Bürgermeister im Gespräch - Lustenau, Nenzing, Mittelberg

Auch im dritten Teil haben wir unsere Bürgermeister*innen wieder zu brandaktuellen Themen befragt und welche Maßnahmen und Aktionen aktuell umgesetzt werden.

Heute geben drei neu gewählte Bürgermeister aus den e5-Gemeinden Lustenau, Nenzing und Mittelberg erste Einblicke in ihre Arbeit und berichten über das aktuelle Geschehen in ihrer Gemeinde.

Patrick Wiedl, e5-Gemeinde Lustenau

Gemeinde Lustenau
  1. Seit wie vielen Jahren engagierst du dich politisch in der Gemeinde?
    Ich engagiere mich seit 2009 in der Gemeindevertretung. Von 2015 bis 2020 war ich Gemeinderat für Wirtschaft und Landwirtschaft und seit 2025 darf ich als Bürgermeister Verantwortung für die größte Marktgemeinde Österreichs übernehmen. 
  2. Welche Projekte und Maßnahmen stehen in den nächsten Jahren in Bezug auf Energie bzw. Klimaschutz in eurer Gemeinde an? 
    Wir setzen auf die Energieautonomie 2040: Das beinhaltet zahlreiche Maßnahmen wie den konsequenten Ausbau der Photovoltaik auf den Gemeindegebäuden, die Umrüstung auf LED-Beleuchtung unserer Straßen und vor allem den Bau unseres neues Bio-Fernwärmeheizwerkes. In Zusammenarbeit mit einem Lustenauer Unternehmer als Betreiber errichtet die KELAG ein Biomasse-Heizwerk und ein Fernwärmenetz, das private Nutzer wie auch viele Gemeindegebäude versorgen wird. 
  3. Welche Ziele der Energieautonomie Vorarlberg siehst du als besonders herausfordernd und welche Lösungen siehst du dafür? 
    Ein Schlüssel zur Energieautonomie ist gewiss die Umsetzung und der konsequente Ausbau von erneuerbaren Engerien wie Photovoltaikanlagen und das Vorwärtsbringen des Fernwärmeheizwerkes, wo wir bereits heuer im Juni den Spatenstich gemacht haben.
  4. Herausforderungen?  
    Wir leisten mit jeder Maßnahme auch wichtige Überzeugungsarbeit, dass die Bürgerinnen und Bürger unserem Beispiel folgen – die Bewusstseinsbildung und gute Kommunikation ist dabei ein entscheidender Faktor. 
  5. Lustenau nimmt beim regionalen Mobilitätsmanagement der plan b-Gemeinden teil, ist sehr engagiert in der Förderung von sanften Mobilitätsformen wie das Zufußgehen sowie das Radfahren und verfolgt ein vorbildliches Mobilitätsmarketing. Welche konkreten Projekte sollen in den nächsten Jahren umgesetzt werden? 
    Lustenau hat es in den vergangenen Jahren mit einem Mix aus Infrastrukturmaßnahmen, Bewusstseinsbildung und guter Öffentlichkeitsarbeit geschafft, den Radfahreranteil auf 34 Prozent zu steigern. Damit sind wir Österreichs Radlergemeinde Nr. 1! Diesen Spitzenplatz gilt es zu halten, Bewusstseinsbildung für sanfte Mobilität bleibt ein zentrales Ziel. Im Zentrum planen wir langfristig, den motorisierten Individualverkehr zu verbannen – eine Fußgängerzone soll die Aufenthaltsqualität für alle steigern. Kurzfristig überarbeiten wir das Parkraummanagement gemeinsam mit den plan b-Gemeinden. 
  6. Was trägst du persönlich zum Thema Klimaschutz bei? 
    Ich kaufe regional, vermeide Lebensmittelverschwendung und nehme, wann immer möglich, das Fahrrad. 

Michael Hartmann, e5-Gemeinde Nenzing

Michael Hartmann
  1. Seit wie vielen Jahren engagierst du dich politisch in der Gemeinde? 
    Ich bin erst seit kurzem politisch aktiv – seit April 2025 Bürgermeister in Nenzing. Davor war ich nicht in der Politik tätig. Der Schritt in dieses Amt war für mich eine bewusste Entscheidung: Ich wollte nicht nur mitreden, sondern mitgestalten. Die Verantwortung für unsere Gemeinde zu übernehmen, ist für mich eine Herzensangelegenheit.
  2. Nenzing ist als Gründungsgemeinde 1998 dem e5-Landesprogramm beigetreten. Was erwartest du dir von der Teilnahme am e5-Landesprogramm?
    Ich schätze die Grundidee des e5-Programms sehr – nämlich Gemeinden dabei zu unterstützen, Energieeffizienz und Klimaschutz systematisch voranzutreiben. Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass der Weg dorthin oft mit viel Bürokratie verbunden ist. Für mich ist wichtig, dass wir nicht in Formularen und Berichten stecken bleiben, sondern konkrete Projekte umsetzen, die für unsere Bürgerinnen und Bürger spürbar sind. Ich wünsche mir, dass das Programm künftig noch praxisnäher wird und mehr Raum für individuelle Lösungen lässt – gerade für kleinere Gemeinden wie Nenzing.
  3. Der Bereich Mobilität und die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs ist eine besondere Herausforderung der Energieautonomie Vorarlberg. Welche Maßnahmen setzt deine Gemeinde, um die Bürger*innen für klimafreundliche Mobilität (Fuß, Rad, ÖPNV) zu begeistern?
    Ich bin überzeugt, dass klimafreundliche Mobilität nicht nur eine Frage der Infrastruktur, sondern auch des Miteinanders ist. Es kann nicht die Lösung sein, immer neue Radwege zu bauen – vielmehr sollten wir bestehende Straßen intelligenter nutzen, sodass sie für Autos und Fahrräder gleichermaßen sicher und attraktiv sind. In Nenzing setzen wir auf Maßnahmen, die Rücksichtnahme und gegenseitiges Verständnis fördern. Dazu gehören bewusstseinsbildende Aktionen, sichere Querungen, Tempoanpassungen und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Mobilität muss inklusiv gedacht werden – nicht gegeneinander, sondern miteinander.
  4. Nenzing nutzt bereits seit langem die Wasserkraft. Plant die Gemeinde, weitere erneuerbare Energiequellen auszubauen? Welche Projekte sind dafür vorgesehen?
    Ja, wir setzen Schritt für Schritt auf den Ausbau von Photovoltaik auf unseren Gemeindegebäuden – und das mit aktiver Bürgerbeteiligung. Derzeit errichten wir eine PV-Anlage mit 38 kWp bei der Mittelschule und eine weitere mit 12,5 kWp beim Feuerwehrhaus Gurtis. Für die nächsten beiden Jahre sind Anlagen auf dem Kindergarten Bahnhofstraße mit rund 55 kWp sowie beim Sozialzentrum mit etwa 42 kWp geplant. Unser Ziel ist es, jedes Jahr neue PV-Anlagen zu realisieren – nicht nur als Beitrag zur Energiewende, sondern auch als gemeinschaftliches Projekt, bei dem sich Bürgerinnen und Bürger direkt beteiligen können. So schaffen wir lokale Wertschöpfung und stärken das Bewusstsein für erneuerbare Energie. Auch die Beteiligung an Energiegemeinschaften und die Nutzung von Biomasse sind spannende Ansätze. Ich bin überzeugt: Wenn wir als Gemeinde vorangehen, ziehen auch viele Bürgerinnen und Bürger mit.
  5. Was trägst du persönlich zum Thema Klimaschutz bei?
    Ich versuche, möglichst viele Wege zu Fuß oder mit dem Rad zu erledigen – das klappt in Nenzing zum Glück sehr gut. Beim Einkaufen achte ich auf regionale Produkte, und mein Haus habe ich energetisch saniert und von einem Einfamilien- auf ein Zweifamilienhaus umgebaut in welchem nun 8 Personen anstelle von wie bisher nur 4 wohnen. Klimaschutz ist für mich kein abstraktes Thema, sondern Teil meines Alltags. Und als Bürgermeister möchte ich auch zeigen, dass jeder Beitrag zählt. 
  6. Was sollen wir bei deiner Steckbrief-Vorstellung unbedingt noch erwähnen?
    Vielleicht, dass ich mit viel Respekt und Neugier in dieses Amt gestartet bin. Ich glaube fest daran, dass wir als Gemeinde gemeinsam viel bewegen können – gerade im Bereich Nachhaltigkeit. Und dass Klimaschutz nicht nur Pflicht, sondern auch Chance ist: für mehr Lebensqualität, für unsere Kinder und für eine enkeltaugliche Zukunft.

Joachim Fritz, e5-Gemeinde Mittelberg

Gemeinde Mittelberg
  1. Seit wie vielen Jahren engagierst du dich politisch in der Gemeinde?
    Ich war zuletzt von 2020-2025 als Gemeindevertreter mit einem Mandat in der Gemeindevertretung und mit Unterbrechung zuvor schon als Ersatzmitglied in diversen Ausschüssen in der GV aktiv. Seit November 2024 bin ich zudem Abgeordneter im Vorarlberger Landtag und dort als Bereichssprecher für die Themen:  Sicherheit und Inneres, Asyl und Migration, Integration, Katastrophenschutz zuständig. Seit März 2025 bin ich nun auch Bürgermeister der Gemeinde Mittelberg.
  2. Mittelberg ist seit 2015 Mitglied des e5-Landesprogrammes. Welche Vorteile siehst du für eure Gemeinde durch die Beteiligung am e5-Landesprogramm?
    Bis ich Bürgermeister wurde, war für mich das e5-Programm zugegebener Weise so eine Art „spanisches Dorf“. Ich habe mich daher gleich zu Beginn meiner Amtszeit (auch auf Grund meiner persönlichen Bestrebungen was die Senkung der Energiepreise im Kleinwalsertal betrifft) damit auseinandergesetzt und dazu auch einen Antrittsbesuch beim Energieinstitut in Dornbirn absolviert. Für mich und die Gemeinde stellt das Programm eine großes Chance in Sachen Energieoptimierung, Energieverbrauch und Autonomie sowie auch ein verlässlicher Partner bei allen Zukunftsplanungen im Bereich der Gemeinde Infrastruktur dar. Die Gemeinde Mittelberg betreibt deshalb  eine eigene Fachgruppe in der Gemeindevertretung „e5“, welche sich intensiv mit diesen Themen auseinandersetzt und für die Gemeindevertretung Grundlagen für Entscheidungen ausarbeitet. Die Vorteile liegen dabei ganz klar im Bereich Kosteneinsparung, Energieeffizienz und Klima/Umweltschutz.
  3. Der Ausbau erneuerbarer Energie ist ein wesentlicher Baustein der Energieautonomie Vorarlberg. Welche Schritte unternimmt eure Gemeinde, um diesen Ausbau auf dem Gemeindegebiet zu unterstützen?
    Im Bereich der Gemeinde Mittelberg haben wir seit vielen Jahren mit der Bioenergie Kleinwalsertal einen verlässlichen Partner im Bereich der Fernwärmeversorgung, darüber hinaus betreibt die Gemeinde selbst, dort wo es möglich ist PV-Anlagen und sieht auch bei Neubauten solche vor. Wir achten bei Bau und Sanierungsmaßnahmen auf eine möglichst energieeffiziente Bauführung und entsprechende Materialien. Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED Technik sowie kleinere Energiegemeinschaften mit Beteilung der Gemeinde sind aktuell in Ausarbeitung.
  4. Mittelberg ist eine beliebte Tourismusgemeinde, die von der Natur und der Umgebung lebt. Welche Maßnahmen ergreift Mittelberg, um den Tourismus nachhaltiger zu gestalten und den Klimaschutz zu fördern bzw. an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen?
    Wir achten bei unserem gesamten Tourismuskonzept auf eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung. Dabei wurde bei uns u.a. das Projekt „Natur bewusst erleben“ implementiert, welches bei uns in sämtliche wichtigen Tourismusprojekte eingebunden ist und eine sanfte Lenkung des Tourismus mit größter Sorgfalt, einen schonenden Umgang mit unserer Ressource Natur gewährleistet. Die Devise lautet Qualität statt Quantität und soll einerseits die touristische Entwicklung nachhaltig garantieren, und dennoch die Angebote attraktiv halten und weiterentwickeln. Als eine der wenigen Destinationen mit Ganzjahrestourismus (Sommer und Winter) achten wir auch auf Rücksicht unserer Einheimischen Bevölkerung sehr stark auf eine touristische Ausgewogenheit und keinen „Over-Tourism“.
  5. Was trägst du persönlich zum Klimaschutz bei?
    Ich persönlich habe bereits 2008 (nach einer Beratung beim Energieinstitut Dornbirn) eines der ersten Passivhäuser im Kleinwalsertal in Mittelberg errichtet und fühle mich sehr wohl darin. Ich betreibe eine Luftwärmepumpe mit einer thermischen Solaranlage und bin somit annähernd C02 neutral (eine eigene PV zum Betrieb der Wärmepumpe ist in Planung) und habe damit meine Betriebskosten auf ein Minimum reduziert. Im Haus selbst verwende ich nur Elektrogeräte mit mindestens A++ Kennzeichnung, sowie LED Beleuchtung.  Mein Gemeinde Dienstfahrzeug ist ein vollelektrischer BMW, welche über die hauseigene PV Anlage der Gemeinde geladen wird. Generell sehe ich persönlich hier den Vorteil in der Effizienz und Kosteneinsparung, da ich auch so realistisch bin und weiß, dass Österreichs Anteil am weltweiten Klima gerade einmal 0,2% beträgt. Somit wäre es meiner Meinung nach illusorisch zu glauben, dass sich mit einer Wärmepumpe mehr oder weniger in Österreich etwas am Weltklima ändert, während die Big Player wie USA, China, Indien, Russland etc, 61% der Co2 Belastung ausmachen. Dennoch leiste ich mit den aufgezählten Maßnahmen einen machbaren „kleinen“ persönlichen Beitrag im Rahmen meiner Möglichkeiten.
  6. Was sollen wir in deinem Steckbrief unbedingt noch erwähnen?
    Ich weiß nicht, was noch von Interesse sein könnte? Eventuell etwas Persönliches? Ich war vor meinem Bürgermeisteramt 31 Jahre als Polizeibeamter und Personalvertreter der Polizei tätig, habe zwei erwachsene Kinder, 24 und 22 Jahre alt - und in der Freizeit bin ich gerne mit dem Motorrad und dem Mountainbike unterwegs. Musikalisch höre ich gerne Rockmusik.
veröffentlicht 30.05.2025 , zuletzt geändert 01.10.2025