Exkursion zu BauGrund Süd

Wärmewende im Untergrund - Kalte Nahwärme als Schlüssel für zukünftige Wärmenetze?

Energieinstitut Vorarlberg
e5-Exkursion BauGrund Süd

Biomasse ist eine der tragenden Säulen der Energieautonomie Vorarlberg. Sie macht bereits rund 40 Prozent der im Land genutzten erneuerbaren Energie aus und leistet einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung: Heimisches Holz ersetzt kostspielige Energieimporte aus politisch instabilen Regionen und schafft Arbeitsplätze vor Ort. Doch die Ressource Holz ist begrenzt. Die nachhaltig verfügbaren Biomassepotenziale sind mit den bestehenden und geplanten Anlagen weitgehend ausgeschöpft. Um die Wärmewende vorantreiben, ist im Rahmen der Vorarlberger Energiestrategie auch ein verstärkter Einsatz von Abwärme, Anergie und Solarenergie im Nahwärmebereich gefragt.

Vor diesem Hintergrund organisierte das Energieinstitut Vorarlberg eine Exkursion zur BauGrund Süd, Gesellschaft für Geothermie in Bad Wurzach, Baden-Württemberg. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Bohrtechnik, Baugrunduntersuchung und Geothermie und bietet unter anderem Komplettlösungen für Anergienetze – von der Planung über Genehmigungen bis hin zur Ausführung. 

Was sind Anergienetze?

Im Unterschied zu klassischen Nahwärmenetzen wird in Anergienetzen keine Hochtemparatur-Heizwärme transportiert. Stattdessen zirkuliert im unterirdischen Netz Sole, welche die Umgebungsenergie aus dem Erdreich, Grundwasser oder Abwärmequellen aufnimmt. Die Temperatur der Sole liegt typischerweise zwischen 5 und 20 °C. Daher spricht man auch von „kalter Nahwärme“. Gebäude, die an ein solches Netz angeschlossen sind, verfügen in der Regel über eine eigene dezentrale Wärmepumpe, welche die im Netz verfügbare Niedertemperaturwärme auf das benötigte Niveau anhebt. Alternativ kann auch eine zentrale Großwärmepumpe die gewünschte Vorlauftemperatur für ein ganzes Quartier oder einen Gebäudekomplex bereitstellen.

Vorteile der Anergie aus Erdwärmesonde

Die Errichtungskosten sind im Vergleich zu Hochtemperaturnetzen deutlich geringer, denn nicht gedämmte PE-Leitungen sind günstiger als gedämmte Fernwärmeleitungen. Ein weiterer Vorteil: Geothermie kann bivalent genutzt werden, das heißt sie ermöglicht sowohl das Heizen als auch das Kühlen. Im Winter entziehen Erdwärmesonden dem Boden Wärme; im Sommer wird überschüssige Gebäudeabwärme wieder in den Untergrund eingelagert. Dadurch sinkt der Bohrbedarf, weil sich der Boden über die Sommermonate regeneriert. Interessant in diesem Zuammenhang ist,, dass auch die laufenden Kosten vergleichsweise niedrig sind. Betriebs- und Wartungskosten fallen kaum an, Pumpstrom wird nicht benötigt: Die Sole bewegt sich „passiv“ durch die Wirkung der angeschlossenen Wärmepumpen im Netz und muss nicht aktiv gepumpt werden.

Wer betreibt das Anergienetz?

Die Betriebskonzepte können differieren. Von „Wärmegenossenschaften“ in denen sich private Bauleute zusammenschließen bis hin zu Contractingmodellen mit unterschiedlichem Leistungsumfang. So gibt es Contractoren, welche von den Bohrungen über die Wärmepumpen bis hin zur Stromlieferung und dem Service ein Gesamtpaket anbieten. Es gibt aber auch Betreiberkonzepte, bei denen nur die Wärmequelle (Erdsondenbohrung) und das Verteilnetz zu einem Fixpreis angeboten wird. Um Wärmepumpe, Strom und Service muss sich der Kunde dann selbst kümmern. 

Neue Geschäftsmodelle: Vom Gasversorger zum Wärmeversorger

Exkurs in die deutsche Energieversorgungslandschaft: Dort erschließen ehemalige Gasversorger, unter anderem Stadtwerke wie die SW München oder die THÜGA, als Verbund kommunaler Energieversorger, die klimaneutrale Nahwärme zunehmend als neues Geschäftsfeld. Sie investieren in Wärmenetze, deren Erzeugung – abhängig vom Standort – ganz unterschiedlich ausfallen kann: Erdwärme, Solarthermie, industrielle Abwärme oder Kombinationen daraus.

Fazit für Vorarlberg

Der Besuch bei Baugrund Süd zeigt: Kalte Nahwärmenetze könnten ein weiterer zentraler Baustein der zukünftigen Energieversorgung sein. Vorarlberg verfolgt im Rahmen der „Energieautonomie Vorarlberg“ unter anderem den Ausbau erneuerbarer Wärmenetze. Auch wenn dort Anergienetze nicht explizit erwähnt, werden Fernwärme- und Niedertemperaturnetze generell als Teil einer klimafreundlichen Wärmeinfrastruktur betrachtet. Wenn die Grenzen von Biomasse erreicht sind, eröffnen Anergie, Geothermie und Abwärme weitere nachhaltige Chancen. 

Anergie in Vorarlberg

Bregenz – Anergienetz mit Seewärmenutzung

In Bregenz haben die Stadtwerke Bregenz ein Anergienetz beim neuen Seehallenbad errichtet, das Seewärme nutzt. Dieses Netz ist bislang in dieser Größenordnung einzigartig in Österreich. In der ersten Ausbaustufe werden unter anderem das Hallenbad und das Festspielhaus versorgt, mit weiteren Planungen Richtung Bregenz Mitte und Weiherviertel.

Hier finden Sie die Präsentation von BauGrund Süd

Dipl. Forstwirtin Antje Wagner

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veröffentlicht 30.01.2026