e5-Netzwerktreffen 2026 in Altach

Die Planung eines dezentralen Energiesystems, ein nachhaltig gebautes Kinderhaus mit hohen KGA-Punkten oder die erneuerte Strategie der Vorarlberger Energieautonomie+ und vieles mehr - beim 1. Netzwerktreffen des Jahres 2026 im KOM Altach gab es wieder spannende Vorträge, Neues aus dem e5-Programm sowie viel Inspiration und regen Austausch der e5-Gemeinden.

Energieinstitut Vorarlberg

Markus Giesinger, Bürgermeister von Altach, präsentierte als Auftakt des Netzwerktreffens aktuelle Vorzeigeprojekte der Gemeinde.

Aktuelle Highlights sind:

  • das neue errichtete Kinderhaus Kreuzfeld mit 971 KGA-Punkten
  • und ein massiver Ausbau der PV-Erzeugungskapazitäten: fünf neue PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von fast 450 kWp hat die Gemeinde seit 2023 auf kommunale Dächer gebracht. Folgerichtig trat Altach der EEG „Am Kumma“ bei, in der sie den selbst erzeugten Strom handelt.

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Gregor Sellner, e5-Programmleitung, informierte über Aktuelles aus dem e5-Programm sowie Unterstützungsangebote und Fördermöglichkeiten für e5-Gemeinden

e5-Themenforum zum Thema Finanzierung

  • Beim e5-Themenforum "Haushalt mit Zukunft - Klimaschutz im Gemeindebudget" am 26.2. wurden Möglichkeiten vorgestellt, wie Gemeinden trotz knapper Budgets wirksame Maßnahmen finanzieren können. Das Fazit: Kommunale Maßnahmen können Budgetkonsolidierung und Projektfinanzierung unterstützen, ersetzen aber keine strukturellen Reformen der Finanzierungsrahmen.

Alle Vorträge des e5-Themenforums können Sie hier als mp4-File anschauen:

Alexandra Schantl, KDZ: Investitionsbedarf und Finanzierung österreichischer Gemeinden
Martin Reis, GF Energieinstitut: Parkraummanagement als Finanzierungs- und Lenkungsbeitrag
Gerd Hölzl, Bürgermeister Koblach: Geschwindigkeitskontrollen in kommunaler Verantwortung
Sabine Erber, Energieinstitut: Nachhaltig Bauen mit knappem Budget
Cordula Kreidl, Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg: Klimacent – das Extra Budget für Klimaprojekte

  • Ein Beispiel aus dem Themenforum zum Thema kosteneffizientes Bauen zeigt: Laut einer Auswertung von 17 realen kommunalen Gebäuden in Vorarlberg sind energetische und ökologische Standards nicht der entscheidende Kostentreiber beim Bauen. Viel wichtiger sind Faktoren wie kompakte Bauweise, Low-Tech-Ansätze, klare Kostenbegrenzung und konsequente Kostenkontrolle. Das Beispiel macht deutlich: Kosteneffizientes und qualitätsvolles Bauen schließen einander nicht aus.

Hier geht's zum Vortrag von Sabine Erber, e5-Themenforum Klimaschutz im Gemeindebudget: Nachhaltig Bauen mit knappem Budget

Unterstützungsangebote und Fördermöglichkeiten

  • Es wurde eine Handreichung zu Klimaschutzmaßnahmen trotz knapper oder fehlender Budgetmittel erarbeitet.
  • Das Dienstleistungsangebot wurde erweitert, etwa um Energiezählerscreening und Energie- und Klimaroadmaps.
  • „Mission Klimaneutrale Stadt“ soll 2026 nochmals aufgelegt werden, bei Interesse unterstützt das EIV gern die Antragsstellung.

Alle Angebote finden sich hier auf der Website

Wärmeatlas 2026

  • Der Wärmeatlas wird derzeit grundlegend aktualisiert, da der bisherige Datenstand aus 2022 bereits veraltet war. 76 Gemeinden beteiligen sich an der Überarbeitung; bis Jahresende sollen die neuen Layer wieder verfügbar sein. Darauf aufbauend können weitere Schritte wie Nahwärmedialoge gezielt umgesetzt werden.

Weiterentwicklung des e5-Programms

  • Nach der Umstellung des Bewertungskatalogs liegt das neue Bewertungsniveau im Schnitt rund 8 Prozent unter dem alten; die Neunivellierung funktioniert damit wie vorgesehen.
  • Wolfurt und Mäder bleiben weiterhin 5e-Gemeinden, während andere Gemeinden durch die Neubewertung im Status zurückgestuft wurden.
  • Die Neuausrichtung der e5-Prozesse läuft erfolgreich weiter, e5-Kernteams werden etabliert und Jahresprogramme definiert.

Hier geht's zur Präsentation von Gregor Sellner

Thomas Schierle, Bürgermeister der e5-Gemeinde Schwarzach, informierte über die Planung eines dezentralen kommunalen Energiesystems unter Einbindung eines externen Investors.

  • Das Projekt soll die Stromkosten der Gemeinde bis 2055 um rund 2,7 Millionen Euro senken und gleichzeitig die Abhängigkeit von Öl und Gas weiter reduzieren. Es beinhaltet den Bau von sechs neuen PV-Anlagen, drei davon mit Speicher (auch zur Blackout-Vorsorge), inklusive der Gründung zweier Energiegemeinschaften und E-Ladeinfrastruktur. Planung und Finanzierung hat der Investor vollständig übernommen, für die Gemeinde enstehen keine Kosten. Investitionen und Betrieb wurden klar getrennt: Die Gemeinde least die Anlagen und der Betreiber räumt der Gemeinde eine Ertragsgarantie ein und kümmert sich um die Wartung und Reparatur von Komponenten für die kommenden 15 Jahre.
  • Trotz eines Insolvenzverfahrens des ursprünglich beauftragten Betreibers fällt Schierles Fazit positiv aus: „Wir würden es wieder tun!“. Die Zusammenarbeit mit dem Konzeptersteller und Projektbegleiter, dem Unternehmen Kommunalvertrieb Hannes Pirker, habe sich bewährt. Mit der Inbetriebnahme ist im Mai 2026 zu rechnen.

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Dieter Bischof, Experte für erneuerbare Energiesysteme im Energieinstitut, zeigte auf, welche Möglichkeiten das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) für die gemeinsame Energienutzung bietet. 

  • Neu eingeführt wurden im ElWG insbesondere Eigenversorgungsanlagen und Peer-to-Peer-Verträge. Peer-to-Peer-Verträge ermöglichen den gemeinschaftlichen Stromaustausch zwischen zwei oder mehr Vertragspartnern. Eine Rechtsform (wie ein Verein) ist dafür nicht mehr erforderlich. Die Abrechnung kann direkt zwischen den Vertragspartnern oder durch einen Dienstleister abgewickelt werden. Auch große Unternehmen können in Peer-to-Peer-Verträge eingebunden werden. Netzentgelte entfallen oder sind reduziert, je nach Nahebereich.
  • Eigenversorgungsanlagen bieten die Möglichkeit, Strom aus eigenen Anlagen über mehrere Standorte zu nutzen, solange alle Zählpunkte derselben Organisation zugeordnet sind. Das öffentliche Netz darf zur Durchleitung verwendet werden, Netzentgelte entfallen oder sind reduziert, je nach Nahbereich. Auch eine Rechtsform ist nicht erforderlich. Hier eröffnet sich für Gemeinden die Chance, relativ unkompliziert den Eigenverbrauch zu maximieren.
  • Für die Einbindung von Bürger*innen und Unternehmen bleibt die klassische Energiegemeinschaft ein Modell, um überschüssigen Strom lokal zu verteilen und gleichzeitig von reduzierten Netzentgelten zu profitieren. Künftig ist vorgesehen, dass bei Beteiligung von Gemeinden an einer EEG ein Anteil von 10 % des innerhalb der EEG gehandelten Stroms schutzbedürftigen Haushalten zugutekommt, denen aber keine Sonderkonditionen gewährt werden müssen. Die neuen Modelle und Prozesse sollen spätestens ab April 2027 flächendeckend nutzbar sein. 


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Andreas Bertel, Regionen-Manager im Energieinstitut, präsentierte zwei attraktive, buchbare Aktionsangebote für Regionen und e5-Gemeinden: 

  • Die „Einfach Dämmen“ Kampagne, ein buchbares Angebot für Gemeinden, die Privathaushalte zu einfachen Effizienzmaßnahmen motivieren wollen.
  • Eine Stromspeicher-Nachrüstaktion, die im Herbst in einer Pilotregion startet und ab 2027 breit ausgerollt werden soll. 

Interessierte Gemeinden können sich hier über die Angebote informieren und auch gleich anmelden.

Christian Vögel vom Amt der Landesregierung hat über die Aktualisierung der Strategie Energieautonomie+ berichtet: 

Aktueller Stand und Erfolge der Energieautonomie+:

  • Gebäude verursachen in Vorarlberg nur noch halb so viel Treibhausgase wie im Jahr 2005-
  • Im Neubau liegt der Anteil der klimafreundlichen Heizsysteme bei nahezu 100 Prozent.
  • Die PV-Ziele wurden schon 2024 erreicht.
  • 50 % der Wege legen Vorarlberger*innen mit Bus, Fuß und Rad zurück.
  • Die Prognosen für den Stromverbrauch müssen etwas nach oben korrigiert werden, dafür sinken die Gasverbräuche stärker als 2021 angenommen.
  • Erstmals gibt es auch ein Ziel für Windkraft: Bis 2030 wird ein Mindestanteil von 60 GWh angestrebt.
  • Der Bau der Wasserkraftwerke Lochau, Kapf und Meng wurde zurückgestellt.
  • Der PV-Ausbau soll mit einem Zubau von 35-60 GWh pro Jahr beschleunigt werden.
  • Als neues Handlungsfeld wurde die Stromspeicherung aufgenommen. Hier soll es unter anderem Anreize zur zeitlichen Verschiebung der Stromnachfrage und der Reduktion der Einspeise-Spitzen geben.
  • Die Wärmebereitstellung aus erneuerbarer Nahwärme und Abwärme soll bis 2030 noch einmal verdoppelt werden.
  • Im Bereich der öffentlichen Gebäude wurde die Umsetzung der EED-III Richtlinie in der Strategie, zudem müssen ab 2027 auf allen neuen öffentlichen Gebäuden > 250m² Anlagen zur solaren Nutzung errichtet werden.


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Dipl. Forstwirtin Antje Wagner

Gemeinden und Regionen
T +43 5572 31 202 - 24
veröffentlicht 02.04.2026 , zuletzt geändert 08.04.2026