172.5 Alpine InitiativenDer sogenannte alpine Bogen umfasst den deutschsprachigen Raum mit der Schweiz, Bay-ern, Norditalien, und Österreich. Er ist nach wie vor die Hochburg des modernen Holzbaus. Hier wurden Technologien und Produkte wie CLT entwickelt, die den modernen Holzhoch-hausbau erst ermöglicht haben. Diese Region steht für hochwertige Holzverarbeitung und modernste Holztechnologien. Die bedeutendsten Ausbildungszentren befinden sich in Biel, Rosenheim, Karlsruhe, München, Wien, Graz und Innsbruck. Alleine im Umkreis von 150 km um Innsbruck konzentriert sich eine Holzindustrie, die neben einigen nordeuropäischen Herstellern, ganz Europa mit hoch-wertigen Holzfertigprodukten beliefert. Entsprechend hoch ist auch die Anzahl der Betriebe, die Holz verarbeiten. Der Großteil der Zimmereien und Tischlereien besteht aus mittelständigen Familienunternehmen, die mit dem Einfamilienhaus groß geworden sind. Dank einer auf Energieeffizienz ausgerichteten Wohnbauförderung haben sich gerade Tirol und Vorarlberg zu einem Mekka für den Passiv- hausstandard entwickelt. Es ist daher kein Wunder, dass weltweit jedes dritte Passivhaus der-zeit in Österreich steht. Kaum woanders sind anspruchsvolle Holzbauarchitektur und Ener-gieeffizienz so eng mit einander verbunden wie hier. Obwohl sich der Anteil an Holzbauten innerhalb von wenigen Jahren verdoppelt hat, täuscht dies nicht über die Schwierigkeiten des Holzbaus bei großvolumigen Projekten hinweg, kostenmäßig gegen die etablierte Beton-bauweise anzukommen. Die Zukunft der Zimmereibetriebe wird vor allem von der Fähigkeit der Firmen abhängig sein, wie erfolgreich sie ihre Logistik und Fertigungstechnologien auf großvolumige und mehrgeschossige Bauten umstellen werden. Ein besonders interessantes Konstruktionskonzept für mehrgeschossige Systembauten entstand aus einem Forschungs-projekt der Firma Rhomberg bzw. der Firma Cree, die mit ihren Partnern ein Holzhochhaus in Hybridbauweise mit systematisierten Fertigteilelementen entwickelte (Abb. 2). Der Beton wurde dabei im Verbund eingesetzt und wie die Holzbauelemente vorgefertigt und trocken montiert.Abb. 2 Hybridkonstruktion des lifecycle tower, AEin wichtiger Punkt des Konzepts für den sogenannten „lifecycle tower“ beruht in der klaren Trennung von Tragstruktur und den technischen Installationen. Sie sind so angelegt, dass sie jederzeit zugänglich sind, um bei Bedarf problemlos besichtigt, gewartet und gewechselt zu werden. Bei der ersten Realisation handelte es sich um ein Pilotprojekt. Das Konstruktions-konzept bietet sich aber auf Grund seiner Multiplizierbarkeit von Systembauteilen für einen weltweiten Export an. Von einem generellen Durchbruch des mehrgeschossigen Holzbaus bei der nachhaltigen Stadtentwicklung kann im alpinen Bogen, im Vergleich zum Züricher Paradebeispiel, noch nicht gesprochen werden. Vielleicht gelingt das aber im Bereich der
< Page 9 | Page 11 >