Eine Zeitreise durch die Baugeschichte – Rückblick 5. Sanierungsforum 2015

Was für Indiana Jones der Aztekentempel im Dschungel, ist für den anspruchsvollen Planer und Handwerker die mittelalterliche Innenstadt in Feldkirch – ein wahrer Schauplatz an Baustilen, alten Handwerkstechniken und jeder Menge baulicher Herausforderungen samt Auflagen vom Denkmalschutz.

Selten hat man die Gelegenheit, die alten Gebäude in der Feldkircher Innenstadt so hautnah zu erleben, wie das die Mitglieder der Plattform und Mitarbeiter des Energieinstitut Vorarlberg vor kurzem konnten. Architekt Josef Schwärzler, selbst Mitglied der Plattform, lud auf seine Baustellen ein und führte durch drei einzigartige Projekte.

Besonders spannend war, dass sich die Stadthäuser, die zwischen 1470 und 1870 errichtet wurden, in unterschiedlichem Fertigstellungsgrad befanden:

  • Der in Rohbau in der Kreuzgasse ließ tiefe Einblicke in die Bautechniken des 19. Jhdt. zu. Die nachträgliche Unterkellerung des Zwischentrakts zwischen Haupt- und Hinterhaus stellt hier eine besondere Herausforderung dar.
  • Das kurz vor der Fertigstellung befindliche Gebäudeensemble in der Schmiedgasse/Domplatz zeigte eindrucksvoll wie, selbst bei solchen Gebäuden Barrierefreiheit realisiert werden kann und wie sich moderner Wohnkomfort und altertümlicher Charme trotz strengen Auflagen vom Denkmalamt raffiniert kombinieren lassen.
  • Die Geschichte des nun als Seminar- und Apartmenthaus genutzten Gebäudes in der Neustadt geht bis auf 1474 zurück und weist es als ehemaliges Gasthaus aus. Die Erhaltung und Wiederherstellung der Bausubstanz des viele Jahre nicht genutzten Gebäudes zeigte sich hier als besondere Herausforderung

Frühzeitiger Kontakt mit dem Denkmalamt

Im Denkmalschutz wichtig ist die Erhaltung des historischen Erscheinungsbildes gemeinsam mit der Bausubstanz. Deswegen werden diese Anliegen mit den Wünschen der Bauherrschaft und den Vorgaben anderer Behörden in Abwägung gebracht. Ein frühzeitiges Miteinbeziehen des Denkmalamtes begünstigt daher einen gemeinsamen Planungs- und Entscheidungsprozess. Auch Fördermöglichkeiten für Maßnahmen können so frühzeitig in Erfahrung gebracht werden.

Ganzheitliche Betrachtung – tolle gemeinsame Lösungen

Allen Gebäuden gemeinsam ist, dass sie immer als Ensemble betrachtet wurden und mehrere Besitzer sich zusammen getan haben. Die beteiligten Nachbarn konnten durch die Aussicht auf einen klaren Mehrwert überzeugt werden, dass die gleichzeitige Sanierung – auch wenn Kompromisse eingegangen werden mussten – klare Vorteile für alle bringt. So konnten einzigartige Lösungen realisiert werden:

  • Ein spezieller Ecklift mit zwei Zugängen gleicht den Niveauunterschied im Haupt- und Hinterhaus in der Kreuzgasse aus und macht den Zugang zu jedem Stock barrierefrei. Durch eine neue Raumaufteilung entstehen eine Reihe neuer, modernen Bedürfnissen angepasster Wohnungen mit Balkonen und Terrassen in den Innenhof. Der historische Laubengang als Verbindung zwischen Haupt- und Hinterhaus sowie die Holzverbunddecke mit der original Holzuntersicht werden wieder hergestellt und restauriert.
  • Durch das Zusammenlegen von den Stiegenhäusern dreier Gebäude in der Schmiedgasse/am Domplatz konnte ein Lift untergebracht werden. Stiegenhaus und Lift gehören nun zum neuen gemeinsamen Zugang der Gebäude. Durch das geschickte Tauschen von Eigentumsanteilen im Obergeschoss konnten Dachterrassen für die obersten Wohnungen realisiert werden. Der Dachstuhl konnte vollständig sichtbar ausgebaut werden und besticht durch seinen altertümlichen Charme bei modernem Wohnkomfort. Auch alte Holzdeckentäfer wurden restauriert und wieder hergestellt.
  • Zentraler Ausgangspunkt des drei Gebäude umfassenden Komplexes ist der neu sanierte Innenhof, über den man den Hauptzugang im Zwischenbau und das neu geschaffene Stiegenhaus samt Lift erreicht. Durch den Lift sind alle Geschoße stufenlos erreichbar. Zur statischen Wiederherstellung der rückwärtigen Gebäudemauer wurden über die vier Stockwerke 524 Injektionspunkte gesetzt und 16,30 t Spezialzement eingespritzt. Der früher versteckte Hinterhof ist nun unter Tags öffentlich begehbar und dient als Durchgang zur Rosengasse.  9 Ferienapartments des Hotel Gutwinski, 4 Wohnungen, 2 Geschäfte, 1 Seminarraum mit Cafeteria sowie ein Veranstaltungsraum im Keller (buchbar über die Raiba Feldkirch, der diese aufwändige Gesamtsanierung zu verdanken ist) fanden hier Einzug. Durch diese umfassende Gesamtadaptierung sorgen sie für neues Leben in den altehrwürdigen Gemäuern und sichern deren Erhalt.

Die Betrachtung der Gebäude als Ensemble und das Zusammentun der Eigentümer ermöglichte Lösungen, die einen deutlichen Mehrwert für alle beteiligten generieren und sonst unmöglich gewesen wären.
Ein erfahrener Planer kann genau solche Potentiale erkennen und weiß, wie sie auch im Denkmalschutz zu realisieren sind. Gleichzeitig kann er als kompetenter Vermittler die unterschiedlichen Anliegen aller Beteiligten zu einer Gesamtlösung verbinden.
Für die fachgerechte Restauration braucht es Handwerksbetriebe, die das spezielle Know-how über alte Handwerkstechniken und die nötige Erfahrung haben.
Für denkmalgeschützte Gebäude gibt es spezielle Förderungen zur Unterstützung der fachgerechten Restauration.

Weiterführende Literatur: Bundesdenkmalamt “Standards der Baudenkmalpflege”

Zuletzt aktualisiert am 21. Februar 2019