Vor mittlerweile 64 Jahren wurde die Firma Sto im deutschen Stühlingen gegründet. Heute sind die gelben Verputzeimer allseits bekannt und auf fast jeder Baustelle zu finden. Begonnen hat alles mit der Erfindung und Patentierung einer damals völlig neuartigen Beschichtung – dem Kunstharzputz. Im Laufe der Jahre hat sich die Angebotspalette des Unternehmens rund um Farben, Putze und Fassadendämmung ständig erweitert.

Wir haben mit Gerard Kathan, Vertriebsleiter am Standort in Röthis, über die Unternehmensgeschichte, Angebotsentwicklungen und den Zugang des Unternehmens zur Nachhaltigkeit gesprochen.

Gerard Kathan (Vertriebsleiter sto Röthis) im Gespräch mit Susanna Ajkovic (Plattformleiterin Partnerbetrieb Traumhaus Althaus)

 

Seit mehr als 60 Jahren ist Sto nun schon auf Wachstumskurs und überzeugt weltweit mit innovativen Produkten. Wie schafft man es, über eine so lange Zeit konstant erfolgreich zu sein?  
Ich glaube, das liegt in erster Linie daran, dass das Unternehmen immer noch in Familienhand ist. Seit 64 Jahren lenkt die Familie Stotmeister die Geschicke des Unternehmens. Das führt dazu, dass ein sehr enger und persönlicher Kontakt zu Partner*innen und Mitarbeiter*innen gepflegt wird. So entsteht ein Klima von gegenseitigem Respekt und hoher Identifikation, was wiederum Innovationen fördert. Mittlerweile sind wir weltweit aktiv und dennoch bleiben diese Werte erhalten. Vorarlberg war übrigens das erste Auslandsgeschäft von Sto. 

Kannst du uns einige dieser innovativen Beispiele nennen?  
Unsere Produktpalette ist sehr groß. Gerade Putz und Farben sind für die Fassadengestaltung ein Klassiker, der immer neue Interpretationen zulässt. Ob Glasfassade, Steinfassade, Klinker oder auch PV-Anlagen – wir haben eigentlich alles im Angebot. Ganz besonders individuelle Lösungen können wir aber mit unserer Produktpalette StoSignature anbieten. Dabei handelt es sich um Putzoberflächen, die durch besondere Materialkombinationen und den Einsatz von Techniken besonders individuelle Ergebnisse schaffen.

Braucht es dazu nicht besonders geschulte Handwerkerinnen und Handwerker, die diese Techniken auch umsetzen und mit den Materialien arbeiten können?
Ja natürlich. Aber gerade im Maler- und Verputzerhandwerk Tätige wollen auch gefordert werden und zeigen, was sie können. Nur so entstehen Alternativen zum Einheitsbrei und die Wertigkeit des Handwerks wird angehoben. Wir unterstützen die Verarbeitenden dabei mit detaillierten Informationen zur Verwendung der Produkte, dem entsprechenden Werkzeug und sogenannten Verarbeitervideos, in denen alles genau erklärt wird.

Zu einem anderen Thema – die Fassadenwartung. Kunden wünschen sich ja immer ein Produkt, das möglichst lange hält und bei dem sie nichts machen müssen.    
Ganz klar – aber auch jede Fassade braucht eine Wartung. Je früher man sich darum kümmert, desto weniger Schaden entsteht. Das wird leider oft gerne vergessen oder beiseitegeschoben, aber eigentlich ist es ganz einfach: Wie ein Auto muss auch eine Fassade in den Service. Denn nur so ist sie langlebig und somit auch nachhaltig.  

Damit wären wir auch schon beim Stichwort Nachhaltigkeit: Sto beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema. Wie zeigt sich dieses Engagement?
Nachhaltigkeit ist bei uns seit vielen Jahren tief im Leitbild verankert. Darin haben wir uns zum Ziel gesetzt, Technik für eine nachhaltige Lebensraumgestaltung zu liefern. Seit rund 10 Jahren sind auch alle österreichischen Sto Filialen Klimabündnisbetriebe. Seit einigen Jahren haben wir zudem die StoClimate Serie ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um Produkte mit hohem ökologischem Anspruch. Und seit Kurzem sind unsere Climate Botschafter*innen unterwegs. Das sind Verarbeitende, die unsere Philosophie nach außen tragen.

Mit „Kletten statt Kleben“ habt ihr ein sehr innovatives und auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Projekt im Bereich der Fassadendämmung lanciert. Um was geht es da?
Dabei handelt es sich um ein Produkt, dass aus einem Forschungsprojekt der TU Graz hervorgegangen ist. Die Forschungsaufgabe war, eine „Fassade for Zero Waste“ zu gestalten. Dämmplatten werden dabei mit Flausch versehen und der Dübel mit Klett. So müssen die Dämmplatten künftig nicht mehr geklebt werden, sie werden stattdessen geklettet. Das hat den Vorteil, dass ein Rückbau problemlos möglich ist und die Dämmplatten sogar wiederverwendet werden können.

Habt ihr dieses Produkt bereits in der Praxis erprobt und gibt es etwas, dass man besonders beachten muss?
Ja. Mittlerweile stehen in Österreich einige Häuser mit dieser Fassadendämmung. Für Vorarlberg ist gerade das erste Haus in Planung. Besonders beachten muss man, dass die Dübel ganz genau gesetzt werden müssen. Dafür muss die Fassade millimetergenau vermessen werden. Drohnen eignen sich dafür besonders gut. Du siehst, auch in unserer Branche kommen wir an der Digitalisierung mittlerweile nicht mehr vorbei.

Noch eine abschließende Frage: Wie stehst du zu den oft verteufelten EPS-Fassadendämmungen?
Nun ja, wir verkaufen eigentlich sehr viele dieser EPS-Dämmungen (Anm.: Styropor). Und ich bin der Meinung, dass sie bei richtiger Wartung weniger schlimm sind, als man ihnen nachsagt. Ganz banal gesagt, es stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis und sie funktionieren. Auch wenn es sich um ein Erdölprodukt handelt, muss man sich vor Augen halten, dass der größte Teil des Materials Lust ist. Das wenige Erdöl ist  in der Fassade gebunden und spart durch seine Dämmungwirkung Unmengen an Heizkosten und -energie . Bei einer Lebensdauer von 40 – 50 Jahren sieht die Bilanz gar nicht so schlecht aus.

Vielen Dank für das Gespräch.

Factbox:

Firma

Sto GmbH
Interpark Focus 14, 6832 Röthis

Inhaber

Familie Stotmeister // Vertriebsleiter Sto GmbH Röthis Gerard Kathan    

Branche

Maler & Verputzer

Förderer

seit 2017

 

Unterstützt durch Mag.a Julia Weger, WEGWEISER – Büro für gute Ideen, Schwarzenberg