Vom temporären Pop.up.Dorfplatz zur dauerhaften Begegnungszone in Hittisau

Die Idee des Pop.up-Dorfplatz in Hittisau sorgte für regen Diskussionsstoff. 2021 wurde aus der Idee Realität und 2026 zur dauerhaften Verkehrslösung mit Begegnungszone und Tempo 30. Dafür wurde Hittisau mehrfach ausgezeichnet.

Daniel Kohler
Von einer temporären Maßnahme zur fixen Einrichtung mit Begegnungszone: Der pop.up.Dorfplatz Hittisau.

Der Dorfplatz in Hittisau war lange vor allem eines: praktisch. Zentral gelegen, schnell das Auto für Erledigungen abstellen, zur Kirche zu gehen oder jemanden abholen. Darunter leidete die Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit. Über eine Neugestaltung wurde bereits seit 2015 im Zuge der Zentrumsentwicklung diskutiert und ein Architekturwettbewerb zur Ortskernentwicklung gestartet. Bis zur Etablierung eines temporären Pop.up.Dorfplatz und Fortführung zur heutigen verkehrsberuhigten Begegnungszone ging ein langwieriger mehr als zehnjähriger Lern- und Beteiligungsprozess voraus. 

Aufenthaltsqualität und Verkehrsberuhigung

Neben einer Verkehrsberuhigung und Neugestaltung des Dorfplatz sollte auch ein ganzheitlicher Ansatz mit kulturellen, gesellschaftlichen und ökologischen Aspekten integriert werden. 2020 entstand dazu das DENK:MAL, ein ehemaliges Kriegerdenkmal, als gestalterischer Beitrag zur Ortsmitte. Und der Informationspavillon „EIN.BLICK“ soll die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft des Naturparks Nagelfluhkette für alle sichtbarer machen. 

Im Jahr 2021 wurde der autofreie Pop.up.Dorfplatz zumindest temporär während der Sommermonate beschlossen. Dazu wurde der Dorfplatz mit Bäumen in Trögen, Bänken, Sonnenschirmen und Spielmöglichkeiten für die Kinder umgestaltet. Auf rund 730 Quadratmeter Parkplatz wurde ein attraktiver Aufenthaltsraum für den „Sommer am Dorfplatz“ für Bevölkerung und Gäste geschaffen. Die politische Zustimmung dafür war zu Beginn mit 10:8 Stimmen noch knapp. Drei Jahre später stimmten jedoch alle Gemeindevertreter*innen für den Pop.up-Dorfplatz, der jeweils drei Sommermonate bespielt wurde.

Die heikle Parkplatzfrage

Der Verlust von Pkw-Stellplätzen ist ein heikles Thema und wurde auch in Hittisau kontrovers diskutiert. Einerseits gab es den Wunsch nach einem attraktivem autofreien Platz, dem gegenüber standen Ängste vor neuen Verkehrsproblemen, längeren Wegen zu Geschäften sowie die Situation älterer Menschen etc. Mit einer Unterschriftenaktion mit über 400 Stimmen wurde gefordert, zumindest Parkplätze im Zentrum für Geschäfte und Gäste zu erhalten. Eine Verkehrsanalyse stellte für Hittisau tatsächlich einen hohen Parkdruck fest. Rund um Dorfplatz und Zentrum waren die Flächen teilweise stark ausgelastet. Empfohlen wurden deshalb unter anderem Kurzparkzonen und eine gezielte Organisation des Parkraums.

e5-Team Hittisau (Christiane Eberle)
Der Dorfplatz in Hittisau früher: Graue Asphaltflächen und Parkplatz für Autos.

Ausprobieren, um dann zu bleiben

Das Motto, nicht alles auf einmal zu entscheiden, sondern einfach einmal auszuprobieren, wurde zum erfolgversprechenden Prinzip des Pop.up.Dorfplatz: Inzwischen wurde aus der temporären Maßnahme ein dauerhaft neugestalteter Dorfplatz. Der bisher als Parkplatz genutzte Dorfplatz wurde entsiegelt und mit Begrünung, Bäumen und Sitzgelegenheiten umgestaltet. Der neue Platz soll Schatten spenden, das Zentrum kühlen und vor allem ein attraktiver Aufenthaltsraum für Bewohner*innen und Gäste sein – mit Platz für Märkte, Konzerte und unterschiedliche Events. Zudem wurde rund um den Dorfplatz eine umfassende Verkehrsberuhigung umgesetzt, mit einer Begegnungszone auf einem Abschnitt der Landes- und Gemeindestraße rund um den Dorfplatz und Tempo 30.

e5-Team Hittisau (Caroline Jäger)
Der Dorfplatz heute: Attraktiver Aufenthaltssort und Raum für die Bevölkerung mit Märkten, Konzerten und Veranstaltungen

Parkraummanagement eingeführt

Auf die Parkplatzfrage reagierte die Gemeinde mit Parkraummanagement. Seit 2024 gibt es unter anderem 45-Minuten-Kurzparkplätze rund um den Dorfplatz. Weitere Parkmöglichkeiten wurden in anderen Bereichen des Zentrums organisiert. Zudem wurden im Umkreis doppelt so viele Parkplätze geschaffen, wie am Dorfplatz wegfielen.

Mehrfach ausgezeichnetes Projekt

Das Projekt Pop.up.Dorfplatz, eine Initiative des e5-Teams Hittisau, war bereits mit einem überschaubarem Budget von bis zu 4.000 Euro umsetzbar. Was als temporäre Installation begann, entwickelte sich zum Reallabor für ein lebendiges, verkehrsberuhigtes Dorfzentrum. VN-Klimaschutzpreis im Jahr 2024, VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg als vorbildliches Projekt im Jahr 2025 und im Jahr 2026 den Fußverkehrskehrs-Award bei der klimaaktiv mobil Auszeichnungsveranstaltung im burgenländischen Eisenstadt und nochmals einen VCÖ-Sonderpreis – „weil aus einer temporären Maßnahme eine dauerhafte Lösung wurde“... Trotz aller Auszeichnungen bleibt klar: für die Schaffung von autofreien sowie rad- und fußgängerfreundlichen Zonen braucht es auch viel Geduld und vor allem Durchhaltevermögen.