Ein Rathaus gebaut für die Zukunft

Das neue Rathaus in Hohenems ist zweifelsohne ein ökologisches Vorzeigeprojekt mit internationalem Vorbildcharakter und zeigt, wie ein öffentlicher Bau mit hoher Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit realisiert werden kann. Das „Low-tech“-Gebäude erfüllt jedenfalls höchste KGA- und Cradle-to-Cradle-Nachhaltigkeitsstandards (C2C).

Adolf Bereuter

Nach einem Grundsatzbeschluss im Jahr 2020 wurde am 21. Dezember 2021 in der Stadtvertretung Hohenems mehrheitlich beschlossen, das im Rahmen eines EU-weiten Wettbewerbs von der Jury einstimmig ausgewählte Projekt der Berktold Weber Architekten ZT GmbH. umzusetzen.

Meilenstein in der Stadtentwicklung

Mit der Fertigstellung des neuen Rathaus im Frühjahr 2025 wurde in Hohenems mehr als ein bloßes Verwaltungsgebäude realisiert. Auf dem Rosenthal-Areal ist ein neues „RathausQuartier“ entstanden – ein städtebauliches Projekt, das unter anderem Verwaltung, Kultur, Park, Geschäfte und Begegnungsräume für die Bürger*innen vereint. 

Architektur mit nachhaltigem Weitblick

Herzstück ist das neue Rathaus, das mit seiner offenen Erdgeschoßzone, einem Stadtgarten und einem einladenden Rathausplatz einen neuen Zugang zur nördlichen Innenstadt markiert. Auf rund 2.000 Quadratmetern wurden 90 Arbeitsplätze geschaffen. Bis auf auf die Stadtwerke, den Werkhof und die Forstverwaltung sind nun alle zentralen Abteilungen der Verwaltung unter einem Dach zu finden. 
Das sechsgeschossige Gebäude wurde als konstruktiver Holzbau mit Sicht-Massivholz-Dübeldecken, nach den höchsten Kriterien des Kommunalen Gebäudeausweis (KGA) sowie nach dem Cradle-to Cradle-Prinzip (C2C) konzipiert – ein Ansatz, der auf Kreislauffähigkeit, Ressourcenschonung und Flexibilität setzt. Neben dem Grundstoff Holz wurden hauptsächlich Baustoffe verwendet, die wiederverwertbar sind. Zudem kommen Heiz- und Kühlsysteme wie Erdwärmesonden über thermisch aktivierten Gründungspfählen sowie ein energie- und kosteneffizientes Kaskadenhybridlüftungssystem zum Einsatz. Nicht zuletzt sorgt eine freie durchgehende Gebäudemitte für eine natürliche Luftzirkulation und passive Nachtabkühlung. 

Rathaus mit Auszeichnung

Erst kürzlich wurde das neue Rathaus Hohenems mit dem Vorarlberger Holzbaupreis 2025 ausgezeichnet, der im heurigen Jahr unter dem Motto „Zukunft weiterbauen“ stand. Entscheidend waren unter anderem die ökologischen Qualitäten, die architektonische Umsetzung und die konsequente Anwendung regionaler Ressourcen wie Holz von Hier etc. Die Jury lobte insbesondere das innovative Raumkonzept, die bürgernahe Gestaltung und die atmosphärische Fassade. Nicht zuletzt wurde das neue Flaggschiff der Gemeinde auch als Visualisierung in der Briefmarkenserie „Moderne Architektur in Österreich“ der Österreichischen Post verewigt.

Neues Juwel in Hohenems

„Die Innenstadt von Hohenems hat sich zu einem Juwel entwickelt. Jetzt ist ein weiterer Meilenstein in der Stadtentwicklung erfolgt, geprägt durch eine starke öffentliche Nutzung mit dem neuen, einladenden Rathaus samt öffentlicher Tiefgarage, einem öffentlichen Park, Geschäften und Cafés, dem Literaturhaus Vorarlberg sowie einem neugestalteten Straßenraum als Begegnungszone“, sagt Dieter Egger, Bürgermeister von Hohenems.

Factbox:

  • Planung: März 2022 bis Dezember 2024; Ausführung: September 2023 bis März 2025
  • Bruttogeschoßfläche: 2.407 m2; Nutzfläche: 2.030 m2, 90 Arbeitsplätze
  • Baukosten: 12 Millionen Euro (ohne Tiefgarage und Außenraum)
  • Energiekennwert: 14,2 kWh/m2a
  • Besonderheiten:
    • hohe Nachhaltigkeitsstandards gemäß "Kommunaler Gebäudeausweis" (KGA), Craddle-2-Craddle (C2C), Holz von Hier - regionale Wertschöpfung
    • Warmdach mit extensiver Begrünung und PV-Anlage
    • Heizung: Erdwärmesonden über thermisch aktivierten Gründungspfählen, passive Nachtabkühlung
  • Auszeichnung Vorarlberger Holzbaupreis 2025 unter dem Motto „Zukunft weiterbauen“

Innen -und Außenansichten - Bilder des neuen RathausQuartiers