhochschule Vorarlberg und Energieinstitut Vorarlberg

_ die Potenziale zur Reduktion des Endenergiebedarfs und der CO2-Emissionen Vorarlbergs
_ sowie zum Ausbau der erneuerbaren Energiequellen.

Die Studie liefert damit quantitative Grundlagen für die Herleitung von Umsetzungsmaßnahmen für die nächste Dekade der Energieautonomie.

Im Studienteil des Energieinstitut Vorarlberg wird die Entwicklung des Energiebedarfs und der CO2-Emissionen des Gebäudeparks in Vorarlberg detailliert untersucht. Erstmals wird dabei nicht nur die Entwicklung des Jahres-Energiebedarfs, sondern auch der Jahresverlauf in Form von Monatswerten analysiert. Zusätzlich wird erstmals der Energiebedarf der Nichtwohngebäude untersucht.

In diesem Artikel werden die Kernergebnisse für den Gebäudebereich aus unserer Sicht in Form von neun Thesen interpretiert. Dabei werden die Ergebnisse für die anderen Verbrauchssektoren und die Potenziale der erneuerbaren Energieträger bis 2030 berücksichtigt.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen.

These 1: Das Tempo erhöhen

Das Tempo der Verbrauchsreduktion und der Senkung der Treibhausgas- Emissionen muss auch im Gebäudesektor erhöht werden. Zwar wurden trotz deutlicher Zunahme der Wohnfläche sowohl Verbrauch, als auch Emissionen seit 2005 reduziert, bei linearer Fortschreibung des bisherigen Reduktionstempos werden die langfristigen Klimaschutzziele jedoch deutlich verfehlt.

These 2: Bewährtes deutlich verstärken

Um das Ziel der Dekarbonisierung des Gebäudesektors bis 2050 zu erreichen, müssen alle bewährten Konzepte deutlich verstärkt eingesetzt werden – sehr guter Wärmeschutz, effiziente Haustechniksysteme, forcierter Umstieg auf erneuerbare Energieträger, gebäudeintegrierte Solarsysteme. Ein entweder (Dämmung) – oder (Technik) wie im dualen Weg des OIB vorgesehen ist weder kompatibel zu regionalen, nationalen und internationalen Klimaschutzzielen noch zu den aktuellen Regierungsprogrammen für Österreich und Vorarlberg.

These 3: Es ist alles da

Die zur Erreichung der Klimaschutzziele notwendigen Technologien und Konzepte sind am Markt verfügbar, in der Praxis bewährt und im Lebenszyklus wirtschaftlich. Dies zeigen Modellvorhaben wie KliNaWo und andere Projekte – für Neubau und Sanierung.

These 4: Nichtwohngebäude sind wichtig

Dem Segment der Nicht-Wohngebäude sollte in Förder- und Beratungsprogrammen eine deutlich höhere Bedeutung zugemessen werden. Nichtwohngebäude haben derzeit einen Anteil von etwa 39 % an der Fläche und 34 % am gesamten Endenergiebedarf des Gebäudesektors.

Innovative Projekte wie zahlreiche öffentliche Gebäude in Vorarlberg zeigen auch hier sehr hohe, wirtschaftlich umsetzbare Effizienzpotenziale. Nicht-Wohngebäude sind für den Gesamterfolg der Energieautonomie auch deshalb von hoher Bedeutung, da sie im Mittel über große Dachflächen verfügen, auf denen sehr wirtschaftliche PV-Anlagen installiert werden können.

These 5: Der Bestand entscheidet das Match..

Ausschlaggebend für den Erfolg der Dekarbonisierung sind vor allem die Bestandsgebäude. Beispiele gemeinnütziger Wohnbauten in Vorarlberg demonstrieren, dass Endenergieeinsparungen von 70 – 80 % für Heizung und Warmwasser in der Praxis mit bewährten, wirtschaftlichen Konzepten erreicht werden können.

These 6: ..aber nicht nur

Aufgrund des sehr hohen Bauvolumens ist auch der Neubau von großer Bedeutung. In Wohn- und Nichtwohngebäuden sind hier sehr niedrige reale Energieverbräuche und ein schneller Verzicht auf fossile Energieträger – wie im Regierungsprogramm der Bundesregierung vorgesehen – problemlos möglich.

These 7: Der Energieverbrauch muss deutlich runter

Ohne deutliche Verringerung des Energieverbrauchs keine Dekarbonisierung. Die Strom- und Wärmeproduktion aus Erneuerbaren kann bis 2030 um etwa 15 – 25 % gesteigert werden, die Potenziale sind jedoch begrenzt und lassen ohne deutliche Verringerungen des Energiebedarfs eine vollständige Dekarbonisierung der Energieversorgung Vorarlbergs nicht zu.

These 8: Heizung bleib Verbraucher Nummer 1 im Wohnbau

Die Heizung bleibt der Energieverbraucher Nummer eins im Gebäude. Auch bei den in der Studie unterstellten, deutlichen Effizienzverbesserungen wird die Heizung Hauptanwendungsbereich im Gebäudesektor bleiben. Der Anteil am Gesamt-Endenergiebedarf des Gebäudesektors wird auch im Jahr 2050 bei etwa 2/3 liegen.

These 9: Der Strom im Winter ist kein sauberer

Strombedarf und -last müssen im Jahresverlauf betrachtet werden. In Regionen wie Vorarlberg, in denen schon heute hohe Anteile des Stroms aus fluktuierenden Quellen wie Wasserkraft und PV erzeugt werden und große Anteile der Wärmeversorgung durch Wärmepumpen erfolgen, ist die reine Betrachtung des Jahresenergiebedarfs des Gebäudesektors nicht mehr ausreichend.

Ergänzend sollte auch der Jahresverlauf betrachtet werden, da Erzeugung und Bedarf stark gegensätzliche Verläufe haben. Momentan führt dies dazu, dass im Winter große Anteile des (Heiz)Stroms importiert werden müssen. Der Strom-Mix der Erzeugerländer ist – besonders im Winter – aktuell und in naher Zukunft – mit relativ hohen Emissionen behaftet – es besteht eine „Winterstromlücke“ – will heißen ein Mangel an „sauberem“ Strom im Winter.

Da in 25 der 27 EU-Staaten der Strombedarf im Winter höher liegt als im Sommer, und da die Windkraft die einzige regenerative Energiequelle mit einem leichten Produktionspeak im Winter ist, ist für die absehbare Zukunft nicht zu erwarten, dass die Emissionen von Importstrom im Winter deutlich sinken.

Da die saisonale Energiespeicherung nur zu hohen Kosten möglich ist, ist eine weitgehende Reduktion des winterlichen Strombedarfs durch hocheffiziente Gebäudehüllen die kostengünstigere Lösung.

Dieser Beitrag stammt aus der Führjahrsausgabe 2020 unserer Institutszeitschrift max50. Die vollständige Ausgabe können Sie hier digital nachlesen. Ein kostenloses Abo der zweimal jährlich erscheinenden Zeitschrift können Sie hier bestellen.