Der Vorarlberger Landtag hat am 4. Juli 2019 den Klimanotstand beschlossen. Damit zusammenhängend wurden auch konkrete Zwischenziele auf dem Weg zur Energieautonomie 2050 festgelegt.

Eines davon ist, dass bis in elf Jahren die Stromerzeugung in Vorarlberg vollständig mit erneuerbaren Energieträgern sichergestellt werden können soll, betrachtet als Jahresbilanz versteht sich.

Erhöhung des PV-Ausbautempos ist zwingend notwendig

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss – wenig überraschend – an zwei Stellschrauben gedreht werden:

  1. auf der einen Seite muss der elektrische Verbrauch gesenkt und
  2. auf der anderen Seite die Erzeugung an erneuerbarem Strom deutlich erhöht werden.

Die letzten Jahre ist der Stromverbrauch –trotz großer Bemühungen- aber stetig gestiegen (von 2005 bis 2017 nahm der Stromverbrauch um 9% zu). Eine erwartete Zunahme der Bevölkerung, der strombetriebenen Heizsysteme sowie der Elektromobilität in Verbindung mit einem anhaltenden Wirtschaftswachstum wird es aber realistisch gesehen sehr schwer machen, den Stromverbrauch maßgeblich zu senken.

Nichtsdestotrotz müssen aber nach wie vor alle Bemühungen unternommen werden, um zumindest den Verbrauchsanstieg so klein wie möglich zu halten.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass der notwenige Zubau an erneuerbare erzeugtem Strom noch stärker erfolgen muss. In Vorarlberg sind das vor allem Wasserkraft und Photovoltaik.

Volksschule Mähdle Wolfurt - Ökologisch optimiertes Nullenergiegebäude

Neben der Wasserkraft wird vor allem die Photovoltaik in Vorarlberg zum CO2-neutralen Strom beitragen.

Gerade bei der PV gibt es noch sehr viel ungenutzt Potentiale, da noch sehr viele Dachflächen ungenutzt sind (erste Untersuchungen und Hochrechnungen des Energieinstitut ergeben allein auf den Dächern von Wohngebäuden ein Potential von rund 600 GWh).

Neben den Dachflächen ist auch die Nutzung der Gebäudefassaden denkbar und teilweise notwendig. Neben Anlagen auf oder an Gebäuden können Anlagen aber auch ganz sinnvoll in andere Bauelemente intergiert werden – und teilweise sogar Synergien generieren.

PV als Schallschutz entlang von Autobahnen und Bahntrassen

Ein sinnvolles Einsatz-Szenario ist beispielsweise die Ausstattung von vorhandenen Lärmschutzwänden entlang von Autobahnen und Bahntrassen mit PV-Modulen. Besonders wenn zusätzliche oder neue Lärmschutzmaßnahmen geplant und umgesetzt werden (wie beispielsweise ganz aktuell im Bereich Altach und Mäder entlang der A14) sollte zumindest untersucht werden, ob Lärmschutz in Kombination mit PV möglich ist. Gerade bei neuen Lärmschutzwänden können oftmals auch die Photovoltaik-Module direkt als Lärmschutz-Element verwendet werden.

Photovoltaik-Module an Lärmschutzwänden auf der Autobahn bei Sterzing (IT).

PV-Module an Lärmschutzwänden: warum nicht?

Somit lassen sich Synergien generieren, da ein Bauelement zwei Aufgaben übernehmen kann. Es gibt auch bereits Hersteller auf dem Markt, die unterschiedlichste Konzepte anbieten: von PV-Modulen, welche auf beiden Seiten Strom erzeugen können (bifaciale Module) bis hin zu schräg angeordneten Systemen. Selbstredend ist bei solchen Anlagen die Ausrichtung der Module hinsichtlich des Ertrags nicht immer ideal, was aber bezüglich der Glättung der Erzeugungskurve (Stickwort: Mittagsspitze) durchaus auch Vorteile haben kann.

Würde an einer in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Autobahn beidseitig jeweils eine rund 4 Meter hohe Lärmschutzwand mit PV-Modulen bestückt, könnte der auf der Strecke anfallende Energiebedarf von täglich 20.000 passierenden Elektroautos gedeckt werden.

Brandneu ist die Idee natürlich nicht, denn auf der Schweizer Rheintalautobahn A13 sind auf Höhe von Domat/Ems seit 1989 (!) PV-Module installiert.

PV-Module an der Autobahn: Warum eigentlich nicht? Bildnachweis: Cmon - stock.adobe.com

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