Lastmanagement in der Energiegemeinschaft Wälderstrom – Nutzung von PV-Überschussstrom durch Trinkwasser-Pumpwerke
Die Wassergenossenschaften Sulzberg-Kirchdorf und Hinterberg-Schönenbühl betreiben ihre Trinkwasser-Pumpwerke gezielt mit regionalem PV-Überschussstrom.
Johannes Steurer von der Wassergenossenschaft Sulzberg-Kirchdorf informiert beim e5-Themenforum "Photovoltaik und Lastmanagement", wie die Wassergenossenschaften Sulzberg-Kirchdorf und Hinterberg-Schönenbühl ihre Trinkwasser-Pumpwerke mit regionalem PV-Überschussstrom betreiben.
Ausgangspunkt ist ein Wasserversorgungssystem mit drei Pumpstufen, rund 530 Metern Förderhöhe und etwa 100 kW installierter Pumpleistung. Früher liefen die Pumpen überwiegend mit Nachtstrom – der Solarstrom aus der Energiegemeinschaft konnte damit kaum genutzt werden.
Heute erhält die Pumpensteuerung über eine API laufend die aktuelle Überschussleistung der EEG Vorderwald. Sobald ausreichend „Wälderstrom“ vorhanden ist, starten die Pumpen automatisch. Zusätzlich wird eine Wetterprognose genutzt: Bei hoher Wahrscheinlichkeit für einen sonnigen Folgetag wird der Hochbehälter nachts stärker abgesenkt. Dadurch entsteht tagsüber Speicherplatz für zusätzliches Wasser, das mit günstigem PV-Strom hochgepumpt werden kann.
Hochbehälter als Energiespeicher
Der Hochbehälter übernimmt dabei die Funktion eines Energiespeichers. Von insgesamt 400 m³ Volumen stehen nach Abzug der Löschwasserreserve etwa 200 m³ flexibel zur Verfügung. Mit rund drei kWh Pumpenergie pro Kubikmeter entspricht dies ungefähr 600 kWh speicherbarer Pumpenergie – ohne Investition in einen klassischen Batteriespeicher.
Das Ergebnis: Der Anteil von EEG- bzw. PV-Strom am Pumpstrom stieg saisonal von 14 auf über 60 Prozent. An sonnigen Tagen wurde nahezu ausschließlich regionaler PV-Strom genutzt. Ein Beispiel: am 14. Juni kamen sogar 97 Prozent des Pumpstroms aus der Energiegemeinschaft. An trüben Tagen sinkt der Anteil automatisch, ohne dass manuell eingegriffen werden muss.
Wirtschaftliches Modell
Auch wirtschaftlich ist das Modell relevant: Im letzten Jahr wurden 33.513 kWh EEG-Strom zu durchschnittlich 10,8 Cent/kWh bezogen. Gegenüber Netzstrom ergab sich eine Ersparnis von rund 3 Cent/kWh beziehungsweise etwa 1.005 Euro. Allerdings reduziert sich auch der Strompreis beim Netzbezug durch die flexiblen Tarife und günstigerem Tagstrom.
Das Projekt verbindet Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und Netzentlastung: Lokale PV-Überschüsse werden vor Ort genutzt, die Pumpwerke werden zu flexiblen Verbrauchern und die Wasserspeicher ersetzen teilweise teure Stromspeicher. Das Prinzip ist auf andere Gemeinden mit Pumpwerken und Energiegemeinschaften übertragbar.