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Wohnraumlüftung

Die Entscheidung für eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG) hat indirekt auch auf andere Bereiche der Gebäudetechnik Einfluss. So wird durch die Wärmerückgewinnung die Gebäudeheizlast deutlich reduziert. In Gebäuden mit Wärmepumpen führt dies zu einem stark reduzierten Aufwand für die Wärmequellenerschließung, z.B. Erdwärmesonden.

Von Ferdinand Sigg und Markus Wirnsberger

Gründe für die Wohnraumlüftung

Die Hauptaufgabe der Wohnraumlüftung ist - unabhängig von ihrer Art und Weise - die Versorgung der Bewohner und des Gebäudes mit frischer Luft sowie die Sicherstellung des baulichen Feuchteschutzes. Im Inneren von Gebäuden fallen oft unerwünschte Belastungen und Verunreinigungen der Luft durch den Nutzer selbst oder durch das Gebäude und dessen Einrichtung an. Die Luftqualität nimmt dadurch im Vergleich zur Außenluft ab. Personenbedingte Belastungen der Raumluft sind beispielsweise Feuchtigkeit (Atmung, Schwitzen, Duschen), CO2 (Stoffwechsel), flüchtige organische Verbindungen (VOC) (Kochen, Rauchen, Kosmetika, etc.), Feinstaub (Rauchen, Kamin, Kochen, etc.) und andere Gerüche und Ausdünstungen infolge menschlicher Aktivität.

Ebenso können Krankheitserreger (Viren etc.) über die Raumluft übertragen werden, was insbesondere bei Räumen mit hoher Belegungsdichte einen regelmäßigen Luftaustausch unabdingbar macht. Gebäudebedingte Schadstoffe sind vor allem Feuchtigkeit (z.B. Baufeuchte) und flüchtige organische Verbindungen (Einrichtungsgegenstände, Farben, Kleber, Lacke, Textilien, etc.). Neben der Beseitigung solcher ungewollten Bestandteile der Raumluft durch das Lüften kann auch erhöhte Feuchtigkeit bauphysikalisch zu Problemen am Gebäude führen (Feuchteschäden, Schimmel etc.) und muss daher konsequent abgeführt werden.

Bei den beschriebenen Lüftungskonzepten wird immer vorausgesetzt, dass die Qualität der Außenluft besser ist, als jene im Gebäude und deshalb die Innenraumluft durch Außenluft erneuert wird. Es werden keine Luftaufbereiter oder -reiniger beschrieben.
Die Frage ist also nicht, ob gelüftet werden soll, sondern in welcher Art und Weise dies im Hinblick auf die verschiedenen Möglichkeiten der Wohnraumlüftung geschehen kann. Neben der freien Fensterlüftung kann grundsätzlich zwischen wohnungsweisen, raumweisen und gebäudezentralen Lüftungssystemen unterschieden werden. Weiter werden die Anlagen entweder als reine Abluftsysteme, oder als Wohnraumlüftungen mit Wärmerückgewinnung ausgeführt.

Sie möchten mehr zu den Vor- und Nachteilen der einzelnen Systeme erfahren? Hier gehts zur ungekürzten Langfassung.

Bedarfsgerechte Luftmengendimensionierung

Zur Erfüllung oben genannter Anforderungen sind zunächst die Luftvolumenströme zu dimensionieren. Dazu stehen zahlreiche Rechenwerkzeuge und Publikationen zur Verfügung. Die Auslegung des hygienisch notwendigen Luftwechsels erfolgt u.a. in Abhängigkeit von der zu erwartenden Personenzahl. Die hygienische Mindestluftmenge in Mehrfamilienhäusern liegt meist in einem durchschnittlichen Luftwechsel alle 3 Stunden. Der personenbezogene Mindestvolumenstrom sollte jedoch nicht unter 30 m³/h liegen.

Im Idealfall erfolgt die zuluftseitige Leitungsdimensionierung nutzungsunabhängig, da oftmals nicht klar ist, in welchem Raum welche Nutzung zu erwarten ist (Elternschlafzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer etc.) und der raumweise Volumenstrom wird dann später der konkreten Nutzung entsprechend justiert.

Energetische Aspekte

Die Entscheidung für eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG) hat indirekt auch auf andere Bereiche der Gebäudetechnik Einfluss.

So wird durch die Wärmerückgewinnung die Gebäudeheizlast deutlich reduziert. In Gebäuden mit Wärmepumpen führt dies zu einem stark reduzierten Aufwand für die Wärmequellenerschließung, z.B. Erdwärmesonden.

In Abb. 1 ist die geordnete Jahresdauerlinie der Heizlast (simuliert) dargestellt. Der Einfluss der Wärmerückgewinnung ist deutlich zu erkennen. Bezogen auf den Heizwärmebedarf ergeben sich meist energetische Einsparungen im Bereich von 15 kWh/(m²EBF a). Dieser Einsparung steht in guten Anlagen ein Strombedarf von etwa 2,5 kWh/(m²EBF a) bis 3,5 kWh/(m²EBF a) für die Komfortlüftung mit WRG gegenüber.

Abbildung 1: Geordnete Jahresdauerlinie der Heizleistung am Beispielgebäude KliNaWo (Kapitel 2.1).&lt;br&gt;&lt;br /&gt;<br /> Der Einfluss der Wärmerückgewinnung (WRG) ist deutlich erkennbar

Zusammenfassend kann man vor allem die wohnungs- und die gebäudezentralen Systeme mit Wärmerückgewinnung hinsichtlich Energieeffizienz und Komfort empfehlen. Die Entscheidung für eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung hat indirekt auch auf andere Bereiche der Gebäudetechnik Einfluss. So wird durch die Wärmerückgewinnung die Gebäudeheizlast deutlich reduziert. In Gebäuden mit Wärmepumpen führt dies zu einem stark reduzierten Aufwand für die Wärmequellenerschließung, z.B. Erdwärmesonden.

Empfehlenswerte Lüftungsgeräte, welche von unabhängiger Stelle geprüft wurden, sind beispielsweise hier zu finden. Insbesondere Lüftungsgeräte mit einem Wärmebereitstellungsgrad mit mindestens 80 % bis 85 % (wohnungsweise Geräte) bzw. mindestens 75 % bis 80 % (gebäudezentrale Geräte) und einer Stromeffizienz unter 0,30 bis 0,35 Wh(/m3h) bei wohnungsweisen Geräten und max. 0,40 Wh/(m3h) bis 0,45 Wh/(m3h) bei gebäudezentralen Geräten sind hierbei zu empfehlen.