Live im Betrieb bei Rieger Orgelbau

Eigentlich wollte Geschäftsführer Wendelin Eberle im Firmengebäude von Rieger Orgelbau nur den Lackierraum erneuern. Doch dann entwickelte und entwickelte sich das Projekt.

Orgelbau für die ganze Welt

Im 127. Jahr des Bestehens des Unternehmens bezog Rieger Orgelbau 1972 ein neues Betriebsgebäude beim Eingang des Achraintunnels in Schwarzach. Von hier gehen die Orgeln in Kirchen, Kathedralen und Konzerthäuser in der ganzen Welt, etwa in den Stephansdom, in die Philharmonie de Paris, die Grabeskirche in Jerusalem, nach Seoul, Südafrika oder Neuseeland.

 

Absenkung des Gebäudes und hohe Temperaturunterschiede

Da 1972 mit recht bescheidenen Mitteln auf sehr schwierigem Untergrund gebaut wurde, ist das Unternehmen seit Anbeginn damit beschäftigt die Absenkungen am Gebäude zu reparieren, nachzubessern und die Logistik im Inneren aufrecht zu halten. „Die Arbeitsbedingungen wurden immer schwieriger“, erinnert sich Geschäftsführer Wendelin Eberle. Da es so gut wie keine Isolierung gab, war es im Sommer heiß und im Winter kalt.

„Wir hatten bis zu 40 Grad, für handwerkliche Arbeiten ist dies unerträglich. Und im Winter verheizten wir manchmal 20 Container an Hackschnitzel.“ Eine gründliche Sanierung war also dringend nötig.“

Arbeitsbedingungen und Energiekosten durch Sanierung verbessert

2019 holte Wendelin Eberle den Architekten Stefan Bischof (Bischof / Zündel)  ins Boot, um den Nordtrakt zu sanieren.
Beim ersten Bauabschnitt war es für Stefan Bischof eine Herausforderung den Betrieb so wenig wie möglich zu stören. Daher wurden die Abbruch und Pilotierungsarbeiten in den Sommerurlaub 2020 gelegt.

Um die klimatischen Bedingungen zu verbessern, wurde überlegt, wie die großen Scheddächer (über 1.600 m²) die noch aus dem Jahr 1972 stammen, zu sanieren. Die Lösung wurde gemeinsam mit dem Bauphysiker entwickelt. Das Sanierungskonzept beinhaltete unter anderem auch die optimale Dämmung und richtige Verglasung.

„Mir war es wichtig, möglichst viel Bestand weiter zu verwenden und somit Geld und graue Energie zu sparen“, erklärt der Architekt.

Auch der zweite Bauabschnitt wurde bei laufendem Betrieb umgesetzt und das alles während der Covid-Pandemie.

„Wichtig ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei solchen Prozessen mitzunehmen. Wenn sie gut informiert sind und sehen, dass etwas Sinnvolles gemacht wird, dann sind sie bereit, gewisse Einschränkungen für eine gewisse Zeit auf sich zu nehmen“, weiß Wendelin Eberle.

Die Arbeitsbedingungen verbesserten sich durch die Sanierung deutlich: Keine Überhitzung im Sommer, keine Kälte im Winter, perfektes Arbeitslicht über das Sheddach. „Und unser Hauswart hat Sorgen, dass wir unseren Abfallholz-Silo, aus dem die Heizung gespeist wird, gar nicht mehr leer bekommen.“

 

Flächenintegrierte Photovoltaik auf dem Montageturm

Wendelin Eberle war es von Beginn an ein Anliegen, eine Photovoltaik-Anlage zu installieren. Der Planungsprozess gestaltete sich allerdings etwas komplexer als gedacht. Es galt, eine richtige Fläche für die Photovolatik Anlage zu finden und verschiedene Varianten wurden geprüft.

Die erste Idee, die PV-Anlage auf dem Blechdach der filigran gebauten Halle anzubringen, war aus statischen Gründen nicht möglich. Das Dach des Holzlagers war ebenfalls keine sinnvolle Option, da dieses noch in einem guten Zustand war.
Zuguterletzt war da noch der Montageturm, der schlecht isoliert war und bei dem eine thermische Sanierung sinnvoll war. Zudem wurde die Nordseite des Turmes verglast, um optimales Arbeitslicht zu schaffen. 
Bei diesem markanten Turm war es dem Architekten sehr wichtig, diesen gut und mit einer klaren Linie in Szene zu setzen. Auf der Süd-, Ost- und Westseite wurde eine flächenintegrierte PV-Anlage montiert.

Geplant und realisiert wurde die PV-Anlage von der SonnenWerkstatt GmbH. „Wir haben bereits in der Planung alle Berechnungen gemacht und den Strombedarf simuliert“, erklärt Geschäftsführer Matthias Dünser. Die Module der 100 kW-Anlage sind von hoher Qualität, auf sie gibt es 25 Jahre Garantie.

„Die aktuellen Berechnungen zeigen nun, dass die Anlage durchschnittlich etwa 50.000 kWh pro Jahr produziert. Damit reduzieren sich die Stromkosten von Rieger um 24%“, freut sich Matthias Dünser.

Für einen Betrieb, in dem am Wochenende nicht gearbeitet wird, sei das eine sehr gute Zahl. Natürlich wird die reibungslose Funktion der Anlage permanent überwacht, alle Module können einzeln überprüft werden. „So können wir die Gewährleistung geben, dass alles funktioniert“, so Dünser.

 

Wendelin Eberle ist zufrieden, obwohl die zusätzliche Sanierung des Montageturms rund 30.000 Euro Mehrkosten mit sich brachte.

„Mir geht es nicht um Profit und Einsparung“, erklärt er. „Ich tue was für die Zukunft, das ich mit gutem Gewissen vertreten kann. Wohlwissend, dass es keine Probleme löst, aber es ist ein kleiner Schritt.“
Unternehmer zu sein bedeute für ihn, Verantwortung zu tragen für andere, um alle gemeinsam weiterzubringen. „Ich möchte nicht größer und reicher werden, sondern mit dem was wir tun, vernünftig leben können.“
Darum könne er sich manchmal Sachen leisten, die vielleicht unternehmerisch nicht rentabel sind, aber von denen er weiß, es ist das Richtige.

 

Montageturm mit Photovoltaik Paneelen im Abendlicht

 

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit Partnerbetrieb Traumhaus Althaus organisiert.

Fotos: Caroline Begle, klartexterin

Zuletzt aktualisiert am 20. Juli 2022