Über Windkraft diskutieren

In einem VN-Leserbrief wurde die ganze Palette an Argumenten gegen die Windkraft gesammelt abgebildet. Ohne dem Autor die Haltung absprechen zu wollen, war es uns dennoch wichtig, ein paar der genannten Argumente in einen Kontext zu setzen.

Leserbrief in den Vorarlberger Nachrichten vom 5. November 2025

Diese Antwort haben wir an die VN geschickt, sie wurde am 17. 11. 2025 abgedruckt:

Ohne dem Autor seine Haltung zur Windkraft abzusprechen, möchten wir genannte Aspekte in ein Verhältnis setzen und zur faktenbasierten Diskussion beitragen:

  • In Vorarlberg könnte man bereits an 2 – 3 Standorten 5 % des Strombedarfs erzeugen - vor allem dann, wenn PV und Wasserkraft weniger Ertrag bringen. Ein Windrad versiegelt rund 500 m² Fläche. Das ist weniger, als in Vorarlberg täglich verbaut wird (ca. 600 m²).
  • Naturschutzorganisationen gehen davon aus, dass die Windkraft in Deutschland 0,05 % der getöteten Vögel verantwortet. 98% hingegen Fensterscheiben und Hauskatzen. In sensiblen Gebieten könnten zudem zeitweise betriebliche Einschränkungen verordnet werden.
  • Windräder erzeugen Mikroplastik, allerdings sehr wenig: In Deutschland fällt jährlich 50-mal mehr Plastikabrieb von Schuhsohlen an als von den 28.000 Windrädern. Und ein Windkraftwerk erzeugt in drei Monaten so viel Strom, wie Energie für Herstellung und Rückbau benötigt wird.

Was bleibt: Die Windkraft ist einer der günstigen Wege, Strom zu erzeugen. Und, wenngleich deutlich sichtbar, fürs Umfeld vergleichsweise beeinträchtigungsarm. In Vorarlberg kann sie nach Wasserkraft und PV rasch zur wichtigsten Stromquelle werden. Aber nicht überall ist sie willkommen. So sollen Diskussionen über Standorte geführt werden, offen und entlang anerkannter Fakten und berechtigter Interessen; Einwände nicht negiert, reale Auswirkungen aber auch nicht isoliert betrachtet und dramatisiert werden.

Wir erarbeiten derzeit einen neutralen Überblick zum Thema, sind für Fragen und Wissensbeiträge dankbar und jederzeit für ein offenes Gespräch zu haben.

Martin Reis,
Geschäftsführer des Energieinstitut Vorarlberg

veröffentlicht 19.11.2025