Nicht jeder Stromausfall ist ein „Blackout“ – doch was würde passieren, wenn es tatsächlich einmal dazu kommen sollte? Das haben wir uns gefragt und eine Einschätzung von Johannes Türtscher, Geschäftsführer der Vorarlberger Energienetze GmbH, bekommen. Die können Sie hier und in der aktuellen Ausgabe unserer Institutszeitschrift max50 nachlesen.

Auch wenn sie hierzulande sehr selten sind – Unterbrechungen der Stromversorgung kommen weltweit immer wieder vor und gehören zum Alltag dazu. Während beispielsweise Venezuela über das gesamte Jahr immer wieder mit großflächigen und lange anhaltenden Ausfällen der Stromversorgung zu kämpfen hat, waren es in Vorarlberg 2018 durchschnittlich gerade einmal 5,4 Minuten pro Kunde und Jahr, die die Bevölkerung auf elektrische Energie verzichten musste.

Dies stellt sowohl im nationalen wie internationalen Vergleich einen Spitzenwert dar. In der Regel sind die kurzen Unterbrechungen in Vorarlberg lokal begrenzt und auch innerhalb kurzer Zeit wieder vorbei. Anders wäre es vermutlich bei einem großräumigen Stromausfall unter Einbeziehung von Teilen oder des gesamten Netzes von Vorarlberg Netz – die Rede ist von einem Vorfall der internen Kategorie N2, oder im allgemeinen Fachjargon: dem Blackout.

Ein Blackout ist ein Netzausfall

Doch wie kommt es zu einem Blackout? Ein Blackout bedeutet in der Regel keinen Mangel an verfügbarer Energie, sondern den Ausfall des Netzes. Grund dafür könnte z. B. der gleichzeitige Ausfall von wichtigen Leitungen oder anderen Betriebsmitteln sein. Möglich wäre aber auch ein unvorhergesehenes und starkes Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch, welches durch die vorgesehenen automatischen Schutzmechanismen (Frequenzabschaltungen) nicht mehr beherrscht werden kann.

Mögliche Ursachen wären auch technische Gebrechen, Naturkatastrophen, Cyber- oder Terrorangriffe. Durch eine Kettenreaktion kann sich ein lokales Geschehen über die Landesgrenzen hinweg fortsetzen und zu einem Totalausfall des Verbundnetzes führen.

Der volkswirtschaftliche Schaden wäre enorm

Der Schaden für die Volkswirtschaft in einem solchen Szenario wäre gewaltig: Würde der Strom in ganz Österreich an einem Wochentag vormittags und für die Dauer von 24 Stunden ausfallen, läge der bezifferte Schaden Berechnungen der Johannes Kepler Universität zufolge bei rund 1,18 Milliarden EUR. Beim Ausfall von Kommunikation, Mobilität und lebenswichtigen Dienstleistungen, wie der Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser oder Heizenergie, drohen darüber hinaus Katastrophenszenarien, die schlimmstenfalls zum Kollaps der gesamten Gesellschaft führen könnten.

Ein leistungsfähiges Netz ist die beste Vorsorge

Damit es zu solchen Szenarien im eigenen Einflussbereich erst gar nicht kommt, ist Vorarlberg Netz mit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich im Einsatz. Vorarlberg verfügt über eine hervorragend gewartete und leistungsfähige Netzinfrastruktur. Nichtsdestotrotz muss täglich mit großem Einsatz dafür gearbeitet werden, die Netzsicherheit rund um die Uhr zu gewährleisten.

Neuen Anforderungen durch eine immer volatilere Einspeisung (vor allem durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Windkraft) und neue Anwendungen (z. B. E-Mobilität, Speicher, Wärmepumpen) wird mit ständigen Investitionen in den Ausbau und in die Instandhaltung begegnet. Viele weitere Maßnahmen, die dem Bereich der sicheren Netzführung zuzuordnen sind, würden den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Die Hauptschaltleitung der Vorarlberger Energienetze GmbH. Foto: Vorarlberger Energienetze GmbH

Das Nervenzentrum der Vorarlberger Stromversorgung: Die Hauptschaltleitung von Vorarlberg Netz in Bregenz. Bild: Vorarlberger Energienetze GmbH

Bestens auf den Fall der Fälle vorbereitet

Außerhalb des eigenen Einflussbereichs bleibt dem Vorarlberg Netz-Team aber schließlich auch nur die Möglichkeit, sich bestmöglich auf unterschiedliche Bedrohungsszenarien vorzubereiten. Für den Fall, dass ein Blackout tatsächlich eingetreten ist, greift ein umfassendes Netzwiederaufbaukonzept, das sowohl intern, als auch in Kooperation mit den Partnern aus Österreich und Europa regelmäßig trainiert wird. Ziel ist der selbständige Aufbau eines sogenannten Inselnetzes in Vorarlberg in Kooperation mit den Kraftwerken der illwerke vkw.

Speicherkraftwerke als “Starterbatterie”

Bei einem kompletten Stromausfall (Blackout) sind nur bestimmte Kraftwerke in der Lage, die Stromversorgung vollständig autonom wiederherzustellen. Die betreffenden illwerke vkw-Kraftwerke funktionieren gewissermaßen wie eine Starterbatterie im Auto. Dieser Vorgang wird als „Schwarzstart“ bezeichnet. Für einen solchen Schwarzstart eignen sich insbesondere Wasserkraftwerke, wie das kürzlich eröffnete Pumpspeicherkraftwerk Obervermuntwerk II.

Vorgang im Ernstfall

Im Ernstfall erstellen die betroffenen Netzbetreiber in einem ersten Schritt ein Lagebild. Handelt es sich tatsächlich um ein Blackout, stellt man einen sogenannten Ausgangsnetzzustand her und trennt sich von den benachbarten Netzen. Hat die illwerke vkw ihre Kraftwerke aktiviert und die Eigenversorgung hergestellt, werden die Umspannwerke Dornbirn-Werben und Meiningen, ausgehend vom Montafon, mit 220 kV bespannt. Über 220/110-kV-Transformatoren wird dann das 110-kV-Verteilernetz bespannt.

Danach wird Umspannwerk für Umspannwerk eingeschaltet und damit die Stromversorgung flächendeckend wiederhergestellt. Ist die Infrastruktur also intakt, ist Vorarlberg in der komfortablen Situation, als eine der ersten Regionen wieder elektrische Energie zur Verfügung zu haben. Den Netzkunden in Vorarlberg kommt dadurch neben einer sehr hohen Versorgungssicherheit auch eine schnellstmögliche Stromwiederversorgung im Falle eines Blackouts zugute.

Dieser Artikel stammt aus unserer Institutszeitschrift max50. Sie können Sie hier digital nachlesen. Für Freunde taktiler Erlebnisse gibt’s auch ein kostenloses Print-Abo, das Sie formlos per E-Mail an Iris Scheibler bestellen können.