Rupert-Neß-Gymnasium: Regionaler Baustoff Weißtanne

Regionaler Baustoff Weißtanne

Laut Untersuchungen des Cluster Holz Baden-Württemberg hat die Weißtanne, kurz Tanne genannt, ihre führende regionale Marktposition aufgrund der Globalisierung in den letzten 20 Jahren in ihren Verbreitungsgebieten verloren. In Baden-Württemberg ist die Tanne in den Bergwäldern, von Schwarzwald, der Südwestalb, dem Schwäbisch-Fränkischen Wald und dem Allgäu aber nach wie vor eine prägende Baumart. Gerade die Verfügbarkeit in der Region sowie ihre charakteristischen Eigenschaften machen diesen Rohstoff für die holzverarbeitende Industrie vor Ort nach wie vor wertvoll.

Beim Erweiterungsbau des Rupert-Neß-Gymnasiums schafft die Weißtanne im Innenbereich des Gebäudes mit ihrer hellen Farbe und in Kombination mit den großen Fensterflächen ein durchweg angenehmes und freundliches Raumklima. Besonders bei der Innenanwendung in den Fach- und Klassenräumen zahlt sich die robuste und optisch edle Holzart aus.

Charakteristika der Weißtanne

Die Weißtanne ist weitgehend harzfrei und damit besonders geeignet für den Innenausbau. Ihre matte, hellweiße Farbe ergibt freundliche und hochwertige Oberflächen. Die tränkfähige und wetterbeständige Holz eignet sich aber auch für den Außenbereich und als Konstruktionsholz.

Regional, dauerhaft, hochwertig: der Baustoff Weißtanne prägt das Rupert-Neß-Gymnasium. Bild: Energieagentur Ravensburg.

Regional, dauerhaft, hochwertig: der Baustoff Weißtanne prägt das Rupert-Neß-Gymnasium. Bild: Energieagentur Ravensburg.

 

 

 

Rupert-Neß-Gymnasium: Bekenntnis zur Nachhaltigkeit

Bekenntnis zur Nachhaltigkeit

Der Einsatz von nachwachsenden Baustoffen war eine bewusste Wahl der Planer. Für alle Bauteile des Innenraums wurde Weißtanne verwendet. Diese heimische Holzart dominiert im Inneren des Gebäudes und hat sich im laufenden Betrieb bewährt. Das Tragwerk des Gymnasiums besteht aus Holzstützen mit Holzständerwänden und Verbunddecken aus Brettschichtholz (BSH) mit Aufbeton. Die Gebäudehülle ist dabei durch eine vertikal strukturierte Holzkonstruktion, die der eigentlichen Hülle des kubischen Baukörpers vorgestellt wurde, charakterisiert.

Ein Gebäude zum Wohlfühlen

Holz bietet hervorragenden Wärmeschutz im Winter und im Sommer, denn Temperaturschwankungen sind durch die Materialeigenschaften stark verzögert. Die Verwendung von Holz in der Baukonstruktion und im Innenausbau der Schule hat eine positive Wirkung auf den Nutzer. Das Material schafft ein ausgeglichenes Raumklima bei optimaler Luftfeuchtigkeit.

Der Baustoff birgt zudem die Möglichkeit eines hohen Vorfertigungsgrades und garantiert damit in der Regel eine kurze Bauzeit. Diesen Aspekt der Vorfertigung konnte man sich somit auch beim Gymnasium in Wangen zu Nutze machen. Zudem ist Holz ein leichter Baustoff, dabei sehr stabil, tragfähig und bei korrekter Verarbeitung sehr langlebig.

Bildnachweis Stadtbauamt Wangen

Die nachhaltige Materialisierung schafft einen hochwertigen Innenraum. Bildnachweis: Stadtbauamt Wangen

 

 

 

Rupert-Neß-Gymnasium: Thermischer Komfort und Lüftungskonzept

Gute Luft im Klassenzimmer

Verschiedene bau- und brandschutztechnische Anforderungen an den Holzerweiterungsbau des Rupert-Neß-Gymnasiums in Wangen führten zur Entscheidung die Geschosshöhe zu begrenzen. Für das Lüftungskonzept entschlossen sich Bauherr und Planungsteam deshalb nach umfangreicher Recherche und technischer Abklärung, einen unkonventionellen Weg zu gehen. Es wurde ein Fensterlüftungskonzept entwickelt, das auch eine Querlüftung über das neu gestaltete Atrium mit entsprechender Dachfensteröffnung ermöglicht. Die Kombination mit CO2-Meldern in den Klassenräumen garantiert dabei, dass die empfohlenen Grenzwerte der DIN 1946 von 1.500 ppm CO2 in der Raumluft nicht überschritten werden.

Wohlige Wärme mit Holz

Warmwasser wird dezentral über einfache Elektro-Durchlauferhitzer bereitet. Die Wärmebereitstellung im Gebäude erfolgt über das Biomasse-Nahwärmnetz der Stadtwerke Wangen. Dieses wird mit Holzhackschnitzeln aus der Region betrieben. Durch dieses Biomasse-Heizwerk werden damit jährlich rund 406.000 m³ Erdgas durch 6.500 Schüttraummeter Holzhackschnitzel ersetzt und neben dem Rupert-Neß-Gymnasium auch zahlreiche weitere kommunale Gebäude versorgt.

Licht und Schatten

Dem Gebäude vorgelagert ist ein feststehender Sonnenschutz aus vertikalen Holzstützen. Dieser bietet je nach Ausrichtung der Fassade einen ganzjährigen Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung und Überhitzung. Zusätzlich sind am Gebäude direkt vor der eigentlichen Fensterebene Markisen als Blendschutz und zur Verdunkelung angebracht.

Grafik: Maier.Neuberger.Architekten

Feststehender Sonnenschutz aus vertikalen Holzsstützen. Grafik: Mier.Neuberger.Architekten

 

 

 

Rupert-Neß-Gymnasium, Wangen (D)

Der dreigeschossige Erweiterungsbau (C-Gebäude) des Rupert-Neß-Gymnasiums befindet sich in der Nähe des historischen Stadtzentrums von Wangen. Das kubische Gebäude gliedert sich in den heterogenen Gebäudebestand aus dem Jahr 1928 und die Folgebauten des Rupert-Neß-Gymnasiums aus den 60er- und 70er-Jahren ein. Der Anbau soll bestehende Raumdefizite ausgleichen und Platz schaffen für neue Klassenräume, eine Mensa und eine großzügige Mediathek.

Den ersten Preis des durch die Stadt Wangen ausgelobten Wettbewerbs erhielt die Arbeitsgemeinschaft Maier.Neuberger.Architekten GmbH München mit balda architekten, Fürstenfeldbruck. Der Grundriss des Gebäudes ist klar strukturiert und bietet im Bereich der Aula ein offenes, helles Ambiente für die Schüler. Der Anforderungswert für den Primärenergiebedarf gemäß Energieeinsparverordnung mit 129,5 kWh/m²a angesetzt, wird mit effektiv 34,9 kWh/m²a weit unterschritten.

Rupert Neß Gymnasium in Wangen. Bildnachweis Energieagentur Ravensburg

Das Rupert-Neß-Gymnasium in Wangen. Bildnachweis: Energieagentur Ravensburg

 

Low Tech-Komponenten Rupert-Neß-Gymnasium:

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Feststehender Sonnenschutz

Thermischer Komfort und Lüftungskonzept

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Luftaustausch über Fenster

Thermischer Komfort und Lüftungskonzept

icon_bt_4 Graue Energie

Regionaler Baustoff Weißtanne
Bekenntnis zur Nachhaltigkeit

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Dauerhaftigkeit

Regionaler Baustoff Weißtanne

Save the date! – economicum Session 7

Eine zentrale Erkenntnis unserer Forschung zum energie- und kostenoptimierten Bauen lautet, dass viele Wege nach Rohm führen. Ob ausgeklügelte oder reduzierte Haustechnik, Niedrig-, Passiv- oder Nullenergiehaus – am Ende entscheidet das Resultat und das kann (und muss?) gemessen werden.

In der Session 7 unserer Veranstaltungsreihe economicum widmen wir uns daher in einem Schwerpunkt den tatsächlichen Wirkungen unterschiedlicher Konzepte im Spannungsfeld zwischen High-Tech und Low-Tech und zwischen Berechnung und Messung.

Referentinnen und Referenten aus Österreich und Deutschland zeigen unter anderem:

  • ein Low-Tech-Passivhaus mit Infrarotheizung als gangbarer Weg,
  • aktuelle Messwerte aus effizienten Mehrfamilienhäusern,
  • die Übertragbarkeit der Methoden hinter KliNaWo,
  • “Duschen oder Pizza?” im energieautarken High-Tech-Einfamilienhaus
  • u.v.a.m

Weitere Informationen und Anmeldung hier

Energie Lounge 2018 – Machbares denken, Denkbares tun

Wir freuen uns auf viele Beispiele, spannende Diskussionen mit den erfahrenen ReferentInnen und DiskussionspartnerInnen. Unter anderen konnten wir den bekannten Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Harald Welzer, O.Univ.-Prof. Mag. arch. Roland Gnaiger, Mag. Martin Schweighofer und Arch. Anna Heringer für die Energie Lounge 2018 gewinnen!

Die Termine 2018

19. September 2018 | Gesellschaft: das Notwendige denken
Vorträge: Warum wir eine neue Ökobewegung brauchen
Warum wir ein neues Wirtschaften brauchen
Ort: vorarlberg museum Bregenz

24. Oktober 2018 | Quartier: das Denkbare machen
Vorträge: Wie gelingen nachhaltige Quartiere? – ein Rück- und Ausblick
Ein neues Miteinander! Herausforderung und Chance für zukünftige Siedlungsformen
Ort: Montforthaus Feldkirch

21. November 2018 | Architektur: das Machbare tun
Nachhaltiges Bauen in Vorarlberg – Ein Rück- und Ausblick
Warum wir von Indien lernen können
Ort: vorarlberg museum Bregenz

Achtung: Dieses Jahr findet die zweite Energie Lounge im Foyer des Montforthauses Feldkirch statt – in Kooperation mit dem Symposium >>natur vielfalt bauen<<

Zahlreiche aufmerksame Besucherinnen und Besucher bei der Energie Lounge 2017._Y2A7298

 


Diese Veranstaltung wird im Zuge von GreenSan durchgeführt. GreenSan ist ein Projekt von Energieinstitut Vorarlberg, Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), Energieagentur Ravensburg, Energieagentur St. Gallen und der baubook gmbh. Es wird gefördert von der Europäischen Union im Rahmen von Interreg A-B-H.

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i+R Bürogebäude: Raum verwandle dich

Die zweispännigen Büroräume mit breiter Mittelzone für Erschließung, Treppenhäuser, Aufzüge, WCs und Kopierräume bilden die Grundstruktur in allen Geschossen. Die Büros bieten mit ihren 1,60 m breiten Modulen Raum für zwei bis vier Arbeitsplätze und lassen sich jederzeit umbauen, weil die Trennwände frei von Installationen gehalten wurden.

Jeder Arbeitsplatz verfügt über einen zu öffnenden Fensterflügel, allerdings öffnen die Flügel nur einige Zentimeter. Sonderräume wie Besprechungsräume sind an den Ost- und Westfassaden angeordnet. Leitungen für Licht, Strom, Heizung und Lüftung liegen in den Brüstungen.

Jedes Grundrissmodul wird unabhängig mit Licht, Wärme, Kühlung und Luft versorgt. Die Steuerung des Lichts erfolgt über Bewegungsmelder. Wenn der Arbeitsplatz verlassen wird, fährt die Beleuchtung herunter.

 

Flexible Grundrisse machen das Gebäude an allfällige künftige Nutzungsänderungen anpassbar. Bildnachweis i+r Gruppe.

Flexible Grundrisse machen das Gebäude an allfällige künftige Nutzungsänderungen anpassbar. Bildnachweis i+r Gruppe.

Ich glaube, dass das Gebäude für die Investition in die Gebäudtechnik extrem viel kann.
Thoams Rhomberg, Nutzer

Installationsfreie Zwischenwände sorgen dafür, dass der Grundriss im Bedarfsfall künftig einfach angepasst werden kann. Grafik: Dietrich|Untertrifaller Architekten

Installationsfreie Zwischenwände sorgen dafür, dass der Grundriss im Bedarfsfall künftig einfach angepasst werden kann. Grafik: Dietrich|Untertrifaller Architekten

i+R Bürogebäude: Luft mit Auftrieb

Der Low-Tech Ansatz der Lüftung besteht in einer offenen Führung der Luft, die frei durch die Büros streicht. Die Zuluft für jeden Arbeitsplatz wird aus den Brüstungen eingeströmt, durchquert den Raum und verlässt über schallgedämmte Überstromöffnungen das Büro. Dort wird sie durch die Thermik in der Halle zu der auf dem Dach aufgesetzten Laterne geführt, in der die verbrauchte Luft entnommen wird.

Es handelt sich also um eine kontrollierte Belüftung mit zentraler Abluft. Diese Form der Lüftung nennt man auch Kaskadenlüftung. Die zentrale Abluft mit Wärme- und Kältetauscher ist auf dem Dach installiert und kann mit warmem oder kaltem Wasser temperiert werden, wenn die Rückgewinnung nicht ausreicht.

Das Atrium im Bürogebäude der i+R Gruppe sorgt für die notwendige sanfte Thermik, damit die Kaskadenlüftung funktioniert. Bildnachweis: Bruno Klomfar

Das Atrium im Bürogebäude der i+R Gruppe sorgt für die notwendige sanfte Thermik, damit die Kaskadenlüftung funktioniert. Bildnachweis: Bruno Klomfar

Die Lüftung in den Räumen kann man nicht hören. Weder in den Besprechungsräumen noch in den Büros. Es gibt auch keinen Zug, das würde ich merken, weil immer Papierblätter auf meiner Brüstung liegen.
Nutzerin Olga Flatz-Wimmer

Lüftungskonzept des i+R Bürogebäudes. Grafik Dietrich|Untertrifaller Architekten

Das Lüftungskonzept vom Bürogebäude der i+R Gruppe. Grafik: Dietrich|Untertrifaller Architekten

i+R Bürogebäude: Kälte aus der Erde

Kühl- und Heizenergie wird durch eine monovalente, reversible Wärmepumpe zur Verfügung gestellt, die aus vertikalen Bohrungen mit Wärme versorgt wird. Zehn Bohrpfeile mit einer Tiefe von 150 m und 10 m Ausdehnung
versorgen das Gebäude durch zwei Pumpen.

Eine Pumpe versorgt die Wärmepumpe, die andere sorgt für freies Kühlen im Sommer. Die Wärme des Gebäudes wird über die Fußbodenheizung aufgenommen und dann über Erdsonden an das Erdreich abgegeben, dabei arbeiten nur die Umwälzpumpen. Mit der reversiblen Wärmepumpe erzeugte Kompressionskälte ist nicht notwendig.

Die Wärme wird im Erdreich gespeichert und erhöht im Winter die Effizienz der Wärmepumpe beim Heizen. Die Wärmeabgabe oder Kühlung erfolgt über eine Fußbodenheizung.

Angenehm klimatisierte Räume dank Freecooling und Sonnenschutz im Low-Tech Bürogebäude der i+R Gruppe. Bildnachweis: i+R Gruppe

Angenehm klimatisierte Räume dank Freecooling und Sonnenschutz im Low-Tech Bürogebäude der i+R Gruppe. Bildnachweis: i+R Gruppe

Wir versuchen immer alle Komponenten in Doppelfunktion zu planen. Das heißt die Wärmepumpe kann auch kühlen und die Erdsonde kann auch Energie gewinnen oder im Freecooling Betrieb arbeiten. Die Fußbodenheizung kann heizen und kühlen und die Lüftung muss die Kaskade machen. Deswegen haben wir auch die guten Investitionskosten für solche Maßnahmen und Taktiken.    Peter Messner, DI Haustechnik

Freecooling im Sommerfall. Grafik: Energieinstitut Vorarlberg

i+R Bürogebäude: Brise Soleil, der “Sonnenbrecher”

Das Gebäude ist Ost-West orientiert. Die lange Südseite ist mit einem Brise Soleil aus gebeiztem Fichtenholz ausgestattet. Abstand und Tiefe des Holzrasters sind so geplant, dass die Sonne in der warmen Jahreszeit nicht direkt durch die Glasflächen scheinen kann.

Sowohl die Süd- als auch die Nordfassade bestehen aus Fensterbändern und Brüstungen. Die Glasflächen bleiben dabei unter 50% der Fassadenflächen, was die Gefahr einer sommerlichen Überhitzung deutlich verringert.

 

Low Tech Gebäude: i+R Gruppe, Lauterach. Bildnachweis Bruno Klomfar

Als “Sonnenbrecher” sorgt der fest verbaute Sonnenschutz für kühle Büros auch im Sommer – bislang ohne Zuhilfenahme der vorhandenen Wärmepumpe. Bildnachweis: Bruno Klomfar.