Live im Betrieb bei PÖZ - Das Ökozentrum

Klimaschutz und ökologische Verantwortung sind in Vorarlberg beim Bauen nicht mehr wegzudenken. Auch Betriebe setzen bei Neubau auf ökologische, nachwachsende Materialien. PÖZ in Hohenems liefert mit seinem Neubau ein Best-Practice Beispiel.

PÖZ – Das Ökozentrum bietet seit 20 Jahren seinen Kunden ökologische Baumaterialien für Böden, Dämmung und Wände. Jetzt hat das Unternehmen seinen eigenen Firmenneubau in Hohenems 100% der Geschäftsphilosophie folgend aus diesen Materialien errichtet und zum Schauraum für Kund*innen gemacht.

Das Unternehmen präsentierte den Besucher*innen von Live im Betrieb wie nachhaltig und gleichzeitig designaffin Bauen aussehen kann. Und in 100 Jahren lässt sich das ganze Gebäude recyceln oder der Natur rückgeben.

 


Gesunde Materialien erzeugen gesundes Wohnen

PÖZ, Mitglied der Plattform Partnerbetrieb Traumhaus Althaus, nutzt seine Handelsprodukte im Neubau selber. „Lehm am Bau”, “Ökologisches Dämmen”, “Naturholzböden” sowie “Biologische Farben und Lasuren” sind in den Firmenräumen so verwendet worden, dass sie von den Besuchern*innen angefasst, also erlebt, werden können.

5 Punkte, die hängen geblieben sind:

1. Gesamtes Gebäude ökologisch realisiert

Die Gastgeber Bruno Peter und Jessica Loretter berichten, dass rund 2 Mio. Euro in das 650 m2 große Gebäude investiert wurden.
Dem Neubau ging ein langer und intensiver Planungsprozess mit vielen Überlegungen voran. Im Austausch mit Planern, der Bank und aufgrund der PÖZ Firmenphilosophie wurde entschieden, das gesamte Gebäude mit Büro, Lager und Ausstellung konsequent ökologisch zu realisieren.
Dabei erfolgte die Umsetzung ausschließlich mit Vorarlberger Betrieben, um das regionale Handwerk zu unterstützen.


2. Holz unter und über der Erde

Details vom Bau erklärte Jürgen Haller (Architekturbüro Jürgen Haller, Mellau). Er agierte sowohl als Bauplaner als auch als Bauleiter und setzte die Wünsche der Bauleute nach einer sparsamen aber hochwertigen Bauplanung engagiert um.
Nach jahrelangen beengten Platzverhältnissen am alten Standort konnte nun im Betriebsgebiet Ermengrund mit 3.600 m3 umbautem Raum ein zukunftsfähiges Gebäude errichtet werden.

Aufgrund der schlechten Bodenqualität am Standort tragen 95 Holzpiloten die Bodenplatte aus Stahlbeton.
Das Gebäude, mit Ausnahme des betonierten Aufzugsschachtes, wurde in Holzrahmen-Bauweise errichtet. Um auf OSB Platten zu verzichten, wurde diagonal geschalt. Die Kupferverblechung im Fensterbereich des Obergeschosses durchbricht die Holzfassade optisch und sorgt für einen urbanen Look des Gebäudes.

Die Ausführung der Holzfenster durch Partnerbetrieb Dietmar Metzler, METZLER Fensterbau in Hohenems, erfolgte ohne Bauschaum und wurde mit reiner Schafwolle abgedichtet.

Als Heizsystem wurde in Verbindung mit der Fußbodenheizung eine Luftwärmepumpe installiert, die im Winter Wärme liefert und im Sommer zum Kühlen der Räume eingesetzt werden kann.

“Für das Firmendomizil mit seinen 650 m2 wurden 10 Tonnen Lehm und 200 m3 Holz verarbeitet! ” informiert Bauleiter Jürgen Haller.

Bei der Dämmung wurden zusätzlich noch 13 Tonnen Jasmin fein Holz-Lehm Dämmung – bestehend aus 75% Holz und 25% Lehm – verarbeitet.

 


3. Innovativer Dämmstoff angewendet

Die Wände des Gebäudes wurden mit dem neuen Dämmstoff Jasmin fein realisiert. Jasmin fein-Dämmstoff besteht aus naturbelassenen Fichtenhobelspänen die in einem geschützten Verfahren mit Lehm überzogen werden. Ergebnis ist ein vollständig ökologischer, einblasbarer Dämmstoff ohne Zusatzstoffe der gleichzeitig die Wohlfühlvorteile von Lehm und damit ein gesundes Raumklima mitliefert.

 

4. Ökologische Materialien zum Anfassen im ganzen Gebäude

Nicht nur der weitläufige Präsentationsraum im 1. Obergeschoss, sondern das komplette Gebäude fungiert als Ausstellungsbereich. Alle Räume sind mit anderen Materialien bzw. Technik errichtet. sodass die gesamte Vielfalt erlebt werden kann:

Die Wände wurden ausschließlich mit Lehm bearbeitet und veranschaulichen die unterschiedlichen Optiken von Lehmglätte, Kalkglätte oder sogar aufgewalztem Lehm-„Tapeten“-Druck.
Jeder Raum ist mit einem anderen Massivholzbodenbelag mit anderer Verlegetechnik gestaltet. Auch ein Lehm-Kasein Spachtel Boden ist zu betreten.

So sind im gesamten Firmengebäude die verschiedenen ökologischen Materialien, die PÖZ anbietet, zu sehen, zu riechen und zu spüren.

 


5. Gründach – aktiver Beitrag zum Klimaschutz

Bruno Peter meint: „Uns war es ein Anliegen, das Dach zu begrünen um einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der Biodiversität beizutragen“. 

 

Nachfrage nach ökologischen Baustoffen steigt

Laut Jessica Loretter ist die Nachfrage nach ökologischen Baustoffen generell in den letzten fünf Jahren gestiegen. Aufgrund des mittlerweile höheren Umweltbewusstseins, aber auch wegen der sehr vielseitigen Optik spielt die Verwendung von Lehm im Innenausbau immer mehr eine Rolle.


Stimmen der Teilnehmenden:

„Da lacht dem Baubiologen das Herz! Für mich natürlich eine vertraute Sache, es ist immer wieder schön zu sehen, wenn ökologisches und nachhaltiges Bauen tatsächlich umgesetzt wird.“
MMag. Hanspeter Ruedl, drexel und weiss

„Für mich interessant waren vor allem die verschiedenen natürlichen Dämmstoffe als Alternative zu Styropor und Mineralwolle. Meiner Meinung nach sollten aber auch die Architekten die Verwendung biologischer Dämmmaterialien forcieren und die Bauherren über die vorhandenen Optionen informieren.“
Christian Bilgeri, Guter Plan – Andelsbuch

 

 

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit Partnerbetrieb Traumhaus Althaus organisiert.

Das Partnerbetriebs-Sanierungsforum (Exkursion) wurde im Zuge von GreenSan durchgeführt. GreenSan ist ein Projekt von Energieinstitut Vorarlberg, Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), Energieagentur Ravensburg, Energieagentur St. Gallen und der baubook gmbh. Es wird gefördert von der Europäischen Union im Rahmen von Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein und der Energieautonomie Vorarlberg.

 

Zuletzt aktualisiert am 5. Oktober 2021