Nachhaltig ist, wer dran bleibt.
Wie das Österreichische Umweltzeichen Tourismus-, Gastronomie- und Kulturbetrieben hilft, Nachhaltigkeit Schritt für Schritt im Betriebsalltag zu verankern.
Wer sich auf den Weg zum Umweltzeichen macht, schaut genauer hin. Auf Energie- und Wasserverbrauch ebenso wie auf Lebensmittel, Abfall, Reinigung, Mobilität oder Beschaffung. Auch Bauen, Ausstattung, Biodiversität und soziale Aspekte spielen eine Rolle.
Einmal durch den ganzen Betrieb
Das klingt zunächst nach einer langen Liste. In der Praxis zeigt sich aber häufig: Vieles ist schon da.
So auch im Hotel Krone in Au im Bregenzerwald. Das Haus gehörte bereits vor rund 30 Jahren zu den Pionieren des Österreichischen Umweltzeichens. Nach einer längeren Pause hat sich das Geschwisterpaar Albert und Theresa Lingg (beide Geschäftsführung) nun wieder bewusst für die Zertifizierung entschieden.
Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig und wir wollen nicht nur darüber schreiben, sondern sie wirklich leben.
Theresa Lingg, Geschäftsführerin Krone Au
Und das zeigt sich an vielen Stellen. Bei Sanierung und Umbau setzte die Krone konsequent auf heimische Betriebe, regionales Holz und Naturmaterialien. Beheizt wird das Haus schon lange über das Biomasse-Heizwerk in Au, das Vater Walter Lingg einst mitbegründet hat. 60 Prozent des dafür benötigten Holzes stammen direkt aus dem Dorf, der Rest aus Vorarlberg.
Nicht perfekt. Aber immer ein Stück weiter.
Genau darum geht es beim Umweltzeichen. Ein Betrieb muss nicht in allen Bereichen Vorreiter sein. Die Umweltzeichen-Richtlinie gibt vielmehr einen Rahmen vor, um Bestehendes sichtbar zu machen, Potenziale zu erkennen und konkrete nächste Schritte zu setzen.
Neben verpflichtenden Kriterien gibt es eine Vielzahl an wählbaren Maßnahmen. Welche davon sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Betrieb ab. Ein kleines Gasthaus bringt schließlich andere Voraussetzungen mit als ein Wellnesshotel, ein Cateringunternehmen oder ein Museum.
Das macht das Umweltzeichen weniger zu einer Prüfung, die es einmal zu bestehen gilt, als zu einem Werkzeug für die eigene Betriebsentwicklung.
Das Umweltzeichen ist für uns ein Prozess, um immer aktiv am Thema dranzubleiben.
Albert Lingg, Geschäftsführer Krone Au
Dieses Dranbleiben kann auch bedeuten, über den eigenen Betrieb hinauszudenken. Bei den Lebensmitteln arbeitet die Krone eng mit landwirtschaftlichen Betrieben aus dem Bregenzerwald zusammen. Dabei geht es nicht nur um regionalen Einkauf. Gemeinsam wird auch überlegt, wo Veränderungen möglich sind und wie regionale Kreisläufe weiter gestärkt werden können.
Wenn Nachhaltigkeit lebendig wird
Manche Ergebnisse lassen sich in Kilowattstunden oder eingespartem Abfall messen. Andere zeigen sich auf unerwartete Weise.
Der Naturbadeteich der Krone etwa ist längst zu einem kleinen Biotop geworden. Bergmolche, Kröten, unterschiedliche Libellenarten, Fledermäuse und zahlreiche Vögel haben dort einen Lebensraum gefunden. Beim jüngsten Umbau ging die Familie noch einen Schritt weiter und integrierte Nistkästen direkt in die Balkone der neuen Zimmer.
In Zimmer 608 ist heuer tatsächlich ein Kohlmeisenpaar eingezogen.
Es sind solche Beispiele, die zeigen, wie breit Nachhaltigkeit gedacht werden kann. Genau diesen Blick möchte auch das Umweltzeichen fördern.
Mehr als ein Zeichen an der Tür
Natürlich macht eine Zertifizierung das Engagement auch nach außen sichtbar. Gäste erkennen, dass hinter den Aussagen eines Betriebs überprüfbare Kriterien stehen. Gerade in Zeiten, in denen Begriffe wie „grün“, „regional“ oder „nachhaltig“ beinahe selbstverständlich verwendet werden, gewinnt diese unabhängige Orientierung an Bedeutung. Bedenke: Durch die EmpCo Richtlinie der EU (EmpCo Empowering Consumers) dürfen sowieso nur noch "belegbare" Nachhaltigkeisversprechen an Kunden gegeben werden.
Der eigentliche Wert des Umweltzeichens entsteht aber oft schon vorher: beim Blick auf den eigenen Energieverbrauch, im Gespräch mit Lieferant, bei der Planung des nächsten Umbaus oder bei der Frage, wie Gäste möglichst umweltfreundlich anreisen können.
Nachhaltigkeit wird damit vom guten Vorsatz zum kontinuierlichen Prozess.
Vielleicht lautet die entscheidende Frage für einen Betrieb deshalb gar nicht: Sind wir schon nachhaltig genug für das Umweltzeichen? Sondern vielmehr: Was könnte das Umweltzeichen bei uns noch in Bewegung bringen?
Das Umweltzeichen schafft einen Rahmen, um Nachhaltigkeit langfristig zu verankern und ins Tun zu kommen. Die Krone in Au zeigt sehr schön, wie daraus ein lebendiger Prozess entsteht, der positive Veränderungen anstößt, den Betrieb zukunftsfähig weiterentwickelt und dabei auch Freude bereitet.
Julia Weger, Begleiterin für das Österreichische Umweltzeichen
Factbox Österreichisches Umweltzeichen
- Seit 30 Jahren begleitet das Österreichische Umweltzeichen Tourismusbetriebe auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.
- Die Richtlinie UZ 200 des Österreichischen Umweltzeichen umfasst unter anderem:
regionale Lebensmittel, erneuerbare Energie, Abfallvermeidung und einen bewussten Ressourceneinsatz.
Sie hilft, Nachhaltigkeit systematisch zu verankern und glaubwürdig sichtbar zu machen.- Gültig für: Hotels, Gastronomie, Catering, Veranstaltungsbetriebe, Museen, Ausstellungshäuser, Theater und Kinos.
- Mehr Infos und Anmeldung zur geförderten Beratung zum Österreichischen Umweltzeichen
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Julia Weger, Wegweiser - Büro für nachhaltige Ideen.

