E-Autos als Stromspeicher – ein enormes Potential
E-Fahrzeuge als Stromspeicher zu nutzen, davon ist schon seit dem Aufschwung der Elektromobilität vor 15 Jahren die Rede. Wesentliche Schritte zur Verwirklichung wurden bereits gesetzt. Dennoch bleiben einige Hürden.
Bidirektionales Laden bedeutet, dass ein Stromspeicher Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben kann. Bei stationären Stromspeichern im Haus ist das gängige Praxis. Bei mobilen Batterien wie in E-Fahrzeugen steckt diese Funktion noch in den Kinderschuhen. Gleichzeitig birgt sie jedoch enormes Potential für ein zukunftsfittes Stromnetz.
Enorme Speicherkapazität
Hat ein Heimspeicher im Normallfall eine Kapazität von 10 bis 20 kWh, verfügen moderne Elektroautos über Speicher von 40 bis zu 100 kWh. Stand Anfang 2026 sind knapp 270.000 E-Fahrzeuge (Quelle: BEÖ, Februar 2026) in Österreich unterwegs, was eine rechnerische Gesamtkapazität von 15 GWh ergibt. Das entspricht 8 bis 10 Prozent des täglichen Strombedarfs in Österreich (Quelle: APG Powermonitor). Um dieses Potential zu nutzen, gibt es drei wesentliche Formen von bidirektionalem Laden bei E-Autos.
V2L – „Vehicle-to-load“
beschreibt die Bereitstellung einer Steckdose im Fahrzeug, mit der auf die Energie des Akkus zugegriffen werden kann. Insbesondere asiatische Hersteller haben diese Möglichkeit schon serienmäßig eingebaut.
V2H – „Vehicle-to-home“
beschreibt die Nutzung des im Auto zwischengespeicherten Batteriestroms im eigenen Haus. Da bei dieser Funktion eine Verbindung zum Stromnetz im Haus bestehen muss, braucht es eine auf das Fahrzeug abgestimmte Wallbox (Ladestation). Rechtlich bestehen dafür noch keine expliziten Grundlagen. Sprich: Die Nutzung des Batteriestroms ist nicht verboten, aber auch nicht im Detail geregelt. Der größte Vorteil entsteht durch V2H, wenn überschüssiger PV-Strom untertags im Fahrzeug gespeichert und in der Nacht im Haus genutzt werden kann.
V2G – „Vehicle to grid“
ist die „Königsdisziplin“ des bidirektionalen Ladens – eine Idee, die noch am Beginn der Entwicklung steht. Hierbei soll künftig der im E-Auto gespeicherte Strom auch ins Stromnetz eingespeist werden. Vorteile: → Netzschwankungen können damit dezentral ausgeglichen werden. → Auto-Akkus können durch die Teilnahme am Energiemarkt lukrativ be- und entladen werden.
Bi-direktionales Laden in der Praxis
Autokonzerne in ganz Europa testen aktuell das Zusammenspiel mit Netzbetreibern und Ladeanbietern. Als Vorreiter gelten hier Dänemark, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien, die mittlerweile rechtliche Rahmenbedingungen und groß angelegte Modellversuche vorweisen. Die Crux dabei: Jedes Praxisprojekt funktioniert organisatorisch und technisch etwas anders – europaweite Standards fehlen.
In Österreich fehlt eine rechtliche Rahmenbedingung für flächendeckende V2G-Anwendungen. Im Oktober 2025 fasste der Nationalrat daher einen Beschluss, der die Bundesregierung ersucht, den rechtlichen Rahmen zu schaffen, um E-Autobatterien als Stromspeicher nutzbar zu machen. Bis zur Umsetzung entsprechender Gesetze hierzulande wird es wohl noch etwas dauern.
Es passiert schon was
Doch auch im DACH-Raum tut sich was: In Deutschland haben Ford und BMW Anfang dieses Jahres ihre ersten Pilotanwendungen mit Privatkunden gestartet. Auch Mercedes möchte 2026 nachziehen. Im österreichischen Mautern (NÖ) gibt es seit März 2026 den ersten Feldversuch von NÖ Netz, EVN und Post AG. Fünf Fahrzeuge werden hier netzdienlich be- und entladen.
"Im Zusammenspiel von Fahrzeug, Wallbox und dem Energiemanagement erhoffen wir uns wertvolle Erfahrungen vom eigenen Feldversuch."
Philipp Österle, vkw vlotte
In Vorarlberg möchten die illwerke vkw und deren Tochter vlotte vkw noch heuer eine Pilotphase am eigenen Betriebsstandort starten. „Bi-direktionales Laden wird in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil der Elektromobilität sein. Es gibt aktuell noch rechtliche Hürden und auch technische Herausforderungen. Bei der Abstimmung, insbesondere im Zusammenspiel der Komponenten – Fahrzeug, DC-Wallbox und dem Energiemanagement, erhoffen wir uns wertvolle Erfahrungen vom eigenen Feldversuch“, meint Philipp Österle von vkw vlotte.
Jetzt umsteigen!
Auch ohne bidirektionales Laden sind E-Fahrzeuge über die Lebensdauer gerechnet wesentlich günstiger als Verbrenner. Gleichzeitig unterstützt es die lokale Wertschöpfung im Energiesektor und bestärkt sowohl ökologisch als auch ökonomisch jeden, der jetzt schon auf ein E-Auto umsteigt.
Mit einem technisch reibungslosen Zusammenspiel von Fahrzeug, Wallbox und Strommarkt können bidirektionale Lösungen auch in Österreich in naher Zukunft zu einem wichtigen Faktor für günstige Mobilität werden und gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zur Netzstabilität liefern.
V2G-in Frankreich und Deutschland
Seit 2024 kann der Renault R5 (ausschließlich) in Frankreich mit einer „Vehicle-to-grid“ Ladelösung (V2G) ergänzt werden. Pro angesteckter Stunde erhält die Besitzerin/der Besitzer 11 Cent als Bereitstellungspauschale – aufs Jahr gerechnet ergibt das rund 700,– Euro!
Auch in Deutschland haben BMW und Volkswagen erste Versuche gestartet, Mercedes steht in den Startlöchern. Mehr dazu lesen Sie hier.