EKART.at und die Dorfläden: Die Kühlung frisst das Geld, und genau dort liegt die Chance

Rund 207.000 Euro geben Vorarlbergs Dorfläden im Jahr für Energie aus, fast neun von zehn Euro davon für Strom. Das zeigt die Energiekostenerhebung 2026 die wir mit unserem kostenlosen Tool EKART.at durchgeführt haben. Vorgestellt wurden die Ergebnisse beim Nahversorger-Treff „Sicher versorgt?!“ des Vereins Dorfleben am 15. Oktober 2026 in Bregenz.

Dorfläden sind mehr als Einkaufsorte. Sie sind Treffpunkt, Versorgung und ein Stück lebendige Gemeinde. Wirtschaftlich stehen viele von ihnen unter Druck. Beim Fachaustausch bei illwerke vkw kamen deshalb Betreiber*innen, Bürgermeister*innen, Vertreter*innen aus Landespolitik sowie Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer und Fachleute zusammen. Gemeinsam suchten sie nach Wegen, die Nahversorgung abzusichern. Ein zentrales Thema waren die Energiekosten.

So wurde erhoben

Für die Erhebung besuchten zwei geschulte Praktikanten 22 Dorfläden. Sie fotografierten alle Kühlgeräte, Typenschilder und Heizungen, insgesamt rund 1.000 Fotos. Die Energiedaten von 23 Läden aus den Jahren 2022 bis 2025 wurden in unserem kostenlosen Tool EKART.at erfasst. Das Energieinstitut Vorarlberg hat sie anschließend ausgewertet, KI-gestützt und fachlich begleitet. Jeder Laden erhielt einen eigenen Steckbrief mit empfohlenen Maßnahmen und Amortisationsrechnung.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Die Kühlung bestimmt die Rechnung. Kühlregale und Truhen laufen 8.760 Stunden im Jahr. Das gilt auch dort, wo der Laden nur 10 bis 30 Stunden pro Woche geöffnet hat. Jede eingesparte Kilowattstunde bringt rund 20 Cent, rund um die Uhr.
  • Die Unterschiede sind groß. Der teuerste Laden zahlt 94 Euro Energiekosten je Quadratmeter und Jahr, mehr als das Doppelte des mittleren Ladens mit rund 44 Euro. Die Ursache liegt fast immer in der Kühltechnik.
  • Offene Kühlmöbel, alte Truhen, veraltete Technik. Mit Glasdeckeln auf Tiefkühltruhen lässt sich der Stromverbrauch um bis zu 50 Prozent senken. Mit Türen an Kühlregalen sind es bis zu 35 Prozent. In mehreren Läden laufen Geräte und Aggregate, die über 25 Jahre alt sind. Teilweise wurden sie noch für das längst verbotene FCKW-Kältemittel R12 gebaut. Fällt so ein Gerät aus, ist die ganze Kühlware in Gefahr.
  • Sparen ohne Investition ist möglich. Drei einfache Schritte bringen über alle Läden 3.000 bis 5.000 Euro im Jahr: alte Eistruhen kostenlos beim Lieferanten tauschen, Werbekühler nachts per Zeitschaltuhr abschalten und leere Geräte außer Betrieb nehmen.

Investieren lohnt sich, mit Förderung deutlich schneller

Insgesamt haben die Steckbriefe Investitionen von rund 180.000 Euro ergeben, ohne Heizungstausch. Das spart den Betrieben jedes Jahr rund 18.000 Euro.

  • Nachrüstungen wie Glasdeckel, Nachtabdeckungen und Türen rechnen sich bereits in rund fünf Jahren.
  • Der dringende Ersatz alter Kühlgeräte amortisiert sich über die Stromersparnis allein kaum. Wegen Alter und Ausfallrisiko ist er aber dringend nötig.

„In den Dorfläden liegt das Geld buchstäblich in der Kühlung. Vieles lässt sich sofort und ohne Kosten verbessern. Für den Ersatz alter Geräte brauchen die Betriebe aber ein Förderung, die geschlossene Kühlmöbel und natürliche Kältemittel voraussetzt. So bleibt die Ersparnis Jahr für Jahr im Laden.“
Andreas Hotz-Peter, Energieinstitut Vorarlberg

Wie es weitergeht

Beim Nahversorger-Treff wurde deutlich: Einsparpotenzial ist da, oft fehlen aber Eigenmittel oder eine Vorfinanzierung. Als nächste Schritte sind vorgesehen:

  • gemeinschaftliche Strombezugsmodelle und zusätzliche Finanzierungswege prüfen
  • die regionalen Auswertungen bis voraussichtlich Ende Jänner 2027 aktualisieren

Diskutiert werden außerdem ein Förderpaket für den Ersatz alter Kältetechnik, eine gemeinsame Sammelaktion „Kälte-Check“ mit Sammelbestellung von Abdeckungen und Deckeln sowie Unterstützung beim Heizungstausch.

Jetzt kostenlos mitmachen

Weitere Dorfläden sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.
Der erste Schritt ist einfach: Energiedaten auf EKART.at erfassen.
Die vollständige Dokumentation des Nahversorger-Treffs gibt es beim Verein Dorfleben auf nahversorgung.org.

Andreas Hotz-Peter MSc

Unternehmen
T +43 5572 31 202 - 14
veröffentlicht 03.11.2026