Was ist eigentlich ein “Low-Tech Gebäude”? Es gibt viele und doch keine einzig gültige Definition. Im Rahmen eines von der Internationalen Bodenseekonferenz initiierten Interreg-Projekts haben wir gemeinsam mit den Projektpartnern aus der Schweiz, Liechtenstein, dem Allgäu und Oberschwaben eine Begriffsbestimmung für den Bodenseeraum vorgenommen.

Ein Low-Tech Gebäude ist ein hocheffizientes Gebäude, das mit einfachen, aber sehr dauerhaften und ressourcenschonenden baulichen Komponenten das ganze Jahr die Bedürfnisse seiner Nutzer umfassend erfüllt. Die gewählten Bauteile werden nach ihrem Verhalten im gesamten Lebenszyklus beurteilt.

Die Gebäudehülle ist einfach, langlebig, sowie gut sanierbar. Sie schützt im Sommer vor Überhitzung und im Winter vor dem Auskühlen.

Der Einsatz von Technik kann in Low-Tech Gebäuden deswegen stark reduziert werden. Notwendige Haustechnikkomponenten sollen einfach zu warten und zu bedienen sein. Auch die Haustechnik muss mit ihren viel kürzeren Erneuerungszyklen auf Wirtschaftlichkeit geprüft werden.

Low-Tech Gebäude sind energieeffizient und kostengünstig

Ein Low-Tech Gebäude weist einen sehr geringen Energiebedarf und einen hohen Anteil von erneuerbaren Energien in der Wärme und Stromversorgung auf.

Barrierefreiheit und damit Zugänglichkeit und Verständlichkeit für alle Generationen ist ein wichtiges Merkmal eines Low-Tech Gebäudes. Die selbsterklärende Bedienung des Gebäudes ist planerisch, baukonstruktiv und bei der Gebäudetechnik umfassend umgesetzt.

2226 Bildnachweis archphoto.inc Baumschlager Eberle Architekten

Das Bürogebäude 2226 in Lustenau ist ein Vorarlberger Stereotyp für das Low-Tech Bauen. Bildnachweis: archphoto.inc Baumschlager Eberle Architekten

Der Einsatz aller Materialien im Low-Tech Gebäude erfolgt unter dem Gesichtspunkt größtmöglicher Ressourceneffizienz. Dabei wird dem Einsatz natürlicher und lokaler Materialien der Vorzug gegeben. Die Wirtschaftlichkeit über die gesamte Lebensdauer wird in der Planungsphase untersucht und nachgewiesen.

Anforderungen an die Baukonstruktion bei Low-Tech Gebäuden

Für die Baukonstruktion sind Dauerhaftigkeit im Sinne einer guten Sanierbarkeit aber auch eine hohe Flexibilität gefordert. Alle baukonstruktiven Elemente unterstützen die Behaglichkeitsanforderungen durch die hohe Ausführungsqualität und wenn möglich auch die intelligente Nutzung von Sonnenenergie.

KITA Oberlinhaus Bildnachweis Hermann Rupp / Studio für Fotografie

Die KITA Oberlinhaus in Kempten besticht unter anderem durch ihre dauerhafte Fassade. Bildnachweis Hermann Rupp / Studio für Fotografie

Die Behaglichkeit im Low-Tech Gebäude ist geprägt durch hohen thermischen Komfort, beste Luftqualität und einen hohen Tageslichtanteil. Grundsätzlich wird ein weitgefassterer Ansatz als in den jeweils relevanten Normen vorausgesetzt, um ein Low-Tech Gebäude realisieren zu können.

Beispielsweise können bewusst höhere Temperaturen im Sommer oder weniger als 20° Celsius nach einem Winterwochenende in Kauf genommen werden, wenn damit auf zusätzliche technische Komponenten verzichtet werden kann.

Anforderungen an die Gebäudetechnik in Low-Tech Gebäuden

Die Gebäudetechnik im Low-Tech Gebäude ist auf unbedingt notwendige Komponenten beschränkt. Einfache Wartung und Unterhalt der verbleibenden technischen Komponenten stehen immer im Vordergrund.

Grundsätzlich gilt, dass der Verzicht nicht zu höherem Energieverbrauch oder geringerer Effizienz führen sollte. Dabei sollen alle technischen Komponenten bewusst einfach, z.B. mechanisch gestaltet werden. Intelligente Lösungen sind ausdrücklich gewünscht, geplante Obsoleszenz führt dagegen zum Ausschluss der technischen Komponente.

Rupert-Neß-Gymnasium Bildnachweis Energieagentur Ravensburg

Ein feststehender Sonnenschutz hält unerwünschte Sonneneinstrahlung vom Gebäude fern und lässt ausreichend Licht hinein – antriebslos und wartungsfrei. Hier am Beispiel Rupert-Neß-Gymnasium in Wangen. Bildnachweis Energieagentur Ravensburg

Einzelkomponenten sollen austauschbar, robust, reparabel und ohne erhöhten Aufwand wiederherzustellen sein. Dies ist besonders wichtig, da technische Komponenten in der Lebensdauer eines Gebäudes mehrfach ausgetauscht werden müssen.

Ein Defekt einer Einzelkomponente z.B. einer Steuerung darf nicht kaskadenartig zum Komplettaustausch der technischen Gesamtanlage führen.