Wenn wir die Ziele der Energieautonomie 2050 erreichen wollen, dann ist gerade auch im Gebäudesektor die konsequente Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen nötig.  Was im Neubau von vornherein entsprechend geplant und dann umgesetzt werden kann, wirft in der Sanierung oft eine Menge an Problemen und Fragen auf. Das nachträgliche Anbringen von dicken Dämmstärken, die Herstellung der luftdichten Ebene und das dichte Anschließen der Dampfbremse/-sperre sind auf Grund von Platzmangel, Zugänglichkeit, unterschiedlichen Materialien oder maroder Bausubstanz eine Herausforderung.

Das 4. Sanierungsforum der Plattform Partnerbetrieb Traumhaus Althaus beschäftigte sich genau mit diesen Herausforderungen und hielt den Blickwinkel dabei bewusst breit. So gewährte Gastgeberfirma und Mitgliedsbetrieb Peter GmbH bei einer Führung nicht nur Einblick in den Betriebsablauf, sondern berichtete auch konkret davon, mit welchen Fragestellungen sie als ausführende Firma täglich auf der Baustelle konfrontiert sind. Dass Energieeffizienz zur Erreichung der klimapolitischen Ziele erforderlich ist, war dabei außer Frage. Vielmehr ging es darum, haltbare und gute Lösungen zu diskutieren. Mehr Klarheit verschaffte schließlich eine praktische, bauphysikalische Betrachtung anhand von Dachsanierungsbeispielen.

Auf den Punkt gebracht:

  • Energieeffizienzstudie Vorarlberg oder wie ändert man den Kurs eines Dampfers (Tobias Hatt, Energieinstitut Vorarlberg)
    Der zukünftige Energiebedarf des Gebäudebestandes in Vorarlberg stellt eine wesentliche Größe bei der Erreichung der Energieautonomie 2050 dar. Auf Grund der langen Nutzungsdauern von Gebäudekomponenten und der sich daraus ergebenden Trägheit (vergleichbar einem Dampfer, dessen Kurs nicht ruckartig veränderbar ist), lassen sich Verbesserungen nur durch beharrliches und konsequentes Handeln erzielen. Die Ergebnisse der Studie besagen klar, dass ein Erreichen der Energieautonomie-Ziele vor allem dann möglich ist, wenn zukünftig Neubauten und energetische Sanierungen in Passivhausqualität ausgeführt werden. Dies entspricht dem Kostenoptimum hinsichtlich der Lebenszykluskosten. Hier geht es zur Studie
  • Fragestellungen aus der täglichen Praxis (Christian Meissen, Peter GmbH)
    Durch gestiegene Anforderungen an die Energieeffizienz ist die Dämmstärke bei Bauteilen sukzessive gestiegen. In der Praxis bedeutet das, dass Anschlüsse zu anderen Bauteilen problematisch werden können (Wärmebrücken, Platz, Zugänglichkeit). Dadurch, dass die Gebäude bauphysikalisch dampfdicht sind und sein müssen, nimmt der Dampfdruck im Inneren des Gebäudes zu (Dampfbremsen/-sperren). Die Anschlüsse dieser Dampfbremsen/-sperren werden zum kritischen Punkt: bereits kleinste Undichtigkeiten können große Schäden verursachen. Mehr Dämmung bedeutet eine dickere Konstruktion mit mehr Gewicht und das gehört statisch berücksichtigt. Das gilt auch für nachträglich montierte Solar- oder PV-Anlagen.
  • Bauphysikalische Herausforderugen und Lösungen bei der Dachsanierung (Martin Epple, Bau.Tragwerk)
    Bei der ganzen Betonung der Wärmedämmung darf man auf eines nicht vergessen: den Feuchteschutz. Auch Brand- und Schallschutz sind nicht zu vernachlässigen. Luftdicht zu bauen bedeutet, den Wärmeverlust zu reduzieren und gleichzeitig den konvektiven Feuchteeintrag zu verhindern. Fehlstellen kommen früher oder später zum Vorschein, manchmal in ungeahnt verheerendem Ausmaß. Verwendet man Dampfbremsen mit variablem SD-Wert, so schaffen diese z.B. den Diffusionsaustausch über den Sparren, aber konvektive Feuchtigkeit von unten über Luftströme können sie nicht mehr ausgleichen.

Fazit:
Energetische Sanierungen bergen Herausforderungen, weil jedes Gebäude und jedes Dach bei nährerer Betrachtung unterschiedlich ist. Machte man sich in den 80ern beispielsweise wenig Gedanken zu Luftdichtheit und Dampfdiffusion, so spielt die Bauphysik heute durch die gestiegenen Anforderungen eine ganz andere Rolle. Durchdringungen und Anschlüsse müssen sauber geplant und ausgeführt werden. Feuchtigkeit in der Dämmebene reduziert nicht nur die Dämmleistung massiv, sondern kann auch zu erheblichen Bauschäden führen.

Stimmen:

“Unsere zukünftige Aufgabe wird die Sanierung der Gebäudehülle im Bestand sein. Auf Grund der Komplexität kann man sich gar nicht oft genug mit Praktikern austauschen, diskutieren und voneinander lernen.” Gerhard Renk, Planer


 “Mein bisheriger Wissensstand war, dass man die luftdichte Ebene über der Dämmung anbringen muss. Das ist bei einer Berg-Tal-Verlegung um die Dachsparren herum zugegeben umständlich. Neu und eine wichtige Erkenntnis ist, dass das bauphysikalisch auch weniger umständlich – nämlich eben über der Zwischensparrendämmung geht, wenn darüber ausreichend stark aufgedämmt wird .” Otto Haag, Sanierungsberater

 

 “Viele heutige Konstruktionen haben bauphysikalisch sehr wenig Spiel bzw. Puffer und sind fehleranfällig. Darüber muss man reden.” Christian Maissen,  Peter GmbH

 
Martin Epple

“Das Klebeband soll nicht die Folie zusammenhalten, sondern die luftdichte Ebene herstellen.” Martin Epple, bautragwerk

 

 

Diese Veranstaltung wird im Zuge von GreenSan durchgeführt. GreenSan ist ein Projekt von Energieinstitut Vorarlberg, Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), Energieagentur Ravensburg, Energieagentur St. Gallen und der baubook gmbh. Es wird gefördert von der Europäischen Union im Rahmen von Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein und der Energieautonomie Vorarlberg.

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Zuletzt aktualisiert am 7. Dezember 2017