Wenn man von Nachhaltigkeit im Baubereich spricht, dann gehört neben der Energieeffizienz auch der Einsatz von ökologischen Materialien bzw. der Ressourceneinsatz allgemein mitgedacht. Was sich in diesem Bereich tut, darüber informierten und diskutierten Partnerbetriebe, Energieberater und Mitarbeiter des Energieinstitut beim 3. Sanierungsforum 2017.

Fachleute aus unterschiedlichen Gewerken kamen beim gastgebenden Partnerbetrieb Müller Bau zusammen und tauschten sich über ökologische Alternativen am Bau, den Ökoindex und neue Entwicklungen für die energieeffiziente Sanierung aus. Fünf kurze Präsentationen brachten die Teilnehmer auf den neuesten Stand und lieferten die Grundlage für die anschließende Diskussion.

Auf den Punkt gebracht:

  • Nachhaltiges Firmenengagement (Gerhard Müller, Müller Bau)
    Für die 1967 gegründete Firma mit mittlerweile 44 Mitarbeitern war Nachhaltigkeit immer schon wichtig. So wurde damals die erste Solaranlage auf einem schlüsselfertigen Haus installiert, es wurde die erste PV-Anlage auf einer Wohnanlage mit Mitarbeiterbeteiligung realisiert. Müller Bau baute auch die erte Passivhaus-Wohnanlage in Mäder. Momentan arbeiten sie mit Partnern an einem Label “schadstofffrei” und verbannen sukkzessive sämtliche Schäume von den Baustellen. Die Umsetzung funktioniert und erfordert einzig eine andere Herangehensweise. Daneben ist Müller Bau auch betriebsintern nachhaltig unterwegs: ÖKOPROFIT und neu ÖKOPROFIT PLUS-Betrieb, Mitglied im Klimaneutralitätsbündnis, Erstellung der Gemeinwohl-Bilanz.

  • Dünnschicht-Bodenheizsystem (Philipp Hofer, Röfix)
    Gerade in der Sanierung stellen niedrige Raumhöhen, unterschiedliche Bodenniveaus, Sockelanschlüsse bei Stiegen und Türen, etc. ein Problem dar. Die nachträgliche Unterbringung einer Fußbodenheizung ist deswegen z.B. oft nur schwer oder gar nicht möglich. Nach einer umfassenden Sanierung wäre dieses Niedertemperatursystem jedoch ideal, um den geringen Wärmebedarf des Gebäudes zu bedienen. Mit einer Aufbauhöhe von nur 35 mm bietet das neue Dünnschicht-Bodenheizsystem hier ganz neue Möglichkeiten, um auch in der Sanierung den Komfort eines Neubaus zu erreichen.

  • Aerogel – Dämmputz (Emil Pfister, Röfix)
    Aerogele wurde ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt. Sie bestehen zumeist aus Silikat. Ihre Leichtigkeit beruht darauf, dass sie zu gut 95% aus Luft bestehen und eine extrem poröse Gefügestruktur (Nanoporen) aufweisen. Die darin eingeschlossenen Luftmoleküle können Wärme somit nicht mehr übertragen. Als Zuschlagstoff im Putz verwendet ergibt das einen Hochleistungsdämmputz mit einer sehr geringen Wärmeleitfähigkeit von nur 0,029 W/mK (2-3 Mal besserer Wert als herkömmliche Wärmedämmputze). Er ist dampfdiffusionsoffen, wasserabweisend, nicht brennbar, hat auf Grund der Alkalinität eine hohe Resistenz gegen Algen und Pilze und wegen der hochporösen Gefügestruktur sehr gute akkustische Eigenschaften. Der Einsatz bietet sich vor allem in der energetischen Altbausanierung (Gassen, Einfahrten, . . .), sowie zur Wärmedämmung von historischer Bausubstanz – sowohl im Innen- und Aussenbereich – an.

  • Monolithische Bauweise (Gerhard Müller, Müller Bau)
     2013/14 fanden die ersten Überlegungen im Betrieb statt, komplett auf eine monolithische Bauweise umzusteigen (50 cm Hochlochziegel). Auschlaggebend war, dass Müller Bau als Massivbauer auf ein Wärmedämmverbundsystem, das zwar gut dämmt, dessen  Dämmstoff im Verbund aber weder recyclebar noch nachwachsend ist, verzichten wollten. Erfolgreiche Überzeugungsarbeit intern und bei ihren Partnerbetrieben führte zu einem Grundsatzbeschluss. Die Vorteile lagen auf der Hand: ein natürlicher Baustoff mit hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften (dampfdiffusionsoffen, höchste Brandschutzklasse, gute Dämmwirkung mit U-Wert von ca. 0,16 W/m²K mit Dämmputz, Massespeicher), langlebig, wartungsarm, kein Materialallerlei auf der Baustelle, sichere und rasche Verarbeitbarkeit, in Verbindung mit Kalkputz Algen-hemmend, einfache Trenn- und Recyclierbarkeit, keine Belastung der Umwelt. Es wurden drei Jahre Zeit in die Entwicklung der Details gesteckt (höherer Anforderung an Genauigkeit und Anschlusslösungen), die Mitarbeiter und Partnerfirmen wurden entsprechend geschult. Mitlerweile sind auch die meisten Anfragen – trotz leicht erhöhter Errichtungskosten – in diese Richtung.

  •  Ökoindex Bauteilbewertung (Christoph Sutter, EIV )
    Mit Hilfe dieser Bauteilbewertung gibt es nun neben dem U-Wert für die Einschätzung der Energieeffizienz auch eine Möglichkeit, ein Bauteil auf seine ökologische Nachhaltigkeit hin zu bewerten. Der U-Wert alleine sagt ja nur etwas über die Wärmedurchlässigkeit aus, jedoch nichts über das eingesetzte Material oder dessen Nachhaltigkeit. Unter www.baubook.info/BTR/ gelangen sie zum Bauteilrechner.
    Vergleich AWI 03a_03b

  •  Materialeffizienz Vorarlberg (Harald Gmeiner, EIV)
    Um die Ziele der Energieautonomie Vorarlberg zu erreichen ist ein wichtiger Hebel die Reduktion des Energieverbrauchs im Gebäudebereich. Dies wiederum verursacht zusätzliche Material-, (Graue) Energieaufwände und Treibhausgasemmisionen. Immerhin 50 % des Ressourcenverbrauchs in Österreich gehen insgesamt zu Lasten der Baubranche. Die Betrachtung der Materialeffizienz leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Energieautonomieziele. Der Anfang ist durch den Oekoindex gemacht, jedoch erst durch die Implementierung der Bilanzierungsgrenze 3 (gesamtes Gebäude statt lediglich der thermischen Gebäudehülle) – nicht nur für öffentliche Bauten, sondern für alle Gebäude, sowie einer Vereinfachung und Harmonisierung der Kriterien kann hier echte Klarheit geschaffen werden. Eine Implementierung in die Förderung hätte eine lenkende Wirkung in Richtung Energieeffizienz und Ökologie. Hier erfahren sie mehr zum Stand und der Empfehlung zur Weiterentwicklung der Materialeffizienz im Wohnbau.
    Material_Energie_1900-2015

Fazit:
Regionale Produkte haben am Markt einen Nachteil, die Transportkosten sind zu günstig, es gibt keine Kostenwahrheit. Ein Bonus für regionale Produkte in der Föderung wäre hilfreich. Dasselbe gilt auch für ökologische Produkte: nicht nur ein guter U-Wert gehört belohnt, sondern auch der Beitrag zur Nachhaltigkeit. Hier ist die Politik gefordert, für Kunden einen Anreiz durch teilweise Kompensation von Mehrinvestitionen zu schaffen. Für Planer und Handwerker darf der Aufwand zum Nachweis den Nutzen nicht übersteigen, die Tools müssen praktikabel und gut anwendbar sein.
“Gesundes Wohnen” ist das Schlagwort, mit dem Kunden wesentlich mehr anfangen können wie mit Ökologie – auch wenn es unterm Strich dasselbe ist. Es braucht noch mehr Öffentlichkeits- bzw. Bewusstseinsarbeit, damit nachhaltige Lösungen vermehrt zum Einsatz kommen bzw. nachgefragt werden.

Stimmen:

Gerhard Müller

 “Wir vom Bau sind verantwortlich für unsere Lebensqualität und deshalb muss “gesundes Wohnen” Standard werden. Gerhard Müller, Müller Bau

Marbod Lins
“Die Politik ist aufgefordert, Anreize für nachhaltige Lösungen durch einen guten Förderrahmen zu setzten.” Marbod Lins, lins dach & Fassade

 

 

Diese Veranstaltung wird im Zuge von GreenSan durchgeführt. GreenSan ist ein Projekt von Energieinstitut Vorarlberg, Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), Energieagentur Ravensburg, Energieagentur St. Gallen und der baubook gmbh. Es wird gefördert von der Europäischen Union im Rahmen von Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein und der Energieautonomie Vorarlberg.

Zuletzt aktualisiert am 3. November 2017