Rückblick I economicum Session 7 I Die Wahrheit liegt in der Messung
Die gemessenen Energieverbräuche zahlreicher hocheffizienter Gebäude bestätigen die vorausberechneten Energiebedarfswerte. Gleichzeitig zeigen Lebenszykluskostenberechnungen, dass das gewählte Energieniveau nur einen geringen Einfluss auf die Investitionskosten hat.
Am 25. September 2018 fand die ausgebuchte 7. Session des economicum - Forum für leistbares und energieeffizientes Wohnen - statt.
Das Resümee der Session: Die gemessenen Energieverbräuche zahlreicher hocheffizienter Gebäude bestätigen die vorausberechneten Energiebedarfswerte. Zudem zeigen die Lebenszykluskostenberechnungen von sieben Gebäuden unterschiedlicher Nutzung, dass das gewählte Energieniveau nur einen geringen Einfluss auf die Investitionskosten hat.
Moderator Helmut Krapmeier gab in seiner Einführung einen Überblick über die Höhepunkte der sechs bisherigen Sessions. Während sich die ersten beiden Sessions mit Massivbau sowie Holz- und Mischbau beschäftigten, standen in den folgenden Sessions vor allem zukunftsfähige Wärme- und Energieversorgungssysteme im Mittelpunkt.
Tobias Hatt vom Energieinstitut stellte die Ergebnisse eines gemeinsam mit AEE intec, Gleisdorf, durchgeführten Forschungsprojekts vor, in dem die Lebenszykluskosten von sieben innovativen Gebäuden in Österreich untersucht wurden. Die Auswertung zeigt, dass das gewählte Energieniveau sowohl bei Wohn- als auch bei Nichtwohngebäuden und sowohl im Neubau als auch bei Sanierungen nur einen geringen Einfluss auf die Investitionskosten hat. Das kostenoptimale Energieniveau über den Lebenszyklus liegt für alle untersuchten Gebäudetypen bei einem gegenüber den Anforderungen der BTV drastisch reduzierten Energiebedarf. Damit bestätigen die Untersuchungen die Ergebnisse des in der 5. Session des economicum ausführlich vorgestellten Modellvorhabens KliNaWo.
Jan Heider von der HTWG Konstanz präsentierte erste Messergebnisse zum Energieverbrauch eines hocheffizienten Mehrfamilienhauses in Darmstadt, das über eine Infrarotheizung beheizt wird. Die Messungen zeigen, dass der Wärmebedarf der Gebäude mit annähernd Passivhaushülle und Wärmerückgewinnung wie erwartet niedrig liegt. Der Strombedarf für die Beheizung liegt jedoch um ein Mehrfaches über den Werten, die in wärmepumpenbeheizten Gebäuden gleicher Hüllqualität erreicht werden. Behaglichkeit, Kosten und Wirtschaftlichkeit des Systems werden derzeit noch untersucht. Der hohe Winterstrombedarf wurde in der Diskussion aus Klimaschutzgründen von den Teilnehmern kritisch hinterfragt.
Architekt Matthias Oldani aus Tägerig/CH stellte ein sehr effizientes Gebäude vor, für das er ein sehr kostengünstiges System für Fassaden-PV entwickelte. Die Kosten der PV-Fassade liegen nur knapp über denen einer Eternit-Fassade, so dass die PV-Anlage durch die Stromerzeugung (Eigennutzung und Einspeisung) wirtschaftlich betrieben werden kann. Wie die Messergebnisse zeigen, erzeugt das Gebäude jährlich etwa doppelt so viel Strom, wie es für Heizung, Warmwasser, Hilfs- und Haushaltsstrom verbraucht.
Architekt Rainer Vallentin stellte gemeinsam mit dem Bauherrn Martin Schröferl ein energieautarkes Einfamilienhaus in Bayern vor. Das Gebäude in Passivhausniveau hat auch in der Praxis seit mehreren Jahren so niedrige Energieverbräuche, dass der notwendige Strom ohne Netzanschluss alleine über die dachintegrierte PV-Anlage zur Verfügung gestellt werden kann. Zum Funktionieren des Gebäudes trägt auch der bewusste Umgang der Bewohner mit Energie bei. Das Gebäude zeigt damit die Bedeutung der Suffizienz und demonstriert, dass Gebäude in höchster Effizienz nicht nur in großen Forschungsprojekten entstehen können, sondern durch das Zusammenwirken engagierter Bauherren mit kompetenten Planern.
Martin Ploss vom Energieinstitut Vorarlberg plädierte in seinem abschießenden Vortrag dafür, die energetische Qualität von Gebäuden stärker anhand des tatsächlichen Energieverbrauchs zu bewertenn. Die vorgestellten Beispiele hocheffizienter Mehrfamilienhäuser belegen, dass auch im realen Gebäudebetrieb erhebliche Einsparungen ggegenüber den heute üblichen Standards möglich sind. So lag der gemessene Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser bei mehreren vorgestellten Mehrfamilienhäusern mit Fernwärmeanschluss bei lediglich 30 bis 40 kWh/m2WNFa. Das effizienteste der präsentierten, mit einer Wärmepumpe beheizten Mehrfamilienhäuser erreichte einen Endenergieverbrauch von knapp 10 kWh/m2WNFa.
Die Zusammenfassungen der Vorträge und weiterführende Informationen können Sie im Themenband zur economicum Session 7 nachlesen. Er kann kostenlos über den Broschürenshop bestellt oder heruntergeladen werden.
Impressionen zur 7. Session im Raiffeisenforum Dornbirn





















