Bei Bauherren jeglichen Alters wird der Wunsch nach gesundem Wohnen und nachhaltigem Bauen immer größer. Ein erfreulicher Trend, der jedoch bezüglich Ressourcenschonung, Materialeffizienz, Lokalität und Energieverbrauch bei der Produktion genau beleuchtet werden muss, um ein ganzheitliches Bild von den diversen Baustoffvarianten zu zeichnen.

Lehm- einer der ältesten Baumaterialien schlechthin- erfüllt all diese Anforderungen und bringt noch viele andere positive Eigenschaften mit sich.

Die Firma PÖZ Parkett & ökologische Baustoffe beschäftigt sich schon lange vorwiegend mit diesem natürlichen Baustoff und hat 2015 aufgrund der hohen Nachfrage von Firmenkunden und Endverbrauchern die „Vorarlberger Lehmtage“ ins Leben gerufen, die seither jährlich stattfinden.

Nebst Verarbeitungs- und Maschinenschulungen für ausführende Betriebe können sich Interessenten von biologischem Bauen bei den Bauherrentagen beraten und inspirieren lassen.

In diesem Zuge wurde das vierte und letzte Sanierungsforum in diesem Jahr der Plattform Partnerbetrieb Traumhaus Althaus im Showroom der Firma PÖZ in Hohenems abgehalten, wo die verschiedensten Herangehensweisen an die Arbeit mit ökologischen Baustoffen und die Vielzahl an Produkten aus Lehm betrachtet wurden.

 

Auf den Punkt gebracht:

Ökologisch Sanieren- Goht des überhaupt?

Kai Längle, Architekt

Kai Längle, Architekt

Kai Längle hat sich völlig dem ökologischen und ressourcenschonenden Bauen verschrieben. In diversen Sanierungsprojekten arbeitete er mit regionalen und teilweise nachwachsenden Rohstoffen wie Lehm, Sumpfkalk, Stroh und Miscathusschäben.

Wichtig für ihn sind kurze Transportwege – zum Teil wurde aus Grubenlehm vor Ort Lehmziegel hergestellt und direkt verwendet- und die Wiederverwendung von Vorhandenem oder Restmaterialien. So wurde beispielsweise historischer Lehmputz abgetragen, neu aufbereitet und wiederverwertet oder Reststroh aus der Dämmung der Außenwände zur Herstellung von Strohleichtlehm für die Innenwände benutzt.

Tipp 1: Die wohl bekannteste Eigenschaft von Lehm ist seine feuchtigkeitsregulierende Wirkung, die unter anderem für ein gesundes Raumklima sorgt. Ebenso dazu beitragend ist jedoch die Fähigkeit von Lehm, Gerüche und Schadstoffe zu absorbieren.

Tipp 2: Gerade bei sehr alten Gebäuden bewährt sich der natürliche Baustoff Sumpfkalk. Aufgrund seiner hohen Alkalität wirkt er fungizid. Er ist nicht feuchtigkeitssperrend und als Bindemittel für Mörtel, Putz, Schüttung und Estrich ohne chemische Zusatzstoffe verwendbar.

Tipp 3: Eine optimale ökologische Sanierung nützt das, was da ist. Das heißt, der Bestand – das Gebäude oder Teile davon – der sich über die Jahrzehnte bereits bewährt hat, sollte erhalten bleiben und auch Abbruchmaterial sollte, wenn irgend möglich weiterverwendet werden. Das spart Entsorgungskosten und ist ressourcenschonend.

 

 

Wohngsund – Der Standard für die Planung und Bewertung von gesunden und ökologischen Wohnbauten

Bmst. Harald Gmeiner, Energieinstitut Vorarlberg, Bereich ökologisches Bauen

Harald Gmeiner, Energieinstitut Vorarlberg

Der kommunale Gebäudeausweis gilt mittlerweile als Standard im Bau von öffentlichen Gebäuden und wird teilweise als Voraussetzung bei Ausschreibungen und in der Planung verwendet.

Auch Wohnbauten sollen nun in Punkto Gesundheit und Ökologie planbar, bewertbar und sichtbar werden. Als Tool hierfür dient der Standard „wohngsund“, ein neues Angebot, das ein Zertifikat für gesunde Innenraumluft, ausgeführt durch Fachbetriebe, zur Verfügung stellt.
Die neue Qualitätsmarke für gesundes Wohnen zeigt, mit welchen Maßnahmen und Produkten entsprechend gesundheitsschonend gebaut werden kann und prüft und zertifiziert gleichzeitig gesunden Wohnraum.

Tipp 1: Produktgruppen mit hohem VOC-Wert, die relevant für Ausgasungen sind, wie z.B. Wandfarben, Kleb- und Füllstoffe, Dämmstoffe, Bodenbeläge etc., sollen vermieden werden. Entsprechend wird in der Raumluftmessung auf entsprechende Schadstoffe (VOCs, Formaldehyd, etc.)  getestet.

Tipp 2: Möbel, Textilien, Putzmittel können auch problematische Schadstoffe enthalten und nicht zuletzt wird die Raumluft durch Tabakrauch sehr belastet. Daher erfolgt die Messung unmittelbar nach der Gebäudefertigstellung im unmöblierten Innenraum.

Tipp 3: „Bestellen Sie ihren gesunden Innenraum mit Hilfe der Qualitätsmarke „wohngsund“. Sie schafft Transparenz und Sicherheit für die Bewohner und Vorteile für Hersteller solcher Gebäude und Wohnungen am Markt.

Ein weiteres Hilfsmittel ist der „Wegweiser Ökologisch bauen“, mit dem Sie ihren Bedarf und die Anforderungen an Ihren künftigen Wohnraum vollständig und systematisch formulieren können. Er macht Sie als „Besteller“ zum kompetenten Gegenüber für Fachleute und sicher, dass in der Planung nichts Wichtiges vergessen wird. Zusätzlich bietet er auf 43 Themen von A wie Architektenvertrag über Elektrosmog, Holzwerkstoffe, Lehm und Wärmedämmung bis Z wie Zusammenarbeit hilfreiches Wissen.

Erfahren Sie hier mehr über den „Wegweiser Ökologisch bauen“.

 

Firmen- und Produktvorstellung „CLAYTEC – Baustoffe aus Lehm“

Maximilian Breidenbach, GF Claytec Österreich

Maximilian Breidenbach, Claytec Österreich

Das 1984 gegründete Familienunternehmen Claytec bietet eine breite Palette an Lehmbauprodukten an und hat sich dabei auch die Ökologie auf die Fahne geschrieben. Denn wenn schon ausschließlich natürliche Baustoffe angeboten werden, sollen auch Produktion und Transportwege möglichst energie- und ressourcenschonend ablaufen. Zur gleichen Zeit wird innovativ und ambitioniert gearbeitet und Produkte auf höchstem qualitativen Niveau hergestellt.

Tipp 1: Es gibt unterschiedliche Beweggründe, warum Lehm verwendet wird: aus inhaltlichen Gründen, weil Lehm ideal in puncto Wohngesundheit ist; vom technischen Aspekt her, weil beispielsweise in der Fachwerksanierung nur Lehm tatsächlich funktioniert; oder aufgrund der Ästhetik, da Lehm eine sehr große Auswahl an Farben oder Oberflächenvarianten bietet.

Tipp 2: Das Yosima-Farbsystem der Firma Claytec beinhaltet 146 verschiedene Farbtöne und 6 verschiedenen Strukturzuschläge wie Perlmuttkorn oder Stroh ohne sonstige Pigmente oder Farbstoffe zuzusetzen. Allein die natürlichen Farben der Tonmehle aus unterschiedlichen Lehmarten ermöglichen diese Auswahl. Die 146 Farbtöne sind als Lehm-Designputz, Lehmspachtel und Lehmfarbe erhältlich.

Tipp 3: Auch der Do-it-yourself-Kunde kann sich in Lehmwänden versuchen. Falls etwas nachzuarbeiten ist, können allein durch die Zufuhr von Wasser Fehler behoben werden.

Fazit:

Natürliche Baustoffe sind aufgrund der vielen funktionellen Vorteile sowie aufgrund ihrer Ästhetik attraktiv für den Kunden und dank der angenehmen und ungiftigen Verarbeitung auch für ausführende Betriebe.
Ihre Effektivität lässt sich jetzt auch testen und nach dem Standard „wohngsund“ zertifizieren, was für Bauträger und Architekten als Werbung und Vorteil in der Ausschreibung betrachtet werden kann.
Die vielen Bauprodukte und Gestaltungsmöglichkeiten mit Lehm bieten für ökologisch orientierte und gleichzeitig design-affine Bauherren die idealen Möglichkeiten, ihre Wohnträume zu erfüllen.

Stimmen:

„Das wohl gängigste Vorurteil, dass Lehmwände leicht abreiben und typisch lehmfarben sind, wurde eindeutig widerlegt. Nur mit Lehmfarben und -putze können die schönsten Farbschemata erstellt werden und die aktuellsten Farben, wie derzeit Grüntöne, sowie neueste Trends, wie Terrazzo, können „natürlich“ im Interior Design integriert werden.” Sonja Neunhäuserer, Einrichtungsberaterin (Einrichtungsberatung Sonja Neunhäuserer, Wolfurt)

„Es ist wichtig, sich die Wiederverwendbarkeit von natürlichen Baustoffen in Erinnerung zu rufen, da unser Denken oft zu kurzfristig ist und trotz des erschreckenden Ressourcenverbrauchs immer noch so weitergebaut wird!” Harald Müller, Ofenbauer (Müller Ofenbau, Ludesch)

„Heute wurde die Vielfalt aufgezeigt, wie mit ökologischen Baustoffen gearbeitet werden kann und dass sowohl konventionell vertriebene Produkte als auch durch eigenes Handwerk geschaffene Baumaterialien parallel nebeneinander Platz haben.” Kai Längle, Architekt (Architektur Kai Längle, Götzis)

 

 

 

Diese Veranstaltung wird im Zuge von GreenSan durchgeführt. GreenSan ist ein Projekt von Energieinstitut Vorarlberg, Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), Energieagentur Ravensburg, Energieagentur St. Gallen und der baubook gmbh. Es wird gefördert von der Europäischen Union im Rahmen von Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein und der Energieautonomie Vorarlberg.

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Zuletzt aktualisiert am 17. September 2020