Rückblick I economicum Session 5 I Forschung konkret

In der mit 50 Teilnehmern ausgebuchten Veranstaltung wurden Mehrfamilienhausprojekte aus drei Bundeländern vorgestellt, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten mit dem Thema Energieeffizienz und Wirschaftlichkeit beschäftigen.

Vergleich verschiedener Konstruktionsarten und simulationsgestützte Optimierung eines Mehrfamilienhauses, Salzburg

Spannende Ergebnisse sind aus einem Projekt in Kuchl bei Salzburg zu erwarten. Dort sollen drei im Grundriss identische Gebäude in unterschiedlichen Konstruktionsweisen sowie mit verschiedenen Wärmeversorgungs- und Speichersystemen errichtet werden. Daniel Ruepp, Fachingenieur bei EQUA, zeigte, wie mithilfe dynamischer Gebäudesimulation die verschiedenen Systeme energetisch und wirtschaftlich optimiert werden können. Das Projekt steht kurz vor der Baueinreichung.

Forschungsprojekt KliNaWo Feldkirch-Tosters: Ziele, Methodik und die wichtigsten Ergebnisse

Martin Ploss und Tobias Hatt vom Energieinstitut Vorarlberg präsentierten die ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes KliNaWo, welches sich seit April 2016 in der Bauphase befindet. Neu an diesem Projekt in Feldkirch-Tosters ist, dass die ermittelten Lebenszykluskosten Basis für die Auswahl der zu errichtenden Variante sind. Die Lebenszykluskosten setzten sich aus sämtlichen Kosten für Errichtung, Finanzierung und Betrieb über 50 Jahre zusammen.

Ausführung in Passivhausqualität

Das Projektkonsortium aus Arbeiterkammer Vorarlberg, VOGEWOSI, Land Vorarlberg, Forschungsinstitut AlpS und Energieinstitut Vorarlberg entschied sich nach Auswertung der Ergebnisse und Abwägung verschiedener Varianten für eine Ausführung in Passivhausqualität. Vorgesehen sind eine Ziegelkonstruktion mit Wärmedämmverbundsystem, Holz-Alu-Fenster mit hochwertiger Dreifachverglasung, eine Sole-Wärmepumpe mit Fußbodenheizung, eine Abluftanlage mit Zuluftnachströmung über die Außenwände sowie eine rund 100 m² große Solarthermieanlage.

Die Errichtungskosten dieser Variante nach ÖNORM B 1801-1 liegen deutlich unter der Kostengrenze der Wohnbauförderung. Bei den hocheffizienten Gebäudevarianten kompensieren zudem die niedrigeren Betriebskosten die etwas höheren Baukosten von rund 4–6 % gegenüber den Anforderungen der Bautechnikverordnung. Die hinsichtlich Primärenergiebedarf optimierten Varianten liegen deutlich unter den in Österreich geltenden und geplanten Grenzwerten. Auch die Wirtschaftlichkeit der Passivhaushülle und der hocheffizienten Fenster konnte bestätigt werden. Damit wurde die Bedeutung einer Gebäudebewertung auf Basis der Lebenszykluskosten eindrucksvoll bestätigt.

Erstes Passivhaus Plus: Wohnanlage Vögelebichl, Tirol

Elmar Draxl, Mitarbeiter des gemeinnützigen Wohnbauträgers Neue Heimat Tirol, stellte die Ergebnisse des Forschungsprojekts Vögelebichel vor. Ziel war die Realisierung eines Netto-Null-Energie-Gebäudes. Die Neue Heimat Tirol errichtet seit 2009 alle ihre gemeinnützigen Wohnbauten im Passivhausstandard und setzt diesen auch bei Sanierungen ein.

Im Projekt Vögelebichel sollte der bereits hohe energetische Standard des Passivhauses weiter verbessert werden. Voraussetzung dafür ist eine integrale Planung. Die Umsetzung wird zusätzlich erleichtert, wenn standardisierte Lösungen für die Energiespeicherung in Gebäuden entwickelt werden. Noch können die Energiekosten für Lüftungs- und Haushaltsstrom mit dem gewählten Konzept eines Netto-Null-Energie-Gebäudes nicht vollständig abgedeckt werden.

Podiumsdiskussion

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion erörterten Sabine Erber als Architektin und Mitarbeiterin des Energieinstitut Vorarlberg, Baumeister Elmar Draxl der Neuen Heimat Tirol und Christoph Drexel von drexel und weiss die Notwendigkeit einer Lüftungsanlage. Betrachtet man Luft als „DAS Lebensmittel“, gemäß dem Impulsvortrag von Michael Braun - ebenfalls Mitarbeiter des Energieinstituts Vorarlberg - dann stellt sich diese Frage nach der Notwendigkeit einer Lüftungsanlage nicht weiter.

Die Zusammenfassungen der Vorträge und weiterführende Informationen können Sie im Themenband zur economicum Session 5 nachlesen. Er kann kostenlos über den  Broschürenshop  bestellt oder heruntergeladen werden.