Der Kindergarten Muntlix wurde mit dem Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2014 ausgezeichnet und weitere drei Gebäude aus Vorarlberg wurden nominiert.

74 Architekturprojekte wurden für den zum vierten Mal vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft (BMFLUW) ausgeschriebenen Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit eingereicht. Die hochkarätige, international besetzte Jury unter dem Vorsitz von Univ.-Prof. Roland Gnaiger nominierte zwölf Projekte. Bewertet wurden architektonische Qualität und die ökologische und energetische Qualität der Bauprojekte anhand des klimaaktiv Gebäudestandards.

Der Preis wurde am 13. Jänner 2015 durch Bundesminister Andrä Ruprechter übergeben.

Preisträger 2014 | Kindergarten Muntlix

BAUHERRIN: Gemeinde Zwischenwasser
ARCHITEKTUR: HEIN architekten
FACHPLANUNG: DI Bernhard Weithas GmbH (Bauphysik), Gernot Thurnher ZT GmbH (Bauleitung, Projektsteuerung)

Gebäudetyp: Neubau eines Kindergartens, Holzbau in Passivhausqualität; Stampflehmböden
Fertigstellung: 2013
Besonderheiten: Musterbeispiel für Kommunalgebäudeausweis Vorarlberg, PV-Anlage mit Jahresertrag von knapp 36.000 kWh Strom
Baustoffe: Holzbau mit Stampflehmböden; Dämmstoffe sind HFKW-frei; Rohre, Folien, Fußbodenbeläge, Elektroinstallationen, Fenster und Türen sowie Sonnenschutz sind PVC-frei

Durch einen leichten Rücksprung von der Straße reiht sich der Holzbau in Passivbauweise ortsbaulich in das Ensemble von Gemeindezentrum, Schule und Kirche ein. Ein direkt neben dem Eingang gelegener Multifunktionsraum lässt sich zum Vorplatz öffnen und ist somit auch für die ganze Gemeinde nutzbar.
Das kluge Erschließungssystem bietet über eine Zweittreppe direkten Zugang zum Garten für die im Obergeschoss liegenden Gruppenräume.
Im ganzen Gebäude ist außerdem ein Stampflehmboden verlegt, der nicht nur die gut benötigte Speichermasse liefert sondern auch eine unvergleichliche Spieloberfläche für die Kinder,  die sich – wie berichtet wird – auf diesem Boden am liebsten ohne Hausschuhe bewegen. Das Gebäude wurde nach den strengen Kriterien des Vorarlberger Kommunalgebäude-ausweises geplant und errichtet und entspricht damit hochwertigen Anforderungen für Bauökologie, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit bei Errichtung und Betrieb.

Nominierungen zum Staatspreis 2014 aus Vorarlberg

Verwaltungsgebäude Illwerke Zentrum Montafon, Vandans

BAUHERRIN: Vorarlberger Illwerke AG
ARCHITEKTUR: Architekten Hermann Kaufmann ZT GmbH
FACHPLANUNG: Wärme- & Schallschutztechnik Schwarz (Bauphysik), merz kley partner ZT GmbH (Tragwerksplanung)
Mit dem Illwerke Zentrum Montafon – dem Verwaltungsgebäude und Besucherzentrum des gleichnamigen Vorarlberger Energieerzeugers – ist der erste kommerzielle Bau des LCT-Verbundsystems entstanden: Unter- und Erdgeschoss sowie die zentralen Erschließungselemente sind in Beton ausgeführt. Die vier Obergeschosse wurden als Hybrid-Holzkonstruktion errichtet, die in nur sechs Wochen vor Ort aufgebaut wurde. Eine Besonderheit stellen die unbeplankten tragenden Elemente dar.
Auf verleimten, in die Fassade integrierten Holzstützen liegen Holz-Beton-Verbundelemente auf, die in der Mittelachse von Stahlträgern gehalten werden, gestützt auf einer Reihe Stahlbetonsäulen. Der langgezogene, fünfgeschossige Baukörper ragt auf Stützen in einen Stausee und bietet aus dem Inneren schöne Rundumblicke in das Montafon. Mit dieser Aussicht verbunden bieten die klar gegliederten Büro- und Veranstaltungsräume eine hohe Arbeits- und Aufenthaltsqualität in einem energieeffizienten Gebäude. Das Tragsystem, mit hochwertigen Materialien ausgeführt, ist so präzise gearbeitet, dass es sichtbar bleibt und nicht verkleidet wird.

Sanierung Wohn- und Bürogebäude ATRIUM, Lauterach

BAUHERRIN: ATRIUM Warger & Fink GmbH
ARCHITEKTUR: ATRIUM Raum für Ideen
FACHPLANUNG: Hagen-Huster ZT GmbH (Tragwerksplanung), DI Bernhard Weithas GmbH (Bauphysik), Ing. Siegfried Steurer (Haustechnik)
Es ist beachtenswert, dass sich ein privater Bauträger des ehemals „energetisch schlechtesten öffentlichen Gebäude Vorarlbergs“, dem früheren Lauteracher Rathaus angenommen hat. Das Rathaus ist in einen Neubau übersiedelt, der Bestand durch den genannten Bauträger bis auf die Tragstruktur rückgebaut, aufgestockt und vollumfänglich saniert worden. Durch sinnvolle Nachverdichtung und öffentliche Nutzung in der Erdgeschosszone entsteht ein starker Mehrwert für den Stadtkern von Lauterach. Schwarz angestrichen ist die alte Stahlbetonskelettstruktur im Inneren noch immer sichtbar. 60% der grauen Energie, die für die Tragstruktur eines Neubaus hätte verwendet werden müssen, ist dadurch eingespart worden. Beides, die sozialen und ökologischen Überlegungen und Entscheidungen sind gelebte Nachhaltigkeit und ein Beispiel für Nachverdichtung im Bestand, wie es hoffentlich noch viele Nachahmer finden wird.

Verwaltungsgebäude I+R Gruppe, Lauterach

BAUHERRIN: i+R Gruppe GmbH
ARCHITEKTUR: Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT GmbH
FACHPLANUNG: ATP sustain GmbH, Lothar Künz ZT GmbH (Bauphysik)
Am bestehenden Betriebsstandort am Ortsrand von Lauterach zieht die i+R Gruppe die Verwaltung und Kundenberatung in einem Neubau zusammen und setzt ein markantes Zeichen. Das Brise Soleil, von weitem sichtbar, bestimmt die Südfassade, spendet Schatten und markiert den Eingang. Ebenso sorgfältig und präzise sind Nord, Ost- und Westfassade gestaltet. Bei den beiden Letzteren rahmen brettergeschalte Sichtbetonmauern kleine, sich geschossweise abwechselnde Balkone und ergeben ein stimmig proportioniertes Bild. Die innere Struktur wird von zwei großen verbindenden Atrien gegliedert. Das eine ist eher öffentlich und dient der allgemeinen Erschließung und dem Empfang auf den verschiedenen Geschossen. Das andere ist eher als Begegnungspunkt für interne und informelle Gespräche ausgelegt. Innovative Energielösungen, Energieeffizienz, hochwertige Materialien und die damit verbundene hervorragende Arbeitsplatzatmosphäre komplettieren das Bild.

 

Zuletzt aktualisiert am 5. August 2020