Die Vision und das Ziel: die Energieautonomie Vorarlberg

Im Juni 2009 hat der Vorarlberger Landtag einstimmig mit der Unterstützung aller vier Parteien beschlossen, dass ein energieautonomes Vorarlberg das langfristige strategische Ziel der Vorarlberger Landespolitik ist. Als Folge auf diesen wegweisenden Beschluss wurden “101 enkeltaugliche Maßnahmen” entwickelt, die als Leitlinien für alle Anstrengungen zu sehen sind. In dieses Maßnahmenpaket stellt auch das Energieinstitut Vorarlberg seine Aktivitäten und Arbeiten. Gegen Ende 2012 wurden die vorrangig anzugehenden Maßnahmen priorisiert. Ein guter Teil davon betrifft die Arbeit des Energieinstitut Vorarlberg unmittelbar:

  • Landesgesamtstrategie zur Förderung von Biomasseanlagen (EE18)
  • Sanierungsquote bei Wohngebäuden auf 3% heben (GEB1)
  • Anpassung der baurechtlichen Rahmenbedingungen (GEB8)
  • Sicherstellung der Leistbarkeit des Wohnens (GEB10)
  • Energie Monitoring öffentliche Gebäude (GEB17)
  • Förderprogramme für effiziente Stromverbraucher (GEB5)
  • Voraussetzungen für Kostenwahrheit im Verkehr (M+R4)
  • Gestaltung innerörtliche Verkehrsräume (M+R7)
  • Planungsrichtlinien zur Schaffung von Verbindlichkeiten für regionale und kommunale Entwicklungskonzepte (M+R8)
  • Überarbeitung der Wohnbauförderung (M+R14)
  • Steigerung des Aktivverkehrs (M+R15)
  • Information und Bewusstseinsbildung (M+R17)
  • Modellhafte Gesamtstrategien für eine nachhaltige Mobilität (M+R27)
  • Verstärkte Förder- und Anreizsysteme (Q3)
  • Durchführung von Aktivitäten zur Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeitsarbeit (Q11)
  • Erstellung Abwärme Kataster (I+G1)
  • Beratungsausbau Steigerung Energieeffizienz in Unternehmen (I+G3)
  • Programm zur Sensibilisierung und Weiterbildung von Mitarbeitern (I+G5)
  • Programm für betriebliches Mobilitätsmanagement (I+G6)
  • Unterstützung für Einbezug Energieeffizienz bei Investitionen (I+G9)

Für die detaillierte Erläuterung der Maßnahmen steht rechts die Broschüre “101 enkeltaugliche Maßnahmen” zum Download bereit. Die über die Umsetzung von Maßnahmen hinausgehende Rolle des Energieinstitut Vorarlberg auf dem Weg zur Energieautonomie können Sie hier nachlesen.

Die Leitplanken: energierelevante Gesetze und Verordnungen

Die EU will den Verbrauch an Primärenergie bis 2020 um 20% senken. Aus diesem Grund hat sie am 25. Oktober 2012 die Richtlinie 2012/27/EG über Energieeffizienz erlassen. Ausgehend von dieser Richtlinie sind die EU-Staaten verpflichtet, nationale Richtlinien bzw. Gesetze zu verabschieden. Die nationale Gesetzgebung hat insbesondere Auswirkungen auf die Energieversorger und damit auch auf unser wichtiges Vereinsmitglied illwerke vkw. Wir unterstützen die illwerke vkw im Rahmen unserer Möglichkeiten, beispielsweise bei der Anrechung von Beratungsleistungen oder Umsetzungsaktivitäten.

Die sogenannten „Nearly Zero Energy Buildings“ sind in der Richtlinie 2010/31/EU (Energy Performance of Buildings Directiv) festgehalten. Demnach sollen in der EU alle neuen Gebäude ab 2020 diesem Standard entsprechen. Die Mitgliedsstaaten haben bis 2015 nationale Aktionspläne vorzulegen, wie sie dieses Ziel erreichen können. Beispielgebend sollen dabei öffentliche Gebäude sein. Mit dem Servicepaket Nachhaltig Bauen in  Gemeinden verfügen wir über ein hervorragendes und etabliertes Instrument, die Gemeinden bei der Wahrnehmung dieser Vorreiterrolle zu unterstützen.

Mit der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (EEG) wurden für die Mitgliedstaaten verbindlich der von ihnen jeweils bis zum Jahr 2020 zu erreichende Anteil von erneuerbaren Energien an der von ihnen verbrauchten gesamten Energie mit dem Ziel festgelegt, dass bis zu diesem Jahr in der gesamten EU der Anteil von erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch bei mindestens 20% liegen wird.

Ökologische Aspekte von Bauprodukten und Gesamtbetrachtungen von Gebäuden werden auf europäischer Ebene vorangetrieben. Gesundheit und Umwelt und die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen sind in der europäischen Bauproduktverordnung Nr. 305/2011 bereits als wesentliche Anforderungen an Gebäude festgeschrieben. Die dafür notwendigen Bewertungsmethoden sind im Entstehen (CEN/TC 350 – Nachhaltigkeit von Bauwerken). Beides wird in den kommenden Jahren das Bauen beeinflussen.

Das Bautechnikgesetz mit seiner entsprechenden Verordnung und den einbezogenen Normen und Richtlinien (vor allem die sogenannten OIB-Richtlinien) sowie die geltenden Richtlinien der Wohnbauförderung bestimmen letztendlich im Land Vorarlberg das „Wohnbaugeschehen“. Das Energieinstitut Vorarlberg setzt im Auftrag des Landes die Qualitätssicherung der Wohnbauförderung um.

Die Kreuzungen: Trends und Diskussionen

Vom Heizwärmebedarf (HWB) zum Primärenergiebedarf (PE)

Wie es die EU-Richtlinie 2012/27/EG richtig fordert, ist die gesamte Prozess-Energie-Kette beim Einsatz von Energieträgern zu beachten. Entsprechend dieser Erkenntnis gibt es konkrete Maßnahmen, diese in landesrelevanten Richtlinien (Wohnbauförderung) und Verordnungen einzusetzen.

Diese Herangehensweise setzt einen neuen Meilenstein in der Energiebetrachtung, vor allem dann wenn auch die graue Energie in den Prozessketten der eingesetzten Materialen betrachtet und bei Förderungen Berücksichtigung findet. Wie jeder andere Meilenstein, den es zu bewältigen gilt, ist auch dieser mit Information, Schulungen, Untersuchungen, Evaluationen, Verbesserungsprozessen verbunden, wenn er einer breiten Umsetzung zugeführt werden sollte.

Die Diskussion um das Kostenoptimum

Die Umsetzung dieser energiesparenden Anforderungen ist mit Investitionsmehrkosten verbunden, die allerdings über die Lebensdauer Einsparungen an Kosten und Umweltbelastungen mit sich bringen. Es kommt daher unweigerlich zu einer Optimierungsfrage, wie viel die Maßnahmen kosten und was damit erreicht wird. Diese Anforderungen sind auch in den Europäischen Richtlinien zu finden und werden sich auch in den nationalen bzw. regionalen Verordnungen/Gesetzen niederschlagen.

Das „Einstellen“ der energetischen Gebäudeanforderungen an dieses Kostenoptimum muss auch in den Bundesländern erarbeitet werden. Hier kann das Energieinstitut Vorarlberg mit den entwickelten Werkzeugen Unterstützung und Know-how zur Verfügung stellen, wenn das Land diesbezüglich Aktivitäten setzt.

Die Zugpferde: Regionale und bundesweite Förderprogramme

Die Anforderungen an das Erfüllen von Kriterien für Investitions-Förderungen von Energiekonsumenten wird – um das Gießkannenprinzip möglichst klein zu halten – umfangreicher und komplexer. Es werden immer mehr Nachweise notwendig, um möglichst zielgerichtet fördern zu können. Zudem entwickeln sich Förderunterstützungen (vor allem durch den Bund) in die Richtung „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.

Sie zeigen nicht immer Kontinuität, sind teilweise auf die Zeitachse bezogen unberechenbar. Auch die Zuständigkeiten werden vielfältiger, weil Land, der Bund und sogar auch Energielieferanten Förderungen als Hebel zur Aktivierung einsetzen. Wohnbaufördermittel werden bewusst vom Neubau zur Sanierung umgelenkt und energierelevante Fördermittel werden zum großen Teil auch an Mindestanforderungen an die thermische Gebäudequalität gebunden.

Das verstärkte Betrachten umfassender und gewerkübergreifender Ansätze bei der Vergabe von Fördermitteln, der erhöhte Wissensaufwand bei der Beantragung von Mitteln und die teilweise Limitierung in der Ausstattung von Fördertöpfen schaffen neue Herausforderungen für jene, die Förderwerber aber auch Fördergeber beraten und unterstützen. In der Tätigkeit des Energieinstitut Vorarlberg schlägt sich das durch eine weitere Professionalisierung der Beratung von Unternehmen oder Gemeinden und einen verstärkten Fokus auf “Susi-Sorglos-Pakete” für engagierte Bürgerinnen und Bürger nieder.

Fazit: es braucht Übersetzer und Begleiter

All diese gesetzlichen Vorgaben, Richtlinien, Programme und Maßnahmenpakete benötigen „Übersetzer und Begleiter in die umsetzbare Praxis“. Die notnotwendigen Schritte werden bereits jetzt schon in einem größeren Zusammenhang gesehen, die Materie wird komplexer, die Regulierungen und Verpflichtungen per Gesetz umfangreicher. Viele Arbeiten des Energieinstitut Vorarlberg sind so ausgerichtet, dass sie für die Übersetzung einen wesentlichen Beitrag leisten und die Zugänglichkeit erhöhen.