Elf Gemeinden, ein Ziel: MissionZero Mobilität
Im Netzwerk MissionZero Mobilität arbeiten elf e5-Gemeinden gemeinsam daran, die Emissionen ihrer eigenen Verwaltung so weit wie möglich zu senken.
Kein Sektor verursacht in Vorarlberg so viele direkte Treibhausgasemissionen wie die Mobilität. Im Netzwerk MissionZero Mobilität arbeiten elf e5-Gemeinden gemeinsam daran, die Emissionen ihrer eigenen Verwaltung so weit wie möglich zu senken. Damit gehen sie mit gutem Beispiel voran und leisten einen Beitrag zu den Zielen der Energieautonomie.
Mobilität ist der größte Hebel
Laut Monitoringbericht 2026 der Energieautonomie (Datenstand 2024) gehen mehr als 40 Prozent der Treibhausgasemissionen in Vorarlberg auf das Konto der Mobilität. Zum Vergleich: Die Industrie verursacht 18 Prozent, der Gebäudesektor 17 Prozent und die Landwirtschaft 14 Prozent.
Elf Vorarlberger Gemeinden haben ein gemeinsames Ziel: Die MissionZero Mobilität zu erreichen. Teil des Netzwerks sind aktuell die e5-Gemeinden Rankweil, Lustenau, Hörbranz, Satteins, Hittisau, Egg, Wolfurt, Koblach, Götzis, Nenzing und Feldkirch. Sie wollen den Energieverbrauch und damit die Emissionen rund um ihre Verwaltung deutlich reduzieren. Im Blick sind dabei drei Bereiche: die täglichen Arbeitswege der Mitarbeitenden, die Dienstwege und der kommunale Fuhrpark.
Die Gemeinden folgen dabei der sogenannten 3-V-Strategie des betrieblichen Mobilitätsmanagements:
- Vermeiden: Wege, die nicht nötig sind, werden eingespart.
- Verlagern: Wege, die bleiben, werden zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt.
- Verbessern: Wo das Auto unverzichtbar ist, wird der Fuhrpark auf E-Mobilität umgestellt.
Erfahrungsaustausch für die Zukunft
Das Netzwerk verbindet fachliche Begleitung durch das Energieinstitut Vorarlberg mit dem Austausch unter Kolleg*innen. In einem ersten Schritt erstellt das Energieinstitut Vorarlberg zwei Potentialanalysen für jede teilnehmende Gemeinde. Dabei werden einerseits die Anfahrtswege der Mitarbeiter*innen zu ihrem Arbeitsweg evaluiert und andererseits die Zusammensetzung der Fahrzeuge im Fuhrpark.
„Rechnet man Kindergärten und Sozialzentren mit, arbeiten für eine Gemeinde oft weit mehr Menschen als gedacht. Ihre täglichen Arbeitswege sind ein großer, oft unterschätzter Hebel für den Klimaschutz.“
Ariane Weifner, Projektleiterin, Energieinstitut Vorarlberg
Die Gemeinden profitieren vor allem vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch im kleinen Kreis. Im Rahmen dieser kollegialen Beratung ist ein Lernen voneinander möglich. Zudem motivieren sich die Gemeinden dadurch gegenseitig. Ein wichtiger Mehrwert des Projekts sowie auch der fachliche Input des Energieinstituts, zum Beispiel beim Aufsetzen oder Aktualisieren einer Dienstreiserichtlinie.
Rund 70 Prozent der Arbeitswege ohne Auto machbar
Ein zentrales Ergebnis der Analysen: Für rund 70 Prozent der Arbeitswege wäre eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad möglich. Wie die Gemeinden dieses Potenzial nutzen können, haben sie gemeinsam erarbeitet. Die Schwerpunkte sind dabei unterschiedlich: Manche Gemeinden setzen bei den Arbeitswegen an, etwa mit einer Jobrad-Aktion. Andere regeln die Dienstwege neu, zum Beispiel über Dienstreiserichtlinien. Wieder andere erfassen zunächst die Daten ihres Fuhrparks besser, um gezielt planen zu können.
Lustenau: Lastenrad und E-TukTuk statt Dienstauto
Die Marktgemeinde Lustenau setzt im Ortsgebiet auf Lastenräder und elektrische TukTuks. Sie lassen sich flexibel an den Bedarf der einzelnen Dienststellen anpassen und sind im Alltag gut angekommen – etwa beim Hauswart der Volksschule. Verbesserungsbedarf gibt es noch bei den TukTuks: Ihre Verarbeitung ist nicht immer auf den harten kommunalen Einsatz ausgelegt, Reparaturen fallen häufiger an.
„Ein Lastenrad ersetzt im Ort oft ein Dienstauto: kein Parkplatz, geringe Kosten, und fahren darf es jede und jeder – auch ohne Führerschein.“
Carina Niedermair, Projektkoordinatorin, Marktgemeinde Lustenau
Egg: Jobticket statt Fahrtkostenzuschuss
Die Marktgemeinde Egg ist das jüngste Mitglied im Netzwerk und profitiert besonders von den Erfahrungen der anderen. Sie hat den Einstieg genutzt, um Dienstreiserichtlinien zu verankern. Außerdem soll der gesetzlich vorgesehene Fahrtkostenzuschuss den Mitarbeitenden künftig in Form eines Jobtickets zugutekommen. Davon profitieren beide Seiten: Die Mitarbeitenden haben steuerliche Vorteile, und das Geld fließt in ein besser finanziertes öffentliches Verkehrsnetz.
„Die Erfahrungen anderer Gemeinden haben uns ermutigt, Dienstreiserichtlinien zu verankern. Als nächsten Schritt bieten wir unseren Mitarbeitenden ein Jobticket an – mit steuerlichen Vorteilen und mehr Geld für den öffentlichen Verkehr.“
Teresa Meusburger, Energiebeauftragte der Marktgemeinde Egg
„Das Rad muss oftmals nicht neu erfunden werden. Die Beispiele und Erfahrungen der anderen Gemeinden haben uns den Anstoß gegeben, Dienstreiserichtlinien bei uns zu verankern. Als nächsten Schritt bereiten wir das Jobticket vor: Wir wollen den gesetzlichen Spielraum nutzen und unseren Mitarbeitenden statt des Fahrtkostenzuschusses ein Jobticket anbieten. Das bringt ihnen steuerliche Vorteile, und das Geld fließt direkt in einen gut finanzierten öffentlichen Verkehr. So gewinnen beide Seiten“, sagt Teresa Meusburger, Energiebeauftragte der Marktgemeinde Egg.