“e-Mobility-ready” heißt das Zauberwort in Wohnanlagen: Nicht nur der Markt verlangt es immer stärker, auch der Gesetzgeber fordert zumindest die Vorbereitung auf eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos und -zweiräder im verdichteten Wohnbau. Hier acht Erkenntnisse zu Rahmenbedingungen und Lösungen aus dem Webinar “E-Ladeinfrastruktur im verdichteten Wohnbau”, das im April 2021 vom Energieinstitut durchgeführt wurde.

1) Der Trend ist elektrisch

Bereits 13 % der heuer neu zugelassenen PKWs in Vorarlberg werden elektrisch angetrieben – mit steigender Tendenz. Bei Zweirädern hat das E-Bike den normalen Fahrrädern bereits den Rang abgelaufen. In wenigen Jahren wird also jede zeitgemäße Wohnanlage über ein Angebot zum Laden von E-Autos und E-Bikes verfügen müssen.

2) Gemeinsam ist besser als alleinsam

Im verdichteten Wohnbau ist eine gemeinschaftliche Ladeinfrastruktur mit Lastmanagement praktisch immer die bessere Option als Einzellösungen (sowohl in Bezug auf Kosten, Aufwand als auch der verfügbaren Ladeleistung). Das hat der Experte für E-Ladestationen Manfred Münzberger gezeigt. Die im Projekt “e-Mobility-Check” erarbeiteten Unterlagen und Leitfäden finden Sie auf der Website von ebe Mobility.

3) E-Bikes nicht vergessen

Ladelösungen für Elektroräder sind wichtig, denn schon aus Gründen des Brandschutzes sollten E-Bike-Akkus im Fahrradraum und nicht in der Wohnung geladen werden. Die technische Umsetzung ist einfacher zu bewerkstelligen als jene für PKWs, wobei der Teufel auch hier mitunter im Detail steckt. Denn im Gegensatz zu den PKWs sind die Ladesysteme bei den Zweirädern deutlich heterogener gestaltet – fast alle Hersteller haben eigene, nicht genormte Ladesysteme im Einsatz.

Damit endet der Standard derzeit an der Steckdose. Es muss also möglich sein, alle möglichen Ladegeräte im Fahrradraum gesichert anzustecken und die Nutzung mit überschaubarem Aufwand nutzungsgerecht abzurechnen. Dazu gibt’s bereits passende technische Lösungen, die z.B. im Leitfaden „Fahrradparken im verdichteten Wohnraum“ beschrieben sind.

E-Bikes bei der Ladeinfrastruktur nicht vergessen! @Halfpoint_stock.adobe.com

4) Law and order

Die EU gibt vor, dass neuen Wohnanlagen “e-Mobility-ready” sein müssen – das gilt auch bei umfassenden Sanierungen. In Vorarlberg tritt diese Verpflichtung spätestens mit der neuen Bautechnikverordnung in Kraft.

5) Das Recht der Miteigentümer*innen

Die rechtlichen Rahmenbedingungen im Mehrwohnungshaus sind für jene, die Ladeinfrastruktur für ein Elektrofahrzeug installieren wollen, besser als man vielleicht denkt. Das berichtet die Rechts-Expertin Daphne Frankl-Templ im Webinar. Im Bestandswohnbau ist für die Installation einer “Langsam-Ladestation” (einphasiges Laden mit einer Ladeleistung bis max. 3,7 kW) – keine Zustimmung der Miteigentümer*innen erforderlich. Und für eine gemeinschaftliche Lösung (z.B. Wallboxen mit Lastmanagement) reicht eine qualifizierte Mehrheit (> 50 %) der Wohnungseigentümer – Einstimmigkeit ist auch hier nicht notwendig.

Zukünftig sind weitere Erleichterungen angedacht, um die rechtlichen Grundlagen für die Umsetzung von Ladeinfrastruktur zu verbessern (z.B. digitale Verständigung, Mehrheit auf Basis der abgegebenen Stimmen, usf.). Mehr dazu unter www.mobilitylaw.at.

6) Das Netz redet mit

Je nach geplanter Ladeinfrastruktur können netzseitige Engpässe das Ladevergnügen trüben. Eine frühzeitige Abstimmung mit dem Netzbetreiber im Vorfeld eines jeden Projekts ist daher Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung. Details dazu auf den Seiten von Vorarlberg Netz.

Was macht das Netz? Vor keinem Projekt sollte die Abstimmung mit dem Netzbetreiber fehlen.

7) Susi Sorglos ist immer gut geladen

Die VLOTTE – das E-Mobilitätskompetenzzentrum von illwerke vkw – bietet angepasste Komplettlösungen für die Ladeinfrastruktur in Wohnanlagen. Dabei werden Errichtung, Betrieb und Abrechnung gegen eine monatliche Gebühr angeboten. Wie das im Detail aussieht, können Sie hier nachlesen.

8) Gut gefördert

Um die Motivation zur Umsetzung einer gemeinschaftlichen Ladelösung zu erhöhen, fördert das Land Vorarlberg die Nachrüstung bestehender Wohnanlagen (min. 3 Hauptwohnsitze, Baujahr vor 2016) mit einer gemeinschaftlichen E-Ladeinfrastruktur (auch für E-Bikes!) Es können bis zu 10.000,- Euro an Fördermittel abgeholt werden. Alle Details gibt’s auf der Website des Landes.

Das Mobilitätstelefon im Energieinstitut Vorarlberg beantwortet kostenlos Ihre Fragen und hilft beim Finden der richtigen Ansprechpartner für die Details: 05572 / 31 202-111.

Die Pionierphase der Elektromobilität ist vorbei. Zukunftsfähige Wohnanlagen brauchen eine Ladeinfrastruktur.

Zuletzt aktualisiert am 28. Juli 2021