Strom trifft Wärme: innovative Wege zur Dekarbonisierung im Gebäudebestand
Beim diesjährigen Fachforum Strom & Wärme II standen praxisnahe Lösungen im Mittelpunkt, die zeigen, wie Strom und Wärme künftig noch besser zusammenspielen können.

Vom COP zur JAZ – Wärmepumpen als Schlüssel im Grünstromnetz
Arne Komposch zeigte, wie Wärmepumpen zu aktiven Partnern im Stromnetz werden können. Durch den netzgeführten Betrieb reagieren sie auf das aktuelle Stromangebot – etwa indem sie in Zeiten mit viel Grünstrom automatisch mehr Wärme erzeugen und in Bauteilen oder Erdsonden zwischenspeichern. So lassen sich Kosten senken und Lastspitzen vermeiden. „Nachtanhebung ist die neue Nachtabsenkung“, brachte Komposch die neue Logik auf den Punkt. Ein Partner in unserem Netzwerk "Partnerbetrieb Traumhaus Althaus" unterstützt übrigens bei entsprechenden Projektideen im Ländle.

Handwerk im Wandel: Wärmepumpeneinbau effizienter gestalten
Das Forschungsprojekt WESPE untersucht, wie sich der Einbau von Wärmepumpen im Einfamilienhaus deutlich schneller und produktiver gestalten lässt. Tests mit Handwerksbetrieben zeigen: Optimierte Abläufe und digitale Prozesse können Einbauzeiten halbieren und Fachkräfte entlasten.
Erdwärme neu gedacht: Kombination aus Sonde und Luftwärmetauscher
Christoph Meier (ost.ch) präsentierte ein Pilotprojekt, bei dem Erdwärmesonden und Luftwärmetauscher kombiniert werden, um Bestandsgebäude effizient zu beheizen. Während bei mildem Wetter nur die Luftquelle arbeitet, schaltet sich bei Kälte automatisch die Erdsonde zu – das verbessert die Arbeitszahl (JAZ) und schont die Quelle. Erste Messungen zeigen eine um rund 3 Kelvin höhere Quellentemperatur im kombinierten Betrieb.

Speicher als Rückgrat der Energiewende
Emre Genctuerk zeigte, warum Batteriespeicher ein zentrales Element der zukünftigen Stromversorgung sind. Sie ermöglichen, Energie zeitlich flexibel zu nutzen, Netze zu entlasten und erneuerbare Erzeugung besser einzubinden. Besonders in Gewerbebetrieben können Speicher nicht nur Versorgungssicherheit schaffen, sondern auch Kosten senken, etwa durch gezielte Lastspitzenkappung.

Wenn die Wärmepumpe Geräusche macht – was Lärm mit uns macht
Der Umweltpsychologe Dirk Schreckenberg (ZEUS GmbH) stellte im Auftrag des Umweltbundesamts eine Studie vor, die untersucht, wie Menschen auf Geräusche von Luftwärmepumpen reagieren – im Alltag wie im Schlaf. Die Auswertung zeigt: Physiologische Werte bleiben unbeeinträchtigt, auch wenn bei offenem Fenster kurze Aufwachreaktionen häufiger auftreten. Insgesamt blieben Schlafqualität und Wohlbefinden stabil. „Luftwärmepumpen sind im Alltag kaum problematisch – entscheidend ist die Geräuschcharakteristik und Aufstellung“, so Schreckenberg.

Sanieren mit Wirkung: Wissen, Motivation und Förderung
Carolin Friedemann von der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) präsentierte aktuelle Umfrageergebnisse zur energetischen Gebäudesanierung. Viele Eigentümer:innen unterschätzen noch immer das Einsparpotenzial ihrer Gebäude. Zugleich wird Sanierung heute deutlich positiver bewertet als noch vor zwei Jahren, vor allem, wenn sie einfach, förderfähig und planbar ist. „Sanieren muss einfach und verlässlich sei, dann machen mehr Menschen mit“, so Friedemann.

Energiesystem mit Speicher – wie Flexibilität gelingt
Max Labmayr von d-fine Austria stellte eine Studie der Austrian Power Grid vor, die den wachsenden Flexibilitäts- und Speicherbedarf in Österreich analysiert. Der Bedarf steigt bis 2040 auf rund 8,7 GW. Um diese Flexibilität zu ermöglichen, braucht es Koordination, Sektorkopplung und Netzausbau, um Energie zeitlich zu verschieben und Engpässe zu vermeiden. „Technologie und Wissen sind Schlüssel zur breiten Speichernutzung“, betonte Labmayr.

Das nächste Fachforum Strom & Wärme findet am 7. Mai 2026 statt. Details dazu finden Sie in unserem Veranstaltungskalender. Oder abonnieren Sie unseren Newsletter am Ende dieser Seite.