Der Sockel ist ein hochbelasteter Bereich eines Gebäudes. Wasser in jeglicher Form, Salze, Temperaturschwankungen und Frost-/Tauwechsel wirken ständig auf ihn ein. Deshalb gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Maßnahmen, um Sockelanschlüsse dauerhaft vor diesen Einflüssen zu schützen und Schäden langfristig zu vermeiden.

Gerade im Neubau ist die Hauptursache für schadhafte Gebäudesockel eine nicht fachgerecht geplante oder mangelhaft ausgeführte Sockel- oder Putzabdichtung. Im Altbau fehlt sie meist komplett und die nachträgliche Anbringung bzw. Behebung der (Feuchte-)Schäden ist aufwändig bis unmöglich. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Klimawandels und der zukünftig wahrscheinlich häufiger vorkommenden Starkregenereignissen und anderen Wetterkapriolen ist diesem Teil des Gebäudes ein besonderes Augenmerk zu schenken.

Dem kamen wir bei diesem Sanierungsforum der Plattform Partnerbetrieb Traumhas Althaus nach. Gastgeber war passend unser Fördermitglied Röfix (erfahren sie mehr über die Firma Röfix im Interview), das uns zuvor einen exklusiven Blick in ihre Foschungs- und Entwicklungsabteilung gewährte.


Auf den Punkt gebracht:

  • „Bauwerksabdichtung und Sockelanschlüsse aus Sicht des Abdichters“
    Emanuel Schinnerl, Geschäftsführer Fa. Tectum

    Man unterscheidet zwischen der Bauwerksabdichtung und der Sockelabdichtung, das ist nicht das Gleiche. Da jede Form der Wasserbelastung problematisch ist, muss ein Gebäude gegen Bodenfeuchte, drückendes und nicht drückendes Wassser, Schlagregen und aufstauendes Oberflächenwasser geschützt werden. Dafür gibt es je nach Lastfall in der Norm genau vorgeschriebene Vorgehensweisen. Es gilt: geklebte Anschlüsse an WU-Beton können keine gesichterte Anforderung an Dichtheit gegen flüssiges Wassser erfüllen, da der Klebeverbund durch Betonfeuchte und -zusätze beeinflusst wird. Abdichtungsan- und abschlüsse müssen mindestens 15 cm über Bodenniveau hochgezogen werden für Regensicherheit. Bei Hanglagen, Gefahr von viel Schnee oder Stauwasser sind es mindestens 30 cm.
    Relativ neu sind Spritzabdichtungen ohne Einlage statt Abdichtungsbahnen. Sie lassen sich sehr gut vor Ort verarbeiten. Kabeldurchlässe und Blitzschutzkabel können problemlos und dauerhaft mit dem hochflexiblen Spritzprodukt mit 3 – 4 mm Stärke abgedichtet werden. Lediglich Kanten müssen mit einem Vlies verstärkt werden. Allerdings ist die Methode etwas teurer und die Verarbeitung schmutzbelastet.

    Tipp 1: Nicht vergessen, das obere Ende von bahnförmigen Wandabdichtungen durch eine Klemmleiste gegen Abrutschen zu sichern!
    Tipp 2: Die Verbindung zwischen Beton und Bitumen ist auf Grund von Betonfeuchte, Betonschlämpe etc. fehlerbehaftet und nur punktuell kontrolliebar. Innovatoin: Ein einseitig längsgerilltes, kaltselbstklebendes Polymerbitumenband am unteren Sockelrand schafft Abhilfe.
    Tipp 3: Bei Neubauten sollte jeder Bauherr den Einsatz von Sensoren zumindest in Betracht ziehen (Institut für Flachdach- und Bauwerksabdichtung: Richtlinie Dichtheits- und Feuchtemonitoring).

 

  • „Sockelabdichtungen und Putzsanierungen bei WDVS“
    Emil Pfitscher, Technischer Verkauf und Beratung, Röfix AG

    @ Sockelabdichtung: Der Sockel ist ein Gliederungselement, das als unterer Abschluss der Fassadengestaltung fungiert. Man unterscheidet den Spritzwasser- und den erdberührten Bereich. Auch Balkone, Loggien Flachdachanschlüsse, Vordächer oder Laubengänge sind bei einem unteren Abschluss des WDVS vor Spritzwasser zu schützen. Über 98% der Reklamationen sind keine Materialmängel, sondern Ausführungsfehler. Eine neue Verarbeitungsrichtlinie 2019 der Qualitätsgruppe Wärmedämmsystem bietet Unterstützung bei der fachgerechten Ausführung.

    @ Putzsanierung: Dämmfassaden wurden im großen Stil ab Ende der 80er Jahre ausgeführt. Nach 10-20 Jahren braucht es eine Auffrischung, nach 20-40 Jahren eine Sanierung. Ist die Fassade nur verschmutzt oder hat feine Haarrisse, genügt ein Anstrich. Diese Instandhaltung und Pflege ist eine “Sowieso-Maßnahme”. Zu prüfen ist, ob nicht eine zusätzliche Dämmung planerisch und finanziell sinnvoll ist (Kosten für Gerüst, Maler, etc fallen “sowieso” an). Dabei ist eine Demontage des bestehenden WDVS – bei tragfähigem Untergrund – nicht nötig, es wird einfach aufgedoppelt und bestehende Ressourcen nicht verschwendet. Ist ein Nachrüsten aus energetischen Gründen nicht erforderlich bzw. baulich nicht möglich (Abstandsnachsicht, Baulinie, etc.) empfiehlt sich ein dickschichtiges Putzträgersystem.

    Tipp 1: Ein sogenannter Kapillarschnitt im Putz eines flächenbündigen Sockels verhindert aufsteigende Feuchte. Bei uns leider noch selten, in der Schweiz seit Jahren bewährt.
    Tipp 2: Bei der Aufdoppelung sollte der Taupunkt in der äußeren, neuen Dämmschicht liegen. Wir empfehlen die Beurteilung und Planung durch einen qualifizierten Bauphysiker.
    Tipp 3: Ein frischer Anstrich – je nach Belastung ca. alle 10 Jahre – ist die Grundvoraussetzung für eine intakte WDVS-Fassade.

 

  • „Wer den Schaden hat . . . Fallbeispiele aus der Praxis“
    Karl Torghele, Geschäftsführer Firma Spektrum

Ob ein Schaden aufgrund von eindringender Feuchte, Diffusion oder Konvektion in der Konstruktion und/oder durch Wärmebrücken verursacht wird, ist nicht immer ganz einfach herauszufinden. Oft ist es auch eine Kombination verschiedener Umstände. Ein kleiner unscheinbarer Riss im Bereich der Fensterbank kann zum Beispiel auch in Bereichen der Sockelfassade zu Schäden führen – hierbei spricht man von fließendem Wasser. Im Inneren zeigt sich der Feuchteschaden durch z.B. Salzausblühungen, Farb- und Putzablösungen und/oder Schimmelbildung. Der Außenputz kann Salzablagerungen zeigen, die zu einem Verlust an Festigkeit führen, oder er weist Blasen oder Risse durch Wasser/Eisbildung auf. Vor allem ältere Gebäude zeigen oft Schäden durch kapillar aufsteigende Feuchte aus dem angrenzenden Gelände auf, da der Abdichtungsanschluss oder gar die ganze Abdichtung fehlt. Bei neueren Gebäuden ist öfter eine mangelnde Ausführung bzw. Planung des Dichtanschlusses oder eine fehlerhafte Produktwahl Auslöser. Schimmel hat häufig Wärmebrücken zur Ursache, da braucht es oft gar keine anderen Gründe.

Tipp 1: Putze im Sockel- und erdberührten Bereich sind immer zusätzlich abzudichten. Diese Leistung ist bei der Planung und Ausschreibung als eigene Position zu berücksichtigen.
Tipp 2: Sanierputze immer vom anschließenden Gelände trennen, z.B. durch eine Putzleiste, das Aufstellen auf der Abdichtung oder eine Hydrophobierung.
Tipp 3: Bei immer wiederkehrenden Schadensbildern im Sockelbereich, deren Ursache unter anderem ein hoher Salzgehalt in der Konstruktion sein kann, sollte man sich eine alternative zum Sockelputz überlegen. Steinplattenverkleidungen auf der Abdichtungsebene oder mit Hinterlüftung können hier Abhilfe leisten.

 

Stimme:


“In meiner Arbeit habe ich den Schwerpunkt vorrangig auf das Technische gelegt. Dank der Veranstaltung konnte ich die bauphysikalische Sicht vertiefen.” Dietmar Metzler, Metzler Fensterbau

 

“Der Trend liegt sicher in Richtung WDVS-Sanierungssysteme. Der Boom liegt gut 20-30 Jahre zurück, diese Fassaden müssten die nächsten Jahre saniert werden. Es ist sinnvoll, bereits eingesetzte Ressourcen zu schonen, indem sie Instand gesetzt werden.” Emil Pfitscher, Röfix

 

Diese Veranstaltung wird im Zuge von GreenSan durchgeführt. GreenSan ist ein Projekt von Energieinstitut Vorarlberg, Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), Energieagentur Ravensburg, Energieagentur St. Gallen und der baubook gmbh. Es wird gefördert von der Europäischen Union im Rahmen von Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein und der Energieautonomie Vorarlberg.

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Zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2021