Der Bestand gibt den Ton an

In Feldkirch wurde ein Stadthaus aus dem Jahr 1914 umfassend saniert. Ursprünglich von Hilti & Jehle errichtet, erhielt das Gebäude in den 1980er Jahren einen Windfang und Anbau mit Bad, eine Terrasse mit Werkstatt darunter und eine Garage/Carport. Nach über hundert Jahren erfolgte nun durch denselben Bauträger eine Generalsanierung.

Energieinstitut Vorarlberg
Bauleute mit Bauleiter Wolfgang Mathis (Hilti & Jehle) bei der Schlüsselübergabe

Hinter der historischen Fassade verbirgt sich heute ein vollständig modernisiertes, energieeffizientes Zuhause für eine junge Familie. 
Wie die Balance zwischen Erhalt und Innovation gelungen ist, erzählen die beteiligten Bauleute Fabienne und Alexander Nigg und Bauleiter Wolfgang Mathis von Partnerbetrieb Hilti & Jehle, im Interview. 

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1914 und wurde als „erhaltenswürdig“ eingestuft. Was war der Ausgangspunkt für die Sanierung?

F. und A. Nigg: Der Reiz lag ganz klar im Bestand. Das Haus hatte eine starke architektonische Identität – die wollten wir unbedingt bewahren. Gleichzeitig war der energetische Zustand nicht mehr zeitgemäß. Unser Ziel war es, den Charakter zu erhalten und das Gebäude technisch auf einen modernen Stand zu bringen.

Welche zentralen Maßnahmen habt ihr umgesetzt?

W. Mathis: Ein großer Schritt war die thermische Sanierung: Wir haben die Gebäudehülle mit einem Wärmedämmverbundsystem auf Basis von Holzweichfaserplatten gedämmt. Die Fenster wurden ausgebaut und in die neue Dämmebene gesetzt, um Wärmebrücken zu vermeiden. Auch das Dach wurde neu eingedeckt.
Im Innenbereich wurde ebenfalls viel gemacht: abgehängte Decken mit Dämmung, neue Wandaufbauten mit Schilfmatten, Wandheizung und Lehmputz. Beheizt wird künftig mit einer Luftwärmepumpe, ergänzt durch einen Speicherofen.

Warum fiel die Entscheidung auf diese Materialien und Systeme?

A. Nigg: Uns war wichtig, ökologische und bauphysikalisch sinnvolle Lösungen zu kombinieren. Materialien wie Holzfaser, Lehm und Schilf sorgen für ein gutes Raumklima und sind nachhaltig. Gleichzeitig ermöglichen moderne Systeme wie die Wärmepumpe einen effizienten Betrieb.

Das Dachgeschoss wurde neu erschlossen. Welche Rolle spielte diese Erweiterung?

F. Nigg: Eine sehr große. Das Dachgeschoss war zuvor ungenutzt – jetzt ist es ein vollwertiger Wohnraum mit rund 160 m²Gesamtfläche im Haus. Durch die steile Dachneigung konnten wir viel Raum gewinnen. Zwei große Dachfenster bringen zusätzlich Licht hinein und machen den Bereich flexibel nutzbar, etwa als Studio.

Wie seid ihr mit der historischen Bausubstanz umgegangen?

W. Mathis: Mit viel Respekt. Das bestehende Gebälk wurde erhalten, statisch verstärkt und mit Zellulose gedämmt. Dabei mussten sogar alte Holznägel vorsichtig entfernt und später wieder eingesetzt werden. Solche Details zeigen, wie sensibel man im Bestand arbeiten muss.

Die Wünsche der Bauleute mit dem Bestand zu vereinbaren ist die größte Herausforderung bei diesem Projekt.
Bauleiter Wolfgang Mathis, Hilti & Jehle 

Welche besonderen Details zeichnen das Projekt aus?

A. Nigg: Zum Beispiel die Sandsteinverblendung an der Fassade, die das ursprüngliche Erscheinungsbild unterstreicht. Oder die rund verputzte Decke im Bad, die sich an der Form der benachbarten Garage orientiert. Solche Elemente entstehen oft erst im Prozess – wenn man genau hinschaut.

Welche Vorteile bringt die Sanierung heute – energetisch und für die Bewohner*innen?


W. Mathis: Das Haus ist jetzt deutlich energieeffizienter und bietet gleichzeitig einen sehr hohen Wohnkomfort. Durch die Kombination aus Dämmung, Wandheizung und natürlichen Materialien entsteht ein angenehmes Raumklima. Und nicht zuletzt haben wir zusätzlichen Wohnraum geschaffen, ohne neue Fläche zu verbrauchen.


Was würdet ihr anderen Bauleuten und Betrieben mitgeben, die ein ähnliches Projekt planen?

Den Bestand sollen Bauleute als Chance zu sehen. Alte Gebäude haben Qualitäten, die man nicht neu bauen kann. Wenn man diese mit moderner Technik kombiniert, entstehen sehr hochwertige Lösungen. Wichtig ist, frühzeitig ein gutes Konzept zu entwickeln und mit erfahrenen Partnern zu arbeiten.
Bauleute A. und F. Nigg

Wir waren sehr froh über die gute Zusammenarbeit mit unserem Bauleiter Wolfgang Mathis und den beteiligten Firmen – 4 davon aus den Reihen der Partnerbetriebe!

Vielen Dank für das Gespräch!

Dank der Offenheit und Flexibilität der Bauleute sich auf ganzheitliche und nachhaltige Lösungen einzulassen und aufgrund der frühzeitigen Projektbegleitung im Rahmen der geförderten Potenzialberatung Altbau und einer guten Zusammenarbeit in der anschließenden Planungsphase, konnte eine sehr gelungene Sanierung und Belebung von wertvollem Bestand entstehen.
DI Kai Längle, natürlich bauen

Factbox

  • Baujahr: ca. 1914
  • Nutzung: Wohnhaus für eine junge Familie
  • Wohnfläche: rund 160 m² (inkl. Dachgeschossausbau)
  • Status: als „erhaltenswürdig“ eingestuft (erhöhte Förderungen möglich)
  • Sanierungsmaßnahmen: Thermische Sanierung, Dachausbau (Schaffung zusätzlichen Wohnraums), Neue Gebäudehülle
  • Konstruktion & Materialien
    Dämmung: 10 cm Holzweichfaser (Fassade), 10 cm Mineraldämmung (Decken), Wandaufbau: Schilfmatte, Wandheizung, Lehmputz
  • Haustechnik: Luftwärmepumpe, Speicherofen (ausgeführt von Müller Ofenbau)
  • Beteiligte Partnerbetriebe: Planung durch Sanierungslotse Kai Längle (natürlich bauen), Ausführung durch Hilti & Jehle (Generalunternehmen), Lins Dach, Müller Ofenbau,  doma vkw

Mehr Details über diese erfolgreiche Sanierung und weitere nachahmenswerte Beispiele finden Sie in der Sanierungsgalerie www.sanierungsgalerie.at  

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit Julia Weger, WEGWEISER – Büro für nachhaltige Ideen

Unsere Partner:innen

veröffentlicht 01.10.2026