Wir – die Plattform Partnerbetrieb Traumhaus Althaus – und zwei unserer Mitgliedsbetriebe feiern Geburtstag. So dürfen das Planungsteam E-Plus GmbH in Egg, dass sich mit energieeffizienter Haustechnik für Passiv- und Niedrigstenergiegebäude beschäftigt und unser Premiumförderer, der Sanitär- und Heizungsgroßhändler Inhaus Handels GmbH aus Hohenems, auf 20 aktive Jahre zurückblicken.

Aus diesem Anlass haben wir mit Stephen Kaltheier (Geschäftsführer Planungsteam E-Plus GmbH) und Jürgen Egender (Leitung Lösungen Technik, Produktmanagement bei Inhaus Handels GmbH) über die Entwicklungen, die Zukunft und ein gemeinsames Projekt gesprochen.

 

Ihre Unternehmen haben sich innerhalb von 20 Jahren zu Leitbetrieben in der Branche entwickelt. Doch wie ging eigentlich alles los?

Stephen Kaltheier: Ich habe meinen Geschäftspartner Bernd Krauss beim Studium für Energie- und Wärmetechnik an der Fachhochschule in Gießen (D) kennengelernt. Wir kamen beide aus der Praxis und haben uns sehr für regenerative Energien begeistert. Daher war für uns klar, dass wir unsere Diplomarbeit auch praktisch umsetzen wollen. So entstand bereits 1995 eines der ersten „Passivhäuser“ in Europa. Und wir haben gemerkt, dass wir auch weiterhin gemeinsame Wege gehen möchten.

Damals wart ihr damit noch ziemliche Pioniere, die Studienrichtung wohl eher noch eine Rarität. Wie kam es, dass es euch mit diesem ganzen Wissen, nach Vorarlberg verschlug?

Stephen Kaltheier: In Deutschland gab es bereits viel theoretisches Wissen rund um regenerative Energien, aber noch kein Ingenieurbüro mit diesem Fokus, dass uns auch einstellen konnte oder wollte. Wir bekamen viele Angebote von konventionellen Anbietern, aber das war nicht unseres.

In Vorarlberg machte in dieser Zeit schon umfangreich die Holzbauarchitektur mit den Vordenkern wie Hermann Kaufmann oder Günter Morscher auf sich aufmerksam. Innovative Projekte, ob architektonisch oder auch technisch gesehen, schossen der Reihe nach aus dem Boden. Christof Drexel (Anm.: Gründer von drexel und weiss energieeffiziente Haustechnik GmbH in Wolfurt – Fördermitglied der Partnerbetriebe Traumhaus Althaus) war einer der Pioniere für eine nachhaltige Lüftungs- und Wärmetechnik. Er wurde auf uns aufmerksam und meinte „Leute wie euch brauchen wir!”

Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und brachen innerhalb von zwei Wochen die Zelte in Deutschland ab. Von dort ging es direkt in den Bregenzerwald. Als „Landeier“ genossen wir es, hier zu wohnen und in Dornbirn zu arbeiten. Nach einiger Zeit (1996-1999) bei GMI Ingenieure Dornbirn haben wir beschlossen, unser eigenes Ding zu machen und uns gänzlich der energieeffizienten, ressourcenschonenden Haustechnikplanung zu widmen.

 

Visionär ging es auch bei der Gründung von INHAUS zu, richtig?

Jürgen Egender: Ja, und auch hier waren aller guten Dinge drei. Aus drei Firmen mit ähnlichem Zweck wurde ein Komplettanbieter von Bad, Installationen und Heizungssystemen. Unser Geschäftsführer Robert Küng hatte damals die visionäre Idee einer großen und umfassenden Bäderausstellung. Anfangs hat man ihn dafür belächelt. Heute ist der Bäder- und Energiepark das Herzstück unseres Unternehmens.

 

Herr Kaltheier, auch nach 20 Jahren sind Sie motiviert und Ihr Unternehmen ist mittlerweile gewachsen. Was sind heute die Herausforderungen?

Stephen Kaltheier: Unsere Kompetenzen haben sich sicher in vielen Bereichen und Projekten etabliert und es gibt in Vorarlberg eher wenige Anbieter dieser umfassenden Dienstleistung.

Die heutigen bzw. neueren Herausforderungen liegen sicher auch in der extremen Schnelllebigkeit unserer Zeit. Das Internet, wo sich jeder irgendwas zusammen googlen kann, dadurch meist aber nur Halbwissen erlangt und meint, damit eine fundierte Planung „sparen“ zu können.  Dabei werden die technisch – wirtschaftlichen Zusammenhänge immer komplexer und es ist zunehmend mehr Fachwissen gefragt, um genau diese Zusammenhänge in wirklich nachhaltige Konzepte zu gießen (Stichwort Lebenszykluskosten).

Heute redet jeder gleich von „Low-Tech“ möchte aber gleichzeitig maximalen Komfort. Hierfür braucht es einen Gesamtüberblick oder auch Weitblick auf die Energieperformance  

Leider sind auch die Ausbildungsmöglichkeiten immer noch sehr rar und das Recruiting daher schwierig. Die wenigsten unserer MitarbeiterInnen haben eine konkrete Ausbildung. Wichtig ist, dass Motivation und Lernbereitschaft stimmen.

Aber Sie haben sich in den letzten Jahren sehr dafür engagiert, dass sich genau das ändert.

Stephen Kaltheier: Ja, wir haben versucht, den Beruf bekannter zu machen. Es ist uns gelungen, dass in der HTL Rankweil mittlerweile die Fachrichtung Heizungs- und Lüftungstechnik angeboten wird. Aber es bräuchte noch viel mehr. Denn wer ein Hochschulstudium anstrebt, muss derzeit entweder nach Deutschland gehen oder ins Burgenland. Beides nicht gerade ums Eck.

Jürgen Egender: Ich bewundere euer Engagement. Davon würde es definitiv noch mehr gebrauchen. Wir sind, was das Recruiting betrifft, zum Glück in einer sehr privilegierten Situation. 

Was aber auch mit dem Umgang mit den MitarbeiterInnen zu tun hat, oder?

Jürgen Egender: Ja, für uns steht der Mensch an erster Stelle. Wir beschäftigen derzeit ca. 220 Mitarbeiter*innen in über 60 verschiedenen Zeitarbeitsmodellen. Was uns besonders freut, ist, dass wir eine sehr hohe Rückflussquote aufweisen können. Das bedeutet, dass jene, die gerne einmal etwas anderes ausprobieren möchten, in ganz vielen Fällen wieder zu uns zurückkehren. Das ehrt uns sehr und bestätigt uns in unserem Tun.

Nochmals zurück zu Ihren Schwerpunkten und Kernkompetenzen. Wie können Sie diese kurz und prägnant für unsere LeserInnen zusammenfassen?

Jürgen Egender: Wir sehen uns als Komplettanbieter von Bad, Installationen und Heizungssystemen. Installateure bekommen bei uns alles, was sie brauchen aus einer Hand. Ganz besonders schätze ich, dass wir unabhängig sind und unseren Kund*innen, die wir Partner*innen nennen, immer das für sie Beste anbieten können.

Stephen Kaltheier: Wir sind spezialisiert auf nachhaltige Energiekonzepte für intelligente Gebäude und die Qualitätssicherung von haustechnischen Anlagen. Höchste Kosten- und Energieeffizenz stehen dabei im Vordergrund. Unser Schwerpunkt in der Haustechnikplanung hat sich in den letzten Jahren immer mehr auf öffentliche Gebäude fokussiert. Gerade Schulen und den gemeinnützigen Wohnbau haben wir nun häufig im Portfolio. Und wir beteiligen uns an Forschungsprojekten, wie zum Beispiel in Dafins. Dort wird beleuchtet, wie ein Passiv- und Niedrighauskonzept im gemeinnützigen Wohnbau zur Effizienzsteigerung beitragen kann. Auch heute arbeiten wir noch oft mit Passivhaus-Pionieren wie Günter Morscher zusammen, u. a. in Langenegg. Hier entstand das erste zerfifizierte Passivhaus Plus in Vorarlberg.

Beispiele für die Zusammenarbeit mit Günter Morscher (Bild 1 & 2) und Hein architekten und Baukultur (Kinderhaus Langenegg)

 

Stichwort Langenegg: Vor kurzem konnten Sie dort gemeinsam mit INHAUS ein Projekt realisiert. Worum ging es da?

Stephen Katheier: Die Gemeinde Langenegg dürfen wir seit vielen Jahren auf ihren Weg zu mehr Energieeffizienz begleiten. Nun galt es, die bereits 1996 installierte Biomasse Nahwärme auf Vordermann zu bringen. Ziel war Effizienzsteigerung des Heizkessels. Mit der gleichen Menge Brennstoff sollte mehr Wärme generiert werden können. Gemeinsam mit INHAUS konnten wir eine optimale Lösung dafür finden.

Jürgen Egender: Wir waren sehr glücklich, dass wir in Langenegg zeigen konnten, was hier mittlerweile alles möglich ist. Mit unserem Partner, der Firma ETA, fanden wir eine perfekte Lösung für das Problem. ETA ist auf die Herstellung von Biomasseheizungen spezialisiert, also auf Stückholz-, Pellets- und Hackgutkessel. Wir konnten mit einem technisch sehr hochwertigen Produkt, dass auch preislich gut durchdacht war, überzeugen.

Was konkret ist an dieser Lösung so besonders?  

Jürgen Egender: Eine der wichtigsten Neuerungen ist, dass nun zu 100 % mit Biomasse geheizt werden kann. Es bedarf keiner Heizöl-Notreserve mehr. Da nun zwei Kessel statt einem im Einsatz sind, kann eine bessere Teillastkapazität erreicht werden. Das ist vor allem in der Übergangszeit und beim Ausfall eines Kessels vorteilhaft. Besonders freut uns, dass es gelungen ist, die Anlage an die bestehende Hackgutausgabe anzugliedern. Denn dies ist “so robust wie ein Panzer” und hält sicher noch viele Jahre. Es wäre aus ökologischer und ökonomischer Sicht fatal gewesen, hier etwas Neues zu installieren. Und schlussendlich hat auch der Gemeindemitarbeiter, der für die Reinigung und Wartung der Anlage zuständig ist, seine Freude. Durch einen selbstreinigenden Wärmetauscher spart er sich ca. 1 Arbeitstag pro Woche.

Stephen Kaltheier: Ja, und zudem ist mit dem integrierten Filter auch die Rauchgas-Performance wesentlich besser als vorher. Langenegg erfüllt damit die ab 2030 gültigen EU-Vorgaben bereits jetzt. Wir sind überzeugt, dass sich noch weitere Gemeinden daran ein Beispiel nehmen werden.

 

Mir scheint, dass hier zwei Partnerbetriebe wirklich ein tolles Projekt gemeinsam auf die Füße gestellt haben. Herzliche Gratulation!

Abschließend, was möchten Sie unseren Leser*innen noch mitgeben?

Stephen Kaltheier: Für mich ist ganz klar, dass wir eine Effizienzsteigerung und die viel gerühmte, einstimmig beschlossene Energieautonomie nur dann erlangen, wenn wir verstärkt auf Sanierungen setzen. Die Plattform Partnerbetriebe Traumhaus Althaus trägt dazu bei, dass dies gehört und gesehen wird. Danke auch euch für euer 20-jähriges Engagement in dieser Sache. Dranbleiben und nicht unterkriegen lassen, das ist unsere Devise. Wir sind jedenfalls hoch motiviert und möchten in den nächsten 20 Jahren noch so einiges vorwärtsbringen. Aus diesem Grund bieten wir zukünftig auch die Planung von ganzheitlich konzipierten PV-Strom/ Wärme / Kälte-Projekten an. Dafür haben wir einen zertifizierten PV-Anlagen Planer mit Elektroplanungskonzession in unser Planungsteam integriert.

Jürgen Egender: Wir sehen Nachhaltigkeit als permanente Aufgabe in unserem Unternehmen. Das haben wir auch fest in unserem Leitbild verankert. Kurzfristiger Gewinn ist nicht das Ziel. Unsere Werte liegen woanders: in der täglich gelebten Nachhaltigkeit. In der Verantwortung für unser Tun. Im Kümmern um unsere Umwelt. Im Gestalten einer guten Zukunft. Für uns und unsere Familien. Für die Bedürfnisse aller Generationen. Dafür arbeiten wir auch weiterhin.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Bildergalerie zu Projekten der Firma E-Plus GmbH:

 

Factbox:

Firma Planungsteam E-Plus GmbH
Website www.e-plus.at
Gründung 2000
Partnerbetrieb seit 2003
Zertifikate & Auszeichnungen eine Auswahl der Zertifikate:

  • Klimaaktiv Kompetenzpartner
  • EUREM Zertifikat
  • Qualitätsbeauftragter für QM Holzheizwerke

zahlreiche  Auszeichnungen, unter anderem:

  • Bauherrenpreis Hypo Vorarlberg
  • NaWo-Award für KliNaWo

weitere Zertifikate und  Auszeichnungen finden Sie auf www.e-plus.at

 

Firma INHAUS Handels GmbH
Website www.inhaus.eu
Gründung 2000
Premium-Förderer der Partnerbetriebe seit 2014
Zertifikate & Auszeichnungen

Zertifikat

  • Klimaneutralitätsbündnis 2025

Auszeichnungen

  • Ausgezeichneter familienfreundlicher Betrieb
  • Ausgezeichneter Lehrbetrieb
  • Bester Arbeitgeber Vorarlbergs – Top 5

 

Der Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Mag.a Julia Weger, WEGWEISER – Büro für gute Ideen, Schwarzenberg, erstellt.

 
 
 
 
 
 
Zuletzt aktualisiert am 9. Dezember 2020