Aktuelle Entwicklungen am Strommarkt

Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Entwicklungen rund um Stromverbrauch, Stromproduktion und Tarife.

Beim e5-Themenforum "Photovoltaik und Lastmanagement" informierte Dieter Bischof von der Fachabteilung Energieberatung und Gebäudetechnik am Energiestitut Vorarlberg über die aktuellen Entwicklungen am Strommarkt. Nur 75 Prozent des österreichischen Strom sei erneuerbar, daher gibt es beim weiteren Ausbau von Photovoltaik und Windkraft noch genügend Potential. Aufgrund der fehlenden Speicherkapazitäten gibt es immer wieder eine Überproduktion von PV-Strom - und zwar in den Mittagsstunden der Sommermonate.

Stromproduktion und -verbrauch können durch folgenden Maßnahmen angeglichen werden:

  1. Kappung der Einspeiseleistung bei PV-Anlagen (Spitzenkappung nach ElWG §101)

    Bis 2028 betrifft das nur Anlagen > 100 kWp. Aktuell gibt es eine statische Begrenzung von Bezug und Einspeisung, d.h. die maximale Einspeise- oder Bezugsleistung wird fix begrenzt. Zukünftig wird die Einspeisebegrenzung dynamisch: Die PV-Anlage wird dann abhängig von der jeweiligen Netzbelastung abgeregelt. Ist das Netz frei, kann sie mehr einspeisen; bei hoher Auslastung wird die Einspeisung vorübergehend reduziert.

    In Zukunft werden neue PV-Anlagen ab 7 kW netzwirksamer Leistung auf den Netzebenen 5 bis 7 gekappt. Bestandsanlagen sind davon nicht betroffen. Für Anlagen über 25 kW ist ab 1. Juni 2028, für Anlagen über 3,68 bis 25 kW ab 1. Juni 2029 eine technische Ansteuerbarkeit erforderlich. 

    Die Spitzenkappung verursacht gemeinhin nur geringe Ertragseinbußen von wenigen Prozent der Energieproduktion.

  2. Leistungspreis ab 2027

    Künftig zahlen Stromkunden nicht nur die verbrauchten Kilowattstunden, sondern auch die höchste gleichzeitig bezogene Leistung innerhalb eines Zeitintervalls. Hohe kurze Lastspitzen verursachen dann zusätzliche Kosten. Für Einspeiser ab 20 kW wird ab 2027 noch ein „Versorgungsinfrastrukturbeitrag“ von 0,05 ct/kWh fällig. 

  3. Angepasste Netzentgelte / Sommer-Nieder-Arbeits-Preis (SNAP)

    Im Sommer sind die Netzentgelte jetzt täglich von 10 bis 16 Uhr um 2,4 ct/kWh brutto günstiger, weil in dieser Zeit oft viel PV-Strom verfügbar ist. Damit soll Stromverbrauch gezielt in die Mittagsstunden verlagert werden.

  4. Dynamische Bezugs- und Einspeisetarife

    Dynamische Preise passen sich der Markt- und Netzsituation an. Gibt es viel Strom im Netz, ist der Bezug günstiger, bei Knappheit teurer. Auch die Vergütung für eingespeisten Strom schwankt entsprechend. 

Fazit:

  • niedrige Strompreise treten zunehmend tagsüber auf - besonders im Sommer
  • für Neuanlagen gibt es keine fixen Einspeisetarife mehr
  • Speicher und Lastmanagement werden wirtschaftlich attraktiv
veröffentlicht 07.07.2026 , zuletzt geändert 10.07.2026