Fit für die Zukunft: ökologische Materialoptimierung

Noch nicht oft genug fällt die Auswahl der Materialien bei einem Bauvorhaben auf Produkte, die weder Umwelt noch Gesundheit belasten oder zumindest weniger schädlich sind. Auf vielen Ebenene laufen jedoch Bemühungen, dies im Sinne einer besseren Zukunkt für uns alle zu ändern.

Noch nicht oft genug fällt die Auswahl der Materialien bei einem Bauvorhaben auf Produkte, die weder Umwelt noch Gesundheit belasten oder zumindest weniger schädlich sind. Auf vielen Ebenene laufen jedoch Bemühungen, dies im Sinne einer besseren Zukunkt für uns alle zu ändern.

In zahlreichen Institutionen wie dem IBO, dem Energieinstitut Vorarlberg oder bei baubook laufen Projekte in Richtung Ökobilanzierung und gesunder Innenraum. Tools werden dabei entwickelt, die das Aufzeigen und Umsetzen in der Praxis erleichtern sollen. Seitens der Wohnbauförderstelle des Landes wird ebenfalls versucht, den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen durch das neue Bonussystem attraktiver zu gestalten.
Nicht zuletzt arbeiten auch zahlreiche engagierte Produkthersteller am Markt an umweltschonenden Lösungen und müssen dabei hart gegen oft günstigere, konventionelle Produkte ankämpfen.
Das 4. Sanierungsforum bot diesen Bemühungen eine Plattform und zeigte auf, in welche Richtung es gehen kann.

Begrüßt wurden die Partnerbetriebe und EnergieberaterInnen des Energieinstitut von Gastgeber Michael Kinz, Spartenleiter des Baustoff-Centers der BayWa Vorarlberg. Er erläuterte uns die Eckdaten der Firma sowie die verschiedenen Dienstleistungsangebote des Baustoff-Centers. Im Anschluß gehörte die Bühne ganz den ökologischen Produkten, die an diesem Abend vorgestellt werden sollten.

Auf den Punkt gebracht:

  • „Die esb – Platte als Alternative zur OSB-Platte“
    Alexander Schmid, elka-Hozwerke GmbH
    Vom Namen her ist die esb (elka strong board)-Platte zwar an die OSB-Platte angelehnt, wird jedoch nicht wie herkömmliche OSB-Platten aus Altholz und PU-Leim gefertigt, sondern zu 100% aus frischen Fichtenhackschnitzeln aus dem eigenen Sägewerk in Deutschland sowie recyclingsfreundlichem MUF-Harz mit reduzierter Formaldehyd-Emission.

    Tipp 1: Die esb-Platte kann vielseitig angewendet werden für Wand, Decke, Flachdach, Dach, tragende Fußböden, Holzrahmenbau und sogar Feuchträume.
    Tipp 2: Das Sägerestholz aus Fichte, das für die Herstellung verwendet wird, kommt aus nachhaltig bewirtschafteter Fortwirtschaft. Unter anderem aus diesem Grund und weil die esb-Platte dank des umweltfreundlichen MUF-Harzes VOC-arm ist, wurde sie mit dem „Blauen Engel“ zertifiziert.
    Tipp 3: Die esb-Platte ist weitestgehend diffusionsoffen, hat eine niedrigere Quellung als OSB-Platten und sehr gute statische und technische Werte, sodass sie bestens im konstruktiven Holzbau einsetzbar ist. Darauf achten, dass die Dampfdiffusionsoffenheit durch die Art der Beschichtung beim Übermalen oder Bekleben verloren gehen kann.

  • „Jasmin – gesund dämmen mit Lehm und Holz“
    Maximilian Jehle, Holz-Lehmhaus GmbH
    Aus welchen drei Naturmaterialien die Jasmin-Dämmung besteht, wurde von Herrn Jehle ganz praktisch und vor Ort demonstriert. Nämlich ausschließlich aus unbehandelten, gereinigten Fichtenholzspänen, reinem, auch als Heilerde eingesetztem, Lehmmehl und Wasser, mit dem diese beiden Stoffe bedampft werden, um den Hobelspan weicher und alles keimfrei zu machen. Die Jasmin-Naturdämmung sorgt dank ihrer hervorragenden Wärmespeicherfähigkeit und Feuchteregulierung für ein ausgeglichenes Raumklima im Sommer wie im Winter. Überall, wo im Bau Hohlräume vorhanden sind, kann durch Schüttung oder Einblasen mit Jasmin gedämmt werden.
  • Tipp 1: Bauphysikalisch ist die Jasmin-Dämmung v.a. auch in der Sanierung ohne Luftdichtigkeit und Dampfbremse interessant, da sie hohe Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann.
    Tipp 2: Der Lehmanteil in der Jasmin-Dämmung bewirkt sehr gute Brand- und Schallschutzeigenschaften. Sie gilt als unbrennbar.
    Tipp 3: Bei Ungezieferbefall in Dämmungen mit Mineralwolle kann mit Jasmin nachgeblasen werden, ohne dass die Mineraldämmung entfernt werden muss. Tierische Schädlinge und auch Schimmelpilze haben keine Chance.

 

  • „Hanf – vom Feld ans Haus“
    Engelbert Wiedmann, Synthesa GmbH, Capatect GmbH
    Industriehanf als Rohstoff hat sehr viele Vorteile. Im Anbau braucht er aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften als Tiefwurzler weder Insektizide noch Bewässerung. Er wächst schneller und bindet vier mal soviel CO2 als ein Wald. Für die Hanfprodukte der Firma Capatect wird die komplette Hanfpflanze verwertet, deren Anbau, Verarbeitung und Produktion ausschließlich in Österreich stattfindet. Der Hanf wird gehäckselt und mit Bicofasern, einem Milchsäurenpolymer, bzw. in der teureren aber kompostierbaren Version mit Maisstärke vermengt, anschließend gepresst und im Ofen gebacken. Da Hanf kaum Eiweiß beinhaltet und von Natur aus extremst reißfest ist, kann es von Schädlingen weder als Baumaterial noch als Nahrung verwendet werden.

    Tipp 1: Die Firma Capatect bietet verschiedene Hanfdämmprodukte an. Die dampfdiffusionsfähige Hanfdämmplatte zur Zwischensparrendämmung, die „Hanf Silent TBS“- ein Schallschutzelement im Trockenbausystem z.B. als Akustikplatte mit farbig beschichtetem Flachs-Vlies – und eine Fassadendämmung als vorgehängte Fassade.
    Tipp 2: Mit entsprechendem Werkzeug ist es einfach und schnell verarbeitbar und da es keinerlei künstliche Mineralfasern enthält, ist es hautfreundlicher als Mineralwolle.
    Tipp 3: Hervorragende Schallschutzeigenschaften! Im Innenbereich ersetzt eine 6 cm Hanfdämmplatte einen 2-schaligen Aufbau, was dünnere Trennwände zwischen Räumen ermöglicht. Damit der Schall gebrochen wird: 2 cm Luft zum Raum hin lassen. So lassen sich außerdem leichter Rohre in den Zwichenwänden verlegen.

 

  • „Oekoindex“
    Patrick Denz, Baubook
    Bauleute, die sich für natürliche Baumaterialien und eine ökologische Gebäudeplanung entscheidet, nehmen höhere Kosten zugunsten von Nachhaltigkeit und einer gesünderen Wohnumgebung auf sich. In Vorarlberg kann durch die Wohnbauförderung ein Anteil dieses finanziellen Mehraufwands ausgeglichen werden. Der Oekoindex bildet die Grundlage für die Berechnung des Kostenausgleichs, sowohl bei der Neubau- als auch bei der Sanierungsförderung wird die ökologische Qualität des Gebäudes im Energieausweis fixiert.

    Tipp 1: Die drei wichtigsten Indikatoren, die bei der ökologischen Beurteilung mittels Oekoindex berücksichtigt werden, sind:
       – PENRT (Primärenergieinhalt): Wie viel nicht erneuerbare Energie wird eingesetzt?
       – GWP 100 Summe (Treibhauspotential): Wie hoch ist der relative Beitrag zum Treibhauseffekt ergo zur globalen Erwärmung?
       – AP (Versauerungspotenzial): Wie hoch ist das regional wirksame Versauerungspotential auf Böden, Wald und Gewässer?
    Tipp 2: Derzeit werden in Vorarlberg zwei Bilanzgrenzen (BG) verwendet. In der privaten Wohnbauförderung die BG0 ohne Bodenbeläge im Energieausweis und die BG3 im Kommunalgebäudeausweis, wo ausführlicher mitbilanziert und die Nutzungsdauer mitberücksichtigt wird.
    Tipp 3: Bereits in der Planungsphase ist es erstrebenswert, das Material-, Konstruktions- und Energiekonzept umweltverträglich zu optimieren und Alternativen für ökologische “Schwergewichte” zu finden. Wesentlichen Einfluss haben hierbei technische Optimierungen wie beispielsweise die Materialreduktion durch kompaktere Gebäudeplanung oder die Berücksichtigung von Nawaros (Nachwachsende Rohstoffe) bei der Materialauswahl.

Fazit:
Unserer eigenen Gesundheit und der Umwelt zuliebe lohnt es sich, sich nicht von den zunächst höheren Kosten ökologischer Materialien abschrecken zu lassen. Es gibt nachhaltige Alternativen in jedem Bereich. Entscheidet man sich für ökologische Baustoffe, so wird man mit finanzieller Unterstützung des Landes Vorarlberg, einem gesunden Raumklima und nicht zuletzt mit einem guten Gefühl belohnt.

Gemeinsame diskutieren und viel Platz für den Austausch unter den Mitgliedern wird in der Plattform übrigens großgeschrieben.

 

Erfahren Sie mehr über die Firma BayWa Vorarlberg im Interview mit Baustoff-Spartenleiter Michael Kinz: Regionale Kooperation – ein Mehrwert.

Erfahren Sie mehr über die Plattform Partnerbetrieb Traumhaus Althaus hier.

 

Diese Veranstaltung wird im Zuge von GreenSan durchgeführt. GreenSan ist ein Projekt von Energieinstitut Vorarlberg, Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), Energieagentur Ravensburg, Energieagentur St. Gallen und der baubook gmbh. Es wird gefördert von der Europäischen Union im Rahmen von Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein und der Energieautonomie Vorarlberg.

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