| 9 8 |Es sind ambitionierte Ziele, die sich das Land Vorarlberg auf die Fahnen geheftet hat: Das westlichste Bundesland Österreichs will unabhängig werden. Unabhängig von Preissteigerungen und Versorgungsengpässen bei fossilen Energieträgern – und damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Energieautonomie Vorarlberg wurde von der Politik als strategisches Ziel bis 2050 festgesetzt. Eine nachhaltige Energieversorgung ist die Vision. Das heißt konkret: Die Bilanz aus Energieverbrauch und Erzeugung aus Erneuerbaren Ener-gieträgern soll sich bis 2050 die Waage halten. Die Vision der Energieautonomie 2050 beinhaltet eine sichere, umweltver-trägliche, langfristig zukunftsfähige, leistbare und kostensta-bile Energieversorgung.Politik steht hinter der EnergieautonomieDie Energieautonomie Vorarlberg fußt auf einem 2009 ein-stimmig gefassten Beschluss des Regionalparlaments, dem Vorarlberger Landtag. Alle im Landtag vertretenen Parteien stimmten dieser langfristigen Vision zu – und damit letztlich den Maßnahmen, die zur Erreichung des Ziels der Energieautonomie 2050 getroffen werden müssen. Maßnahmen, die nicht von oben herab verordnet wurden. Von Beginn an waren es Bürgerinnen und Bürger mit ganz unterschiedlichem beruflichen und sozialen Hintergrund, die den Prozess der Energieautonomie gestaltet, vorangetrieben und sich nun auch für dessen Umsetzung ver-antwortlich zeigen. Vier inhaltliche SäulenDie Energieautonomie Vorarlberg umfasst nahezu alle Lebens-bereiche – auf ganz unterschiedliche Weise. Zur besseren Veranschaulichung und Kommunikation des umfassenden Zukunftsprojektes wurden vier inhaltliche Säulen als Basis des Programms definiert:1. Energiesparen. Die Reduktion des Energieverbrauchs ist Grundlage der Energieautonomie. Bei zahlreichen Anwendun-gen ist dies bereits durch eine Verhaltensänderung möglich.2. Energieeffizienz. Heute stehen Technologien zur Verfü-gung, die eine bessere Ausnutzung der in Vorarlberg einge-setzten und erzeugten Energien ermöglichen. Sie sollen in den Vordergrund gerückt werden.3. Erneuerbare Energie. In Vorarlberg verfügen wir über nennenswerte Mengen an erneuerbaren Energien wie Son-nenkraft, Wasserkraft und Biomasse. Die diesbezügliche Nutzung soll deutlich ausgebaut werden. 4. Forschung, Entwicklung und Bildung. Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Know-how schafft Vorsprung und stärkt den Standort Vorarlberg. Für eine lebenswerte Zukunft für nachfolgende Generationen.So gestaltet Vorarlberg ZukunftEine neue ProzessarchitekturEs ist ein langer und arbeitsintensiver Weg, das strategische Ziel der Energieautonomie bis 2050 Realität werden zu lassen. Ein Weg, auf dem gemeinsam kleine als auch große Schritte gesetzt werden müssen. Und einer der größten erfolgte bereits zu Beginn: Die strategisch als auch inhaltlich wertvolle Ent-scheidung, diesen Weg im Rahmen eines partizipativen Prozes-ses zu beschreiten. Konkrete Zielsetzung bis 2020 Die Ergebnisse wurden in einen konkreten Maßnahmenplan gegossen, die „101 enkeltauglichen Maßnahmen“. Im Vergleich zu 2005 sollen der Energieverbrauch um 15 Prozent sowie die CO2-Emissionen um 18 Prozent verringert werden. Der Anteil erneuerbarer Energieträger soll gegenüber 2005 um 19 Prozent gesteigert werden. Einige Ziele im Detail: l Anhaltende Sanierungsrate für Gebäude von 3 Prozent und Reduzierung des Energieverbrauchs für Raum- wärme im Durchschnitt um 20 Prozentl Jährliche Effizienzsteigerung in der produzierenden Wirtschaft von 1 Prozentl Zubau von 200 bis 220 GWh Wasserkraft l Errichtung von 15.000 m2 Solaranlagen pro Jahr und jährlicher Zubau von über 40.000 m2 Photovoltaikl Rund 50 Prozent Zunahme des Gesamtbestandes an Wärmepumpen bis 2020l Verlagerung von zusätzlich 5 Prozent des Personenverkehrs bei kurzen und mittleren Wegen auf den Radverkehrl Anteil von 5 Prozent Elektroantrieb bis 2020l Schienenanteil im Güter-, Ziel- und Quellverkehr von 22 Prozent auf 30 Prozent bis 2020 anhebenGalt es in der ersten Projektphase, einen Visionsprozess mit Zeithorizont bis 2050 zu erarbeiten, wurden anschließend von Arbeitsgruppen mit unterschiedlicher Themensetzung konkrete Umsetzungsschritte mit Zwischenetappenziel 2020 definiert. Das Ergebnis: „101 enkeltaugliche Maßnahmen“, deren Umset-zung nun von vier Arbeitsgruppen - zu den Themen Gebäude, Mobilität und Raumplanung, Industrie und Gewerbe sowie Erneuerbare Energie - beobachtet und begleitet wird. Eine jährliche „Energieautonomiekonferenz“ informiert alle Teilneh-merinnen und Teilnehmer sowie Verantwortlichen über den IST-Stand der Umsetzung. » Die Energieautonomie Vorarlberg ist eine Chance und Verantwortung für Gesellschaft und Wirtschaft. Unser Ziel, in Vorarlberg den Energieverbrauch durch Energiesparen und Energieeffizienz deutlich zu reduzieren, sowie den Ausbau von erneuerbaren Energieträgern weiter zu forcieren, ist ambitioniert, aber möglich. Das gilt insbesondere für den Gebäude- bereich, in welchem die langjährige Arbeit engagierter Akteure bereits Wirkung zeigt. «Landesrat Ing. Erich Schwärzler Vorarlberger Landesregierung
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